Analyse: Wer will was? Die politischen Positionen der Kandidat_innen bei den Vorwahlen der US-Demokraten 2020

Die amerikanischen Demokraten sind sich in einem Punkt einig: Die Trump-Präsidentschaft muss eine einmalige Sache bleiben. Bei den Vorwahlen treten Joe Biden, Michael Bloomberg, Bernie Sanders und Elizabeth Warren als Kandidat_innen gegeneinander an. Pete Buttigieg und Amy Klobuchar haben ihre Kandidaturen zurückgezogen und unterstützen Joe Biden, den ehemaligen US Vize-Präsidenten (in der vorliegenden Analyse sind Buttigieg und Klobuchar noch als Kandidat_innen aufgeführt). Während das breite demokratische Kandidatenfeld um die Nominierung für die Präsidentschaftswahl ringt, steht für viele Expert_innen und Wähler_innen die Frage der „Wählbarkeit“ im Fokus. Viele halten die Überlegung, wer Donald Trump am ehesten besiegen könnte, für wichtiger als die politische Agenda der Kandidaten.

Während es bei vergangenen Wahlen für viele Demokraten automatisch feststand, dass eine moderate Stimme, wie beispielsweise die Joe Bidens, bessere Chancen bei der Präsidentschaftswahl hat, scheint Trumps atypische Präsidentschaft einen großen Teil der konventionellen Logik, was für politisch möglich und strategisch klug erachtet wird, gekippt zu haben. Beeinflusst durch die vom politischen Establishment unterstützte und dann gescheiterte Kandidatur Hillary Clintons argumentiert der progressive Parteiflügel, dass radikalere Kandidaten wie Bernie Sanders oder Elizabeth Warren nicht nur eine überzeugende Vision anböten, sondern auch eine größere Chance hätten, Donald Trump zu besiegen.

Unabhängig davon, wer die Vorwahlen gewinnt, ist die aktuelle Parteiprogrammatik der Demokraten die progressivste seit Generationen. Inspiriert durch die rebellische Kandidatur Bernie Sanders im Jahr 2016 erlebte die Partei sowohl bei wirtschaftlichen als auch bei kulturellen Themen einen signifikanten Linksruck. Gesetzesvorhaben wie die Verstaatlichung des Gesundheitssystems, die Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde und die Aufhebung der verhängten Strafen für illegale Einwanderer waren bis vor kurzem Randpositionen, beeinflussen jetzt aber den Mainstream der Partei.

Als die Redaktion der New York Times im Januar ihre Unterstützung für die Senatorinnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar verkündete, argumentierte sie, dass sich die Kandidaten nicht im „Was sondern im Wie“ deutlich unterschieden. Während sich die Wähler also auf programmatische Differenzen konzentrierten, sei ihre Wahl eigentlich eine Entscheidung zwischen zwei Herangehensweisen: radikal oder realistisch. Anders als bei vergangenen Wahlen ist der Sieg des von Biden, Klobuchar und Buttigieg unterstützten gemäßigteren Ansatzes nicht per se gegeben. Angesichts des von Umfragen prognostizierten Kopf-an-Kopf-Rennens sind die demokratischen Wähler in der Trump-Ära also ein Stück weit vom traditionellen Denkmuster der Wählbarkeit befreit. Dadurch können die Wähler besseren Gewissens den Kandidaten unterstützen, dessen Positionen am stärksten mit ihren eigenen übereinstimmen. Nichtsdestoweniger haben die gemäßigten Akteure innerhalb der Partei darauf hingewiesen, dass eine Nominierung von Sanders die demokratischen Hoffnungen, die Senatsmehrheit wiederzugewinnen und die 2018 gewonnene Mehrheit im Repräsentantenhaus aufrechtzuerhalten, gefährden würde.

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In unserer Analyse stellen wir die ideologischen Positionen der sechs vielversprechendsten demokratischen Kandidaten sowie Donald Trumps in einem zweiachsigen politischen Spektrum dar.

