01.03.2019

"You will sot see a border" - Fotografien aus der Ost- und Westukraine

Eine Austellung der ukrainischen Künstlerin und Menschenrechtsaktivistin Yevgenia Belorusets.

Bild: You will not see a border von Yevgenia Belorusets

„Manche Grenzen sind genauso relativ wie der Unterschied zwischen einer Schwarz-Weiß-Fotografie und einem Farbfoto. Als der Krieg in der Ostukraine Realität geworden war, wurde immer wieder der Mythos von den signifikanten kulturellen Unterschieden zwischen dem Westen und dem Osten des Landes bemüht, um den Krieg zu rechtfertigen und seine Unausweichlichkeit zu betonen,“ schreibt Yevgenia Belorusets in ihrem Text zu „You will not see a border“.

Die Fotografien sind Teil der Serie “Die Siege der Besiegten” von Yevgenia Belorusets — einem Projekt, das Fotografien, journalistisches Arbeiten, Menschenrechtsaktionen, Diskussionen und literarische Texte einschließt und an dem die Künstlerin zwischen 2014 und 2018 gearbeitet hat. Die Farbaufnahmen wurden im Donbass, im Osten der Ukraine, an den Gruben in der Nähe der Kriegsfront aufgenommen.

„Zwischen 2014 und 2016 fotografierte ich Bergwerke, in denen weitergearbeitet wurde, obwohl man dort eigentlich einen vollständigen Stillstand des zivilen Lebens erwartet hätte. So war es aber nicht. Bergwerke, Schulen, Krankenhäuser, sie alle setzten ihre Arbeit genauso fort, wie sie sie verrichtet hatten, ehe der Artilleriebeschuss begann, der die Infrastruktur einer ganzen Stadt in einer halben Stunde zerstören konnte. Trotzdem sind die ausgewählten Farbfotos kein Beweis für ein normales Leben im Revier. Im Kontext des Krieges wird die Arbeit zu einer politischen Entscheidung, sie symbolisiert das Aufbegehren gegen die Regeln, die in Kriegszeiten gelten, sie ist eine menschliche Geste, eine Tat, die auf die offene, die öffentliche Welt verweist.“

Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind 2017 in der Steinkohleregion in der Westukraine entstanden. Sie zeigen einige staatliche Zechen, die in der Nähe von Nowowolynsk, einer Kleinstadt an der ukrainisch-polnischen Grenze, mitten in der Natur liegen und nach und nach ihre Arbeit eingestellt haben. Auf den Bildern sind die Arbeiter zu sehen, die sich 2015 und 2016 dafür eingesetzt haben, dass ihre Grube geschlossen wird, um die bestehenden Umweltnormen einzuhalten. Damit die unvermittelte Schließung des Schachts für ihre Stadt nicht in einer ökologischen Katastrophe endet, sind sie nach Kiew gefahren und haben tagelang demonstriert. Selbst mit einem Hungerstreik haben sie versucht, die Medien auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Manche Grenzen scheinen ganz zufällig zu entstehen, erweisen sich aber als stabil und unveränderlich. Es gibt aber auch Grenzen, die zunächst als Drohung existieren, Gestalt gewinnen und auf einmal da sind. Ihre Struktur jedoch bleibt vage und beweglich, weil sie in Frage gestellt und ignoriert werden.

Zu sehen ist die Austellung derzeit im Haus der FES in Bonn (Godesberger Allee 149) sowie im Deutschen Bundestag anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Frauenwahlrecht.

Ansprechperson in der FES ist Beate Eckstein. Den Flyer zur Austellung erhalten Sie hier.

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