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Julius-Leber-Forum

Regionalbüro für Bremen, Hamburg & Schleswig-Holstein

Was will der Norden? Eine neue FES-Studie verrät es

Eine repräsentative Umfrage der FES zeigt politische Einstellungen und Politikvorschläge der Menschen in Schleswig-Holstein auf.

 

Die Menschen in Schleswig-Holstein sind vergleichsweise zufrieden und leben gern in ihrem Bundesland. Zugleich äußern sie deutlichen politischen Handlungsbedarf in einigen Politikfeldern und wünschen sich mehr direkten Kontakt zur Landespolitik. Eine repräsentative Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung hat im Spätsommer 2020 mehr als 1.500 Schleswig-Holsteiner_innen zu ihren politischen Einstellungen befragt und in einer qualitativen Studienphase mit 16 Bürger_innen an einigen Stellen tiefer geblickt.

Einige ausgewählte Ergebnisse lauten:

 

Hohe Lebenszufriedenheit und gute wirtschaftliche Lageeinschätzung – trotz Corona

Die Menschen in Schleswig-Holstein zeigen eine hohe Lebenszufriedenheit (Mittelwert 7,5 auf einer Skala von 0 bis 10) und sind zugleich mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Situation in großer Mehrheit (84%) zufrieden mit vergleichsweise geringen Unterschieden zwischen Altersgruppen, Bildungsbiografien sowie zwischen Stadt- und Landbewohner_innen.

Auch die wirtschaftliche Lage des Bundeslandes wird mehrheitlich positiv bewertet (53%), während zum gleichen Zeitraum im ARD-Deutschlandtrend bundesweit nur 38% der Befragten eine positive wirtschaftliche Situation erkennen konnten.

 

Politische Themenpriorität

Auf die Frage, welche Themen in der Landespolitik zukünftig am wichtigsten sind, wurde die Bildungspolitik mit 52% deutlich am häufigsten genannt (bei bis zu drei möglichen Antworten). Zentrale Begründung für diese Priorität war die mit 95% nahezu einstimmige Zustimmung zu der Aussage „Gute Schulen sind die beste Voraussetzung für die Chancengleichheit aller Kinder, unabhängig von Bildung und Einkommen der Eltern.“ In der qualitativen Studienphase wurde intensiv über Schulen gesprochen. Dabei wurde von den Befragten als vorrangige Handlungsbedarfe genannt: fehlende Ausstattung für digitalen Unterricht, Modernisierung von Schulgebäuden, Abbau von Schul-Bürokratie.

Der Politikbereich „Arbeitsmarkt“ wurde von den Befragten in direkter Gewichtung zu anderen als nachrangig bewertet. Eine gesonderte Frage zeigte jedoch, dass den Schleswig-Holsteiner_innen die hohe Bedeutung eines sicheren, auskömmlich bezahlten und interessanten Arbeitsplatzes mit gutem Betriebsklima für die eigene Lebenszufriedenheit sehr bewusst ist. Zudem wurden an dieser Stelle als Verbesserungsbedarfe u.a. der Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie flexiblere Regelungen zur (temporären) Verkürzung der Arbeitszeit genannt. Sorge vor einem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes im Zuge der Corona-Pandemie äußerten nur 15% der Befragten, allerdings zu einem Befragungszeitraum im August 2020 in einer Phase der Corona-Pandemie mit relativ niedrigen Fallzahlen.

Weiterhin sehen die Befragten Handlungsbedarf beim Klima- und Umweltschutz und der Digitalisierung in Schleswig-Holstein. Beides sind in den Augen der Bürger_innen zentrale Aufgaben, um das Land zukunftsfähig zu machen. So befürwortet eine Mehrheit von 56% der Befragten den Ausbau erneuerbarer Energien  als Klimaschutzmaßnahme (bei 39% Ablehnung).

In der Studie wird eine große Zustimmung der Bevölkerung in Schleswig-Holstein zum Ausbau einer – bezahlbaren – Pflegeinfrastruktur hervor.

Das Schleswig-Holstein Narrativ

Dies ist besonders relevant, da sich viele Teilnehmer_innen der repräsentativen Studie gut vorstellen können, in Schleswig-Holstein alt zu werden. Der Satz „Schleswig-Holstein ist ein Land, in dem man gut und gerne alt wird“ war mit 48% unter den verschiedenen Antwortmöglichkeiten das mit Abstand beliebteste Narrativ, mit weitem Abstand gefolgt von „Schleswig-Holstein ist ein Land, das zusammenhält“ mit 16%.

Generelle Kritik an „der Politik“ und Wünsche an Politiker_innen

Generelle Kritik an „der Politik“ und Wünsche an Politiker_innen

Einige Fragen in der Studie nehmen generelle politische Einstellungen in den Blick. Dabei zeigte sich, dass auch in Schleswig-Holstein politikkritischen Aussagen zugestimmt wird. Abgefragt wurden die Aussagen, dass Parteien vor einer Wahl versprechen, was sie danach nicht halten (80%), „Die Politik weiß nicht, was mich persönlich bewegt“ (68%) oder dass keine Partei ein überzeugendes Angebot mache (55%)

In der qualitativen Studie wurden als wichtigste Wünsche an die Landespolitik einmütig genannt, diese solle erstens mehr direkte Gespräche mit den Bürger_innen führen und zweitens schneller sowie effizienter Handeln. Bei letztgenanntem Punkt wurden sowohl lange Klageverfahren als auch umständliche politische Prozesse kritisiert. Dass auch die geforderte Gesprächsbereitschaft der Politik einem schnellen Handeln entgegensteht wurde dabei nicht thematisiert.

Hintergrundinformationen

Die Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde von der Kantar GmbH, Bereich Politik- und Sozialforschung

Autor_in: Christoph Döbele, Sophia Schmid

Methode quantitativ: 1.547 Befragte, gemischte Telefon- und Online-Umfrage, Feldzeit: 11.-31.8.2020. Maximale Fehlertoleranz bei einem 95%-Konfidenzintervall: 2,5%.

Methode qualitativ: Dreitägige online-Community (30.9.-2.10.2020) mit 16 Befragten aus der quantitativen Stichprobe.

 

Download der Studie

Döbele, Christoph; Schmid, Sophia

Was will der Norden?

Einstellungen zu Politik und Politikideen in Schleswig-Holstein
Berlin, 2021

Publikation herunterladen (710 KB, PDF-File)


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