Tiefer politischer Graben innerhalb der Demokratischen Partei

Wir zeigen, dass die der Spaltung in gemäßigte und radikale Kandidaten zugrundeliegende Differenz nicht ausschließlich auf ihrem Führungsstil basiert: Die Positionierung der Kandidaten zu 30 thematischen Punkten zeigt einen tiefen politischen Graben innerhalb der Demokratischen Partei. Da sich im Allgemeinen die Wahlprogramme der Kandidaten stark ähneln, haben wir uns besonders auf Themen fokussiert, die die Unterschiede – auch unter denen mit sich scheinbar überschneidenden Programmen – deutlich machen. Diese Methode bringt es mit sich, dass die Nähe der demokratischen Kandidaten zu den rechtskonservativen Ansichten Donald Trumps etwas überspitzt dargestellt wird.

Die Kandidat_innen

Elizabeth Warren und Bernie Sanders

Wie erwartet nehmen Warren und Sanders mit im Vergleich zu den anderen Kandidaten durchschnittlich wirtschaftlich linkeren und gesellschaftspolitisch progressiveren Positionen einen Platz im oberen linken Quadranten der politischen Landschaft ein.

Hierbei vertritt Warren einen aggressiveren Standpunkt hinsichtlich der präsidialen Regierungsmacht und strukturellen Anpassungen des Regierungsapparates – wie z.B. die Beendigung der Filibuster (Dauerreden der Kandidaten zur taktischen Verzögerung der Beschlussfassung eines Gesetzes) im Senat oder die personelle Erweiterung des Supreme Courts – was zu einer etwas höheren Position auf der gesellschaftspolitischen Achse als die von Sanders führt.

Sanders hingegen bleibt seinen ideologischen Wurzeln im demokratischen Sozialismus treu, was in Positionen wie der Forderung nach einer staatlichen Job-Garantie und eines staatlichen Kindergarten-Systems sowie der Abschaffung der privaten Gesundheitsindustrie deutlich wird und ihn wirtschaftlich leicht links von Warren positioniert.

 



Joe Biden und Amy Klobuchar

Im Gegensatz dazu betreiben Biden und Klobuchar auf die politische Mitte der demokratischen Kernwählerschaft abzielende Kampagnen mit einer starken Betonung ihrer Historie von überparteilich akzeptierten Gesetzesvorhaben und dem Versprechen nach Trump wieder Normalität in das Oval Office einziehen zu lassen. Diese Herangehensweise zeigt sich beim Blick auf ihre moderate Haltung zu zahlreichen Themen, welche sie näher zur Mitte der politischen Landschaft „zieht“. Unter dem Eindruck der diesmal sehr progressiv geführten programmatischen Debatte sind Biden und Klobuchar den Wählern noch ambitionierte Pläne für weitreichende staatliche Lösungen hinsichtlich Themen wie der Klimakrise oder der Gesundheitsversorgung schuldig. 



Pete Buttigieg

Die anderen weniger etablierten Kandidaten wie Pete Buttigieg tendieren ebenfalls in Richtung der Mitte der gesellschaftspolitischen Achse und wirtschaftlich etwas nach rechts im Blick auf Themen wie Handel und Militärausgaben. Als Buttigieg, früherer Bürgermeister einer Kleinstadt in Indiana, seine Kandidatur bekannt gab, war seine Position zu vielen politischen Themen noch unklar.

Seine öffentliche Positionierung als homosexueller Militärveteran der Millennial-Generation, der strukturelle Änderungen wie die Abschaffung des electoral college (das Wahlmännerkollegium, welches den amerikanischen Präsidenten direkt wählt) oder die Erweiterung des Supreme Courts befürwortet, führten zu einer Wahrnehmung Buttigiegs als Stimme des progressiven Parteiflügels.

