Landesbüro Thüringen

Meine Begegnung mit Willy Brandt. Erinnerungen an den Besuch Brandts vor 50 Jahren

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Zeitzeuge Roland Büttner erinnert sich an den Besuch Willy Brandts

Willy Brandt in Erfurt

Am 19. März 1970 war es soweit: Nach langen Vorbereitungen erreichte die Delegation mit Willy Brandt, der als erster westdeutscher Regierungschef in die DDR reiste, am Vormittag Erfurt. Bereits an der Bahnstrecke standen viele Schaulustige und winkten dem Sonderzug zu. In Erfurt angekommen, begrüßte Willi Stoph, Vorsitzender des Ministerrats der DDR, Bundeskanzler Brandt. Der Bahnhof war extra für den Besuch verschönert worden. Doch das wahre Ereignis dieses Tages erwartete Willy Brandt auf dem Bahnhofsvorplatz. Als Brandt und Stoph den kurzen Weg vom Bahnhof über den davorgelegenen Platz zum Tagungsort zurücklegten, durchbrachen mehrere tausend Menschen die Absperrung der Volkspolizei und füllten den Platz.

Die Delegationen zogen sich in das Hotel „Erfurter Hof“ zurück. Dort waren Vieraugengespräche zwischen Brandt und Stoph verabredet, die weitere Verhandlungen vorbereiten sollten. Im Ergebnis vereinbarte man einen baldigen Gegenbesuch von Willi Stoph in Kassel.

Während der Verhandlungen hallten die Rufe „Willy Brandt ans Fenster“ über den Bahnhofsvorplatz, bis sich Brandt tatsächlich am Fenster zeigte. So entstanden die Bilder, die in den kommenden Tagen um die Welt gingen. Ein sichtlich bewegter Willy Brandt versuchte die Masse auf dem Erfurter Bahnhofsvorplatz zu beruhigen. Trotz intensiver Vorbereitungen durch das Ministerium für Staatssicherheit und verschiedener Vorkehrungen, die eine schwer kontrollierbare Menschenmenge an diesem Tag verhindern sollte, wurde der Besuch von Willy Brandt in Erfurt zu einem Symbol der Hoffnungen auf eine Wiederannäherung der beiden Staaten. Viele Menschen, die sich auf dem Bahnhofsvorplatz eingefunden hatten, hofften, bald auch ihre Familienmitglieder in der BRD wieder besuchen zu können.

Am Nachmittag des 19. März besuchten die Delegationen zudem die nahe Weimar gelegene Gedenkstätte des früheren Konzentrationslager Buchenwald. Brandt, der selbst im norwegischen Exil als Widerstandskämpfer gegen Hitler-Deutschland gekämpft hatte, legte hier einen Kranz nieder und besichtigte das frühere Lagergelände und die Krematorien. Entgegen seines Wunsches, setzte hier die DDR-Regierung ein Zeremoniell durch, das nicht die verbindenden Elemente zwischen DDR und BRD betonte, sondern beide Hymnen abspielte und damit dem Protokoll eines Staatsgastes folgte. Dennoch waren auch in Weimar tausende von Bürger_innen auf den Schnee vereisten Straßen unterwegs, um den Willy Brandt zuzuwinken und ihm ihre Sympathie zu bekunden.


Bildergalerie

Brandt und Stoph
Brandt am Fenster 1
Brandt am Fenster 2
Videodreh 1
Videodreh 2
Danke Willy
Hotel
Gedränge Erfurt

50-jähriges Jubiläum des Besuchs von Willy Brandt in Erfurt

Auch heute sind die Erinnerungen an den Besuch von Willy Brandt in Erfurt hellwach. Über dem damaligen „Erfurter Hof“ prangt der Spruch „Willy Brandt ans Fenster“, leicht zu sehen für alle, die Erfurt per Zug erreichen. Und auch die Erfurter Zivilgesellschaft erinnert sich gerne an den Tag des Besuchs. Vor diesem Hintergrund eröffnete das Erfurter Stadtmuseum am 8. März die Ausstellung „Willy Brandt – Freiheitskämpfer, Friedenskanzler, Brückenbauer“ der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, legte die Landeszentrale für politische Bildung zwei neue Broschüren zu den Ereignissen auf und plante das Stasi-Unterlagen-Archiv Erfurt Führungen durch seine Ausstellung.

Vor diesem Hintergrund waren auch der Freundeskreis Willy Brandt im Erfurter Hof e.V. gemeinsam mit dem Landesbüro Thüringen der Friedrich-Ebert-Stiftung aktiv geworden. Gemeinsam hatte man ein Bühnenprogramm am 19. März 2020 auf dem Bahnhofsvorplatz – dem heutigen Willy-Brandt-Platz, vorbereitet, bei dem vor allem die Erfurter Zeitzeug_innen in den Vordergrund gestellt werden sollten.

Zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Virus Covid-19 musste die Veranstaltung jedoch abgesagt werden. Um dennoch dem Besuch von Willy Brandt und dessen Bedeutung für die Erfurter Bürger_innen gerecht zu werden, haben wir eines der geplanten Zeitzeug_innengespräche aufgezeichnet. Im Hintergrund des Gesprächs zwischen Sebastian Haak (freier Journalist) und dem Stadtführer und Zeitzeugen Roland Büttner ist die Fassade des früheren „Erfurter Hofs“ zu sehen. Im Fenster blickt nun wieder der staunende Willy Brandt auf den Platz hinab. Mit dieser nun dauerhaft angebrachten Fotografie erinnern wir an einen wichtigen Tag für die Bürger_innen im nunmehr seit 30 Jahren wiedervereinigten Deutschland.

Vielen Dank an alle, die an den Vorbereitungen für das Jubiläum mitgewirkt haben. Danke an die LEG Thüringen, die Thüringer Tourismus GmbH, das Grafikbüro Kleine Arche, Sebastian Haak, N-13 Media, dem Förderverein Willy Brandt im Erfurter Hof e.V., den Zeitzeug_innen, dem Stadtmuseum und der Stadt Erfurt.

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Von Kehrmaschinen, Küchen und Kofferradios

Die allermeisten DDR-Bürger waren nicht unmittelbar dabei, als Willy Brandt vor 50 Jahren in Erfurt Willi Stoph zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen seit 1949 traf. Doch manches Kofferradio tat in diesen Stunden wertvolle Dienste. weiter

Willy Brandt am 3. März 1990 in Erfurt

Die Verbindung zwischen Willy Brandt und der Stadt Erfurt brachen nach dem Besuch 1970 nicht ab. weiter

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"Willy Brandt ans Fenster!" Das Erfurter Gipfeltreffen 1970 von Steffen Raßloff (pdf)

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