Internationale Sozial- und Geschlechterpolitik

Soziale Gerechtigkeit

Der Kampf um Gerechtigkeit ist auch immer ein Kampf um Möglichkeiten. Obgleich sich die Welt in den letzten 50 Jahren rasant gewandelt hat, sind Fragen danach, wie wir Gerechtigkeit organisieren, eine fortwährende gesellschaftspolitische Aufgabe. In einer Zeit, deren technologische Innovationen und globalisierte Strukturen einigen Menschen vielfältige Möglichkeiten bieten, bleibt einer großen Zahl von Menschen die soziale und gesellschaftliche Teilhabe verwehrt. Oft sind ihre Grundrechte nicht gewährleistet und sie sind tagtäglich Diskriminierungen, Unterdrückung oder Armut ausgesetzt. Genau wie Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung oder „Rasse“ spielt der Faktor „Geschlecht“ dabei eine große Rolle. Frauen gehören weltweit zu den am stärksten benachteiligten Gruppen.

Soziale Gerechtigkeit, ein Grundwert der sozialen Demokratie, ist in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit der FES ein wichtiges Handlungsfeld. Wir stellen Gerechtigkeitsfragen nicht nur national, sondern auch im globalen Kontext. Wie können wir Länder beim Aufbau sozialer Sicherungssysteme unterstützen, die alle Menschen vor Armut und Ausgrenzung schützen? Wie kann die un- und unterbezahlte Sorgearbeit, die vor allem Frauen leisten, sozial und politisch anerkannt und umverteilt werden? Welche Auswirkungen haben unsere Politiken auf die soziale Situation von Gesellschaften im globalen Süden? Welche Ideen und politischen Konzepte aus dem globalen Süden sind für uns interessant? Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir konkrete Politikalternativen, um bestehenden Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen weltweit zu begegnen.

alle Neuigkeiten zum Thema "Internationale Sozial- und Geschlechterpolitik"

Gerechtigkeit

„Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen.“

Martin Luther King, “Warum wir nicht warten können“

Unsere Schwerpunkte

Social Protection Floors

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Förderung von Social Protection Floors (SPFs), also des Auf- und Ausbaus sozialer Basisschutzsysteme. Diese sollen Menschen, die aus verschiedenen Gründen wie z.B. Krankheit oder Alter nicht selber für ihren Lebensunterhalt sorgen können, eine Einkommenssicherheit auf niedrigem Niveau garantieren. Soziale Basisschutzsysteme realisieren das Recht jedes Menschen auf soziale und materielle Sicherheit und ermöglichen ein Leben in Würde. Zudem wirken sie in Krisenzeiten stabilisierend und tragen zur ökonomischen Entwicklung eines Landes bei.

Sowohl in der Empfehlung 202 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als auch in der Agenda 2030 und ihren Nachhaltigkeitsziele hat sich die internationale Staatengemeinschaft darauf verständigt, soziale Basisschutzsicherungen für ihre Bürger_innen zu schaffen. Damit aus Worten auch Taten werden, arbeiten wir mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften und politischen Entscheidungsträger_innen daran, Umsetzungsstrategien im jeweiligen Landeskontext zu entwickeln.

Publikationen, praktischen Handbüchern und einem Monitoring-Index‘ unterstützen wir die verschiedenen Akteure, die sich für Social Protection Floors in ihren Ländern engagieren. Darüber hinaus begleiten wir mit der Global Coalition for Social Protection Floors die Debatten und Prozesse auf internationaler Ebene und setzen uns dafür ein, dass soziale Sicherung als wichtiges Element einer nachhaltigen Entwicklung in Verhandlungen bei den Vereinten Nationen anerkannt wird.