Tatsächlich zeigt unsere Analyse seiner Positionen jedoch eine militaristische Außenpolitik und lediglich ein zurückhaltendes Eintreten für eine umfassendere staatliche Gesundheitsversorgung (Medicare-for-All) was Buttigieg deutlich in der politischen Mitte der Partei an der Seite von Biden und Klobuchar platziert.


Michael Bloomberg

Michael Bloomberg, Milliardär und ehemaliger Bürgermeister von New York City, hatte zunächst angekündigt, dass er im Jahr 2020 nicht für das Amt des Präsidenten kandidieren werde, um einen der gemäßigten Kandidaten gegen Trump zu unterstützen.

Angesichts der unerwarteten Schwäche von Joe Biden änderte Bloomberg jedoch Ende November seine Meinung. Er bezeichnet sich selbst als "Macher und Problemlöser" und setzt sein großes Privatvermögen ein, um seine spät gestartete Kandidatur zu finanzieren. Dennoch sind seine gemäßigten Positionen in vielen Bereichen weiterhin unklar.


Donald Trump

Ungeachtet der deutlichen Differenzen zeigt sich in unserer Analyse der sechs Kandidaten das offensichtliche Verlangen, nicht bloß Präsident Trumps politischer Linie entgegenzutreten, sondern auch eine progressive Vision zu entwerfen, die massive Investitionen in staatliche Leistungen sowie den Bruch mit der alten Umweltpolitik und diskriminierenden Praktiken beinhaltet.

Wir zeigen, dass das gemeinsame Anliegen der Demokraten – die Abkehr von Trumps Politik – in vielen Fällen mehr durch den allgemeinen Vorsatz als durch konkrete Vorschläge deutlich wird. Während sich die Ausprägungen der gewünschten Gesetzesänderungen zwischen den demokratischen Kandidaten zweifelsohne unterscheiden würden, legt unsere Analyse eine signifikante Überschneidung mit Trumps häufig unkonventionellen republikanischen Positionen, besonders bei der Handelspolitik, dar. Es liegt in der Hand der Wähler, zu entscheiden, ob sie eher an die von Warren und Sanders propagierte radikale Vision des Systemwandels oder den von ihren innerparteilichen Gegnern unterstützten kleinschrittigeren Ansatz glauben.

Im Folgenden werden die wichtigsten Themen des Wahlkampfs kurz beschrieben und dabei auf die programmatischen Differenzen eingegangen, welche die verschiedenen Positionen der Kandidaten im zweidimensionalen politischen Raum ausmachen. 

Kontakt zur Studie

Catrina Schläger

+49(0)30 269 35-7413
Catrina.Schlaeger(at)fes.de

Franziska Korn

+49(0)30 269 35-7715
Franziska.Korn(at)fes.de

 

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Wahlkampf-Themen

Klimapolitik

Alarmierende Studien zur drohenden Klimakrise haben die Demokraten in ihrem Ziel geeint, die Vereinigten Staaten in Richtung einer CO2-neutralen Wirtschaft zu führen. Während die Kandidaten sich in ihrer Rhetorik der Notwendigkeit „beherzter Taten“ gegenseitig bestätigen, ist die Frage wie und wann eine Abkehr von fossilen Brennstoffen erfolgen soll Gegenstand der aktuellen Debatte der Demokraten

Momentan entfällt ca. die Hälfte der emissionsfreien Energiegewinnung der USA auf die Kernenergie. Investitionen in Kernkraftwerke würden dazu beitragen, die CO2-Ziele schneller einzuhalten. Bernie Sanders und Elizabeth Warrenlehnen jedoch jede weitere Investition in Kernenergie aufgrund von Sicherheits- und Entsorgungsbedenken ab, während Buttigieg, Biden, Klobuchar und stellenweise auch Bloomberg die Kerntechnologie als Schlüssel zur Einhaltung der Reduktionsziele sehen. 

