Landesbüro Hessen

02.07.2018

Cyberkriminalität und Cybersicherheit - Herausforderungen digitaler Transformation in Zeiten künstlicher Intelligenz und Algorithmen

Bericht zum Managerkreis vom 22.06.2018.

Bild: Managerkreis 22 06 2018 Podium von LB Hessen

Dass Cybersicherheit ein Thema ist, das alle Menschen - ob Privatleute, Unternehmen oder auch öffentliche Einrichtungen - betrifft, wurde deutlich bei der Veranstaltung des Managerkreis Rhein-Main „Cyberkriminalität und Cybersicherheit - Herausforderungen digitaler Transformation in Zeiten künstlicher Intelligenz und Algorithmen“ am Freitag, 22. Juni 2018 im Mollerhaus in Darmstadt. Mit zwei Referenten: Prof. Dr. Michael Waidner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für sichere Informationstechnologie in Darmstadt, und Peter Knapp, Chief Digital Officer der Samson AG, wurde den Fragen nachgegangen, welche Formen von Cyberkriminalität existieren; wie die notwendige Sicherheit im fortschreitenden Prozess der Digitalisierung zu sichern sei; wie der vermeintliche Widerspruch zwischen Datenschutz und innovativer Weiterentwicklung digitaler Prozesse gelöst werden könne - und nicht zuletzt, was auf politischer Ebene entschieden werden sollte.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Prof. Dr. Jochen Struwe vom Managerkreis Rhein-Main. Anhand verschiedener Zahlen - z. B. der Kriminalstatistik für das Jahr 2016, wonach es 253000 Straftaten mit dem Internet als Tatmittel gegeben habe; oder einer Studie des Branchenverband Bitkom, wonach 70% der deutschen Unternehmen 2016 und 2017 Ziel von Cyberangriffen wurden - machte Jochen Struwe deutlich, dass das Thema Cyberkriminalität heute sehr brennend sei.

Zunächst startete Prof. Dr. Michael Waidner mit einem wissenschaftlichen Input. Im Mittelpunkt seines Vortrages stand die Überlegung, dass Cybersicherheit nicht unmöglich sei, denn die technischen Ressourcen existierten, aber das Problembewusstsein und die konsequente Anwendung dieser Techniken fehlen noch.  Zu Beginn erklärte Michael Waidner, dass IT-Angriffe sehr einfach seien. Cyberkriminelle müssten sich wenig Sorgen machen, denn das Risiko entdeckt zu werden, sei gering - zudem wären Cyberattacken kaum mit Kosten verbunden. Für die Attackierten seien aber die finanziellen Schäden oft sehr hoch. Laut einer Bitkom Studie, kosteten Cyberangriffe Deutschland ca.15. Mrd. € pro Jahr.

Zudem könne alles Mögliche gehackt werden: IT-Systeme, Smartphones, E-Mail-Konten, aber auch smarte Autos oder Energieversorgungsnetze. Aktuelle Untersuchungen hätten ergeben, dass jede_r zweite Nutzer_in von Internetdienstleistung und jedes fünfte mittelständische Unternehmen von Cyberattacken getroffen seien. Cybersicherheit sei demnach ein Thema, das alle angehe. Für die Wissenschaft sei es aus diesem Grund sehr wichtig, die Gründe für die Sicherheitslücken zu erforschen und auch innovative Lösungen für die Cybersicherheit verstärkt voranzutreiben. Darmstadt sei in diesem Bereich weit vorne: Es gäbe über 450 Forscher_innen, die sich in unterschiedlichen Bereichen mit Cybersicherheit beschäftigten - von Fake News bis zur Softwarequalität.

Nach diesem wissenschaftlichen Input, stellte Peter Knapp Erkenntnisse aus der Praxis zum Thema vor. Für Unternehmen sei das Thema IT-Sicherheit sehr wichtig, da die digitalen Vernetzungen zwischen Mitarbeiter_innen, Kunden oder Lieferant_innen unüberschaubar seien. Diese Situation lege Sicherheitslücken offen. Für ihn liege eines der Hauptsicherheitsrisiken bei den Mitarbeiter_innen, die oft nicht ausreichend geschult seien. Es fehle insgesamt an klarem Bewusstsein, was Sicherheitsfragen angehe.

Deshalb bräuchte man, wie es in der Samson AG praktiziert wird, eine konsequente Sicherheitsstrategie, in der es einerseits darum geht, Mitarbeiter_innen zu sensibilisieren und qualifizieren und andererseits die verfügbaren Technologien zur Gewährleistung von Sicherheit konsequent anzuwenden. Zudem sei es wichtig, bei dieser Sicherheitsstrategie genau festzulegen, welche Unternehmensbereiche besonders geschützt werden müssten. Denn natürlich sei es unmöglich, flächendeckend einen hundertprozentigen Schutz zu garantieren, daher sollte der Fokus auf die sensiblen Bereiche, in denen der Datenschutz besonders wichtig ist, gelegt werden.

In der anschließenden Diskussion, die durch Heike Hofmann, MdL, und Walter Hoffmann vom FES Managerkreis Rhein-Main moderiert wurde, wurde mit einem engagierten und fachkundigen Publikum über die schon existierenden technischen Möglichkeiten, Schwachstellen und neuen Herausforderungen und vor allem die politische Verantwortung diskutiert.

Beide Referenten waren sich einig, dass in der Frage der IT-Sicherheit umfassende staatliche Regulierungen sehr wichtig seien. Es bedürfe auf politischer Ebene eine klare Positionierung für Digitalisierung und für entsprechende netzpolitische und datenschutzrechtliche Vorgaben, um digitale Sicherheit zu gewährleisten.  Sowohl Michael Weidner als auch Peter Knapp begrüßten die neue Datenschutz-Grundordnung der EU und das deutsche IT-Sicherheitsgesetz. Das Interesse und die Bereitschaft, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, seien in Politik und Recht gewachsen, dennoch gäbe es noch viel zu tun.

Zum Weiterlesen: Auch der Echo und die FAZ haben über unsere Veranstaltung berichtet.

Autorin: Johanna Schafgans-Munoz
Fotos: Landesbüro Hessen der Friedrich-Ebert-Stiftung
Verantwortlich: Dr. Martin Gräfe, Leiter des Landesbüros Hessen der Friedrich-Ebert-Stiftung


Friedrich-Ebert-Stiftung
Landesbüro Hessen

Marktstraße 10
65183 Wiesbaden

0611 - 341415-0
0611 - 341415-29

E-Mail-Kontakt


nach oben