Geschlechtergerechtigkeit

Wenn wir Geschlechtergerechtigkeit weltweit fördern wollen, müssen wir uns unter anderem damit auseinandersetzen, wie die ökonomische Ordnung geschlechtergerecht gestaltet werden kann. Gerade Frauen leisten Sorgearbeit (Care-Arbeit) für Kinder, Kranke und alte Menschen. Diese Arbeit ist ein tragender Pfeiler des ökonomischen Systems und einer funktionierenden Gesellschaft, wird allerdings nur selten und wenn, dann schlecht entlohnt. Die weitgehende Ausblendung von „Care“ im ökonomischen System ist ein Gerechtigkeitsproblem, das Geschlechterungerechtigkeit strukturell verankert und reproduziert.

Und es ist in mehrfacher Hinsicht ein globales Gerechtigkeitsproblem. Unter anderem durch die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen in den reicheren Ländern des globalen Nordens entsteht ein neuer Bedarf an Pflegearbeit, der vielfach von überwiegend weiblichen Care-Arbeiter_innen aus weniger wohlhabenden Ländern gedeckt wird. Diese „globalen Pflegeketten“ (Global Care Chains) sind mit einer Vielzahl von Problemen verbunden, etwa mit prekären bis ausbeuterischen Arbeitsbedingungen für migrantische Arbeitnehmer_innen und der Frage, wer für die Kinder der Frauen sorgt, die zum Arbeiten ins Ausland gehen müssen.

Vor diesem Hintergrund setzen wir uns dafür ein, die Rechte von Care-Arbeiter_innen zu stärken, die ILO-Konvention zu Hausangestellten umzusetzen, sozialpolitische Reformen anzugehen und alternative Ökonomiekonzeptionen zu entwickeln. Zudem engagieren wir uns dafür, die Frauenrechte in Prozessen der Vereinten Nationen (UN) zu stärken. Dabei arbeiten wir eng mit der Women's Major Group (WMG), eine der neun bei den UN offiziell vertretenen zivilgesellschaftlichen Gruppen, zusammen und versuchen, sicherzustellen, dass die Rechte von Frauen und Mädchen in den Verhandlungen und Dokumenten der UN angemessen berücksichtigt werden.

Aktuelle Beiträge

Ailynn Torres Santana | Gender Weltweit | Publikation

Feminist Visions of the Future of Work

Wie wirkt sich eine veränderte Arbeitswelt auf Frauen und ihren Zugang zu ökonomischen Ressourcen aus? Eine Fallstudie zu Lateinamerika.


weitere Informationen
 
| Gender Weltweit | News | Rückblicke

Zugang und Beteiligung von Frauen an der Digitalwirtschaft.

Frauen können von der Einführung neuer Technologien profitieren. Wie genau, untersuchten Partner der FES bei einem Treffen in Singapur. (auf Englisch)


weitere Informationen
 
| Gender Weltweit | Publikation | Interview

Der Feind im eigenen Haus

„Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ – Simone Reperger berichtet im IPG-Journal über die weltweite Tanz-Performance gegen Gewalt an Frauen.


weitere Informationen
 
13.01.2020 | Bildung, Arbeit, Digitalisierung | Digitalisierung | Gender Weltweit | Veranstaltung | Rückblicke

Auf dem Weg zu einer sozial gerechten Digitalwirtschaft – ein Treffen von Feministinnen in Singapur

In Singapur tagten im November 2019 Mitglieder einer Arbeitsgruppe, um feministische Richtlinien für die Digitalwirtschaft zu entwerfen.


weitere Informationen
 

Publikationen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit

From international ivory towers to national realities

The challenge of creating national social dialogues for social protection floors
Berlin, 2019

Publikation herunterladen (1,5 MB, PDF-File)


Nasser, Amal

Feminist visions of the future of work

Middle East and North Africa (MENA)
Berlin, 2019

Publikation herunterladen (1,3 MB, PDF-File)


Torres Santana, Ailynn

Feminist visions of the future of work

Latin America
Berlin, 2019

Publikation herunterladen (1,1 MB, PDF-File)


nach oben