Um eine emissionsfreie Wirtschaft erreichen zu können, fordern viele Kandidaten bedeutende Investitionen – besonders mit Hilfe der Gesetzgebung zum „Green New Deal“ – sowie Restriktionen bezüglich der Förderung und des Handels von fossilen Brennstoffen, was Trumps Maßnahmen zur Ausweitung der Öl- und Kohleförderung entschieden entgegensteht. Während sich alle für neue Grenzwerte beim Fracking ausgesprochen haben, würden lediglich Warren und Sanders so weit gehen, Fracking komplett zu verbieten. In einem ungewöhnlichen Bruch mit seiner sonst so progressiven Position lehnt Sanders – wie auch Klobuchar – die Einführung einer CO2-Steuer ab aufgrund von Bedenken, eine solche Steuer würde überproportional kleine und mittlere Einkommen belasten.

Handelspolitik

Die politischen Positionen zur Handelspolitik lassen sich in den USA nicht mehr länger an der Parteizugehörigkeit festmachen.

Während die Republikaner traditionell eine Senkung der Handelshemmnisse als einen Eckpfeiler der freien Wirtschaft betrachteten, hat Donald Trump dieses Dogma der Partei aufgegeben indem er das Handelsabkommen NAFTA attackiert und Zölle als Waffe zum Schutz der US-Industrie nutzt.

Auf Seiten der Demokraten haben sich Warren, Sanders und Klobuchar Trumps Bereitschaft zu mehr protektionistischen Maßnahmen zum Schutz der US-amerikanischen Arbeiter angeschlossen.

Im Gegensatz dazu lehnen Bloomberg, Biden und Buttigieg solche Maßnahmen ab und befürworten stattdessen einen marktwirtschaftlichen Kurs, welchem in der Vergangenheit überparteiliche Zustimmung sicher war.

Bildungspolitik

Der allgemeine Linkstrend in der demokratischen Partei hat auch die Debatte zur Bildungspolitik maßgeblich verändert. Während viele führende Demokraten der Bush- und Obama-Präsidentschaften die Ausbreitung von Charter Schools als privatwirtschaftliche Lösung eines scheiternden öffentlichen Schulsystems voranbrachten, stehen nun alle demokratischen Kandidaten – mit Ausnahme von Michael Bloomberg – für eine Beendigung der Förderung profitorientierter Schulen.

Jedoch sind die Kandidaten darüber gespalten, ob nicht-kommerzielle Charter Schools weiterhin gefördert werden sollen. Biden und Buttigieg fordern hier eine stärkere Rechenschaftspflicht der Anbieter während Warren für ein generelles Verbot eintritt.

Die Kandidaten bringen darüber hinaus weitere umfassende Vorschläge voran, wie die Abschaffung der Studiengebühren an staatlichen Universitäten, das nachträgliche Erlassen von Studienkrediten sowie die allgemeine Versorgung mit Krippenplätzen. Ein großer Streitpunkt bei diesen Vorhaben ist die Frage, wer Anspruch auf diese staatliche Förderung im Bildungssektor haben soll. Bernie Sanders setzte sich vehement dafür ein, staatliche Universitäten sowie Krippenplätze in Zukunft einkommensunabhängig kostenlos zugänglich zu machen.

Kritiker von Sanders, wie Buttigieg und Biden, stellen in Frage wieso der Staat Kindern reicher Amerikaner kostenlose Bildung anbieten sollte und fordern stattdessen eine einkommensabhängige Unterstützung ausschließlich für Familien mit kleinen und mittleren Einkommen.

Vermögenssteuer

Die Einkommensungleichheit ist ein weiteres zentrales Thema der Wahlkampfdebatte. Während Sanders und Warren in ihrer Kritik an unternehmerischer Gier und Korruption weiter gehen als die anderen Kandidaten, sind sich alle darin einig, dass das aktuelle System zum Nachteil der Arbeitnehmer gestaltet ist. Deshalb unterstützen sie progressive Maßnahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Ungleichheit.

Der bekannteste und zugleich umstrittenste Vorschlag zur Bekämpfung der Einkommensungleichheit ist der Plan der Kandidaten Sanders und Warren eine Steuer auf das gesamte private Vermögen einzuführen. Während der Staat in den USA aktuell lediglich Einkommen progressiv besteuert, argumentieren Warren und Sanders, dass eine Vermögenssteuer zur Finanzierung neuer staatlicher Sozialprogramme dienen könne. Zudem könne so die Vermögenskonzentration im reichsten Prozent verringert werden, welche auf die bislang nahezu fehlende Besteuerung von Vermögenswerten wie bspw. Immobilien zurückzuführen sei.

Sowohl Buttigieg als auch Klobuchar haben ihre Offenheit gegenüber einer Vermögenssteuer signalisiert. Jedoch hat noch keiner der beiden eine eigene Version vorgestellt und beide schrecken bislang von einer Unterstützung der Pläne ihrer Wahlkampfgegner zurück. Stattdessen fokussieren sie ihren Zorn, wie auch Bloomberg und Biden, auf Donald Trump und fordern die Abschaffung der Steuererleichterungen für Reiche – ein bereits umgesetztes Prestigeprojekt der Trump-Administration.

Außenpolitik

Alle demokratischen Kandidaten kritisieren geschlossen Trumps willkürliche Herangehensweise an die Außenpolitik, die sowohl viele langjährige Verbündete der USA abgeschreckt als auch den Rückzug der USA aus entscheidenden internationalen Verträgen wie dem Pariser Klimaabkommen und dem Atomdeal mit dem Iran bewirkt hat. Nichtsdestoweniger bieten die Kandidaten parallel zur Infragestellung von Trumps Führungskompetenz die Auswahl zwischen einer traditionellen militaristischen (Biden und Buttigieg) und einer anti-interventionistischen (Sanders und Warren) Außenpolitik der USA.

Unter Berufung auf ihre bisherige Erfahrung lehnen Buttigieg – ein ehemaliger Geheimdienstoffizier – und Biden – früherer Vize-Präsident und langjähriges Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Senat – die Senkung der Militärausgaben ab und signalisieren ihre Bereitschaft, mit dem Ausbau der militärischen Präsenz in Asien etwaigen chinesischen Provokationen entgegenzutreten. Im Gegensatz dazu steht Sanders für einen eindeutigen Bruch mit der traditionellen amerikanischen Außenpolitik. Er attackiert Joe Biden für seine entschiedene Unterstützung des Irakkriegs und der Macht des Washingtoner „militärisch-industriellen Komplexes“, der die Vereinigten Staaten in einen „endlosen Krieg“ geführt habe.

Aufgrund seiner unorthodoxen Kombination außenpolitischer Maßnahmen – von seiner Herabwürdigung der NATO bis zu Attacken auf Mitglieder seiner Partei hinsichtlich der „endlosen Kriege“ im Nahen Osten – korrespondieren Trumps Ansichten teilweise mit denen der militaristischeren Demokraten, manchmal jedoch auch mit denen von progressiveren Kandidaten wie Sanders, wie zum Beispiel im Fall der Aufrechterhaltung der diplomatischen Beziehungen mit Nordkorea trotz der Fortführung des dortigen Atomprogramms.

Geld im Politikbetrieb

Als Teil ihres Kreuzzuges gegen die „Millionäre und Milliardäre“, die die politische und wirtschaftliche Macht in den USA innehaben, vermeiden es insbesondere Warren und Sanders, private Spendenaktionen mit ihren Unterstützern abzuhalten, um das dringend benötigte Kampagnengeld zu sammeln.

Während die anderen demokratischen Bewerber den großen Einfluss von Sonderinteressen und PACs (political action committees) nach dem „Citizens-United-Urteil“ des Obersten Gerichtshofs von 2010 zwar beklagen, hat sich dennoch kein anderer verpflichtet, auf private Spendenaktionen mit reichen Spendern zu verzichten.

Buttigieg, der von Warren kürzlich bei einer Debatte bezüglich seiner Wahlkampffinanzierung konfrontiert wurde, verteidigte sein Vorgehen mit den Worten: „Wir müssen Trump besiegen. Wir sollten nicht versuchen, es mit der einen Hand hinter dem Rücken gefesselt zu tun.“ Bloomberg nimmt von niemandem Wahlkampfspenden entgegen.

Während er argumentiert, dass die Selbstfinanzierung seiner Kandidatur ihn vor Einflussnahme schützt, haben Sanders und Warren diese Strategie als Versuch, „die Wahl zu kaufen“, scharf angegriffen. Sie kritisieren damit, dass wohlhabende Einzelpersonen und Unternehmen innerhalb des politischen Systems eine quasi-oligarchische Struktur bilden und Kontrolle ausüben.

Einwanderung

Die Demokraten beklagen Trumps Rhetorik gegen Einwanderer sowie seine vielfach kritisierte Politik, entlang der Grenze zwischen den USA und Mexiko "die Mauer zu bauen" und Massenabschiebungen anzudrohen.

Ein Großteil der rechtlichen Grundlagen für seine verschärften Durchsetzungsmaßnahmen geht jedoch auf die Abschiebepolitik seines demokratischen Vorgängers Barack Obama zurück.

Nun fordern progressivere Demokraten wie Warren und Sanders Reformen, die den Grenzübertritt von einer Straftat (criminal offence) zu einem zivilrechtlichen Vergehen (civil offence) herabstufen und die Abschiebungen aussetzen oder dauerhaft beenden.

Moderatere Kandidaten wie Biden, Buttigieg und Klobuchar lehnen die von ihnen als unmenschlich angesehene Einwanderungspolitik Trumps ab, halten jedoch Abstand von einer umfassenden Neufassung des Einwanderungsrechts, die die Einwanderung in die USA erleichtern würde.

Nichtsdestotrotz greifen die Republikaner jene demokratischen Kandidaten an, die dafür eintreten, nicht registrierten Einwanderern eine staatlich finanzierte Gesundheitsversorgung zu bieten. Eine Gruppe, der neben radikaleren Kandidaten wie Warren und Sanders auch gemäßigte Politiker wie Biden angehören.

Krankenversicherung für alle (Medicare-for-All)

Die am meisten diskutierte politische Maßnahme in den Vorwahlen 2020 ist vermutlich Medicare-for-All. Alle Kandidaten sind sich darin einig, dass Obamacare nicht weit genug gegangen ist, um die Probleme im US-amerikanischen Gesundheitssystem nachhaltig einzudämmen, und fordern deshalb nun die Schaffung einer neuen „öffentlichen Version“ der staatlichen Gesundheitsversorgung, um eine flächendeckende Absicherung der Bevölkerung zu erreichen.

Moderate Kandidaten wie Biden, Buttigieg und Klobuchar schlagen vor, die öffentliche Krankenversicherung im Wettbewerb mit dem bestehenden privaten Markt anzubieten ("Medicare für alle, die es wollen").

Sanders fordert – als radikalste Stimme im Kandidatenfeld – die komplette Abschaffung des privaten Marktes für Krankenversicherungen. Während Warren zwar dieses Endziel ebenfalls unterstützt, unterscheidet sich ihr Zeitplan im Prozess zu einem vollständig öffentlichen System jedoch von dem von Sanders.

Kritiker von Medicare-for-Allargumentieren, es sei unrealistisch und unamerikanisch, 18% der derzeitigen US-Wirtschaft, die im Gesundheitswesen angesiedelt ist, einfach durch ein Gesetzesvorhaben zu eliminieren. Im Gegensatz dazu argumentiert Sanders, dass die USA nur Vorteile wie bspw. Kosteneinsparungen aus einem vollständig öffentlichen System ziehen würden.

Methodik

Auf dem Schaubild oben sind die Positionen verschiedener Kandidatinnen und Kandidaten für die Vorwahlen der Demokratischen Partei (Primaries) zur Präsidentschaftswahl 2020 auf einer zweidimensionalen Karte verzeichnet. Grundlage bilden die 30 wichtigsten Aussagen über besonders relevante Politikthemen der derzeitigen politischen Debatte. Diese Inhalte gehen aus einer gründlichen Auswertung der Wahlprogramme der Kandidatinnen und Kandidaten sowie des politischen (Medien-)Diskurses durch ein Team aus Wissenschaftlern, Experten und Journalisten herv

Da sich die politischen Vorschläge der Spitzenreiter der Demokraten stark ähneln, wurden die umstrittensten Themen ausgewählt, um sicherzustellen, dass die zugrunde liegenden Unterschiede zwischen den Kandidaten aufgezeigt werden können. Um zu verdeutlichen, wo die Demokraten im Vergleich zu den Positionen von Präsident Donald Trump stehen, wurde dieser ebenfalls auf Basis der ausgewählten thematischen Aussagen codiert. Jede dieser Aussagen bezieht sich auf einen politischen Inhalt, der sich als „wirtschaftlich links“ oder „wirtschaftlich rechts“ beziehungsweise als „gesellschaftspolitisch/kulturell liberal“ oder „gesellschaftspolitisch/kulturell konservativ“ einordnen lässt. Die Antworten auf diese Aussagen liegen auf einer fünfstufigen Skala: „Stimme überhaupt nicht zu“, „Stimme nicht zu“, „Neutral“, „Stimme zu“, „Stimme vollständig zu“. Die Position der Kandidaten zu diesen Aussagen ist jeweils entsprechend ihren offiziellen Verlautbarungen in Veröffentlichungen, Wahlkampfdokumenten und Medienauftritten kodiert.

Die politische Landschaft entstand auf Basis sämtlicher Positionen der Kandidatinnen und Kandidaten in den beiden Dimensionen (der Links-Rechts- und der Progressiv-Konservativ-Dimension). Die tatsächliche Position der Kandidatin oder des Kandidaten liegt im Zentrum der jeweiligen Ellipse. Die Ellipsen repräsentieren die Standardabweichungen der Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten auf alle Aussagen, die für den Aufbau der Achsen verwendet wurden. Daher ist die Ellipse von Kandidatinnen und Kandidaten mit sowohl linken wie auch rechten politischen Inhalten auf der Links-Rechts-Achse breiter als bei Kandidatinnen und Kandidaten mit sowohl progressiven als auch konservativen Politikinhalten. Diese verzeichnen wiederum eine längere Ellipse auf der Progressiven-Konservativen-Achse.

Die Pfeile in der politischen Landschaft zeigen an, in welche ideologische Richtung eine bestimmte politische Positionierung die Kandidaten oder die Kandidatin "zieht" oder "drückt". Alle Positionen, welche durch die Keywords veranschaulicht werden, lenken die Kandidaten in eine bestimmte ideologische Richtung. Wenn der Pfeil beispielsweise nach links zeigt, bedeutet dies, dass die politische Position, auf die er sich bezieht, den Kandidaten in Richtung der wirtschaftlichen Linken lenkt. Wenn der Pfeil nach unten zeigt, bedeutet dies, dass die politische Position, auf die er sich bezieht, den Kandidaten hin zum kulturellen Konservatismus lenkt.

Vergleichen Sie mithilfe des Wahlkompasses von Kieskompas BV Ihre eigenen politischen Standpunkte und Positionen mit denen der demokratischen Spitzenkandidat_innen 2020 und Präsident Trumps:
usa.electioncompass.org

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