Besatzungszeit – Die Sowjetische Besatzungszone 1945-1949

zerstörte Frauenkirche in Dresden

Die zerstörte Frauenkirche in Dresden, 1945 (AdsD).

Als am 8. Mai 1945 die Deutsche Wehrmacht bedingungslos gegenüber den Alliierten kapitulierte, war die Zeit der Unterdrückung und des Widerstands im Geheimen für die Arbeiterbewegung zunächst vorüber. In der Sowjetischen Besatzungszone keimte die Hoffnung auf, ein friedliches Deutschland unter dem Sozialismus aufzubauen. Im Juni 1945 wurden dort erstmals wieder Parteien zugelassen. So gesellten sich zur KPD zunächst die SPD, dann die CDU und im Juli schließlich die LDP. Diese Parteien bildeten den sogenannten antifaschistischen Block. Im Vorfeld dieser Parteigründungen gab es bereits Sondierungsgespräche seitens der – noch nicht organisierten – Sozialdemokraten mit der KPD, um eine Einheitspartei der Arbeiterbewegung zu schaffen. Nicht wenige Sozialdemokraten waren nach dem Krieg beeindruckt vom Widerstand der Kommunisten und wollten eine Wiederholung des Nationalsozialismus durch eine geeignete Arbeiterpartei vermeiden. Aber die KPD gab sich zurückhaltend und lehnte eine Fusion zunächst ab. Erst auf Druck der Kommunisten errichtete die SPD am 15. Juni 1945 einen Zentralausschuss als Parteivorstand.

Doch der Enthusiasmus für die Einheitspartei legte sich schnell in den Reihen der SPD. Die Bevorzugung der KPD seitens der sowjetischen Besatzungsmacht trat im weiteren Verlauf des Jahres zutage. So konnte die KPD auf einen hauptamtlichen, bezahlten Parteiapparat zurückgreifen. Auch erhielt die Partei größere Papiermengen zugeteilt und war mobiler als die SPD, da sie über einen wesentlich größeren Fuhrpark verfügte. Der SPD war es verboten, ihre eigenen, bereits vor dem NS-Regime etablierten Umfeldorganisationen wieder aufzubauen. Die von den Nationalsozialisten konfiszierten Besitztümer blieben häufig in der Hand der Besatzungsmacht.

Noch im Herbst 1945 kam es zu einem Umdenken in der KPD. Die Kommunalwahlen in Ungarn, bei denen die KPU mit einer gemeinsamen Liste mit der SPU antrat und von den rechten Parteien geschlagen wurde, sowie den ungarischen Parlamentswahlen, bei denen getrennte Listen seitens der SPU bevorzugt wurden wodurch die beiden Parteien zu Rivalen wurden und die Kommunisten hierdurch ein, im Vergleich zu den Sozialdemokraten schlechtes Ergebnis erzielten, waren der Weckruf für die KPD. Ab diesem Zeitpunkt waren sie, und nicht mehr die SPD, die treibende Kraft hinter einer Fusion der beiden Parteien. Otto Grotewohl, Vorsitzender der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone, hierzu:  „Über die Einheit der Arbeiterklasse gibt es keine Diskussion: sie ist notwendig.“ In derselben Rede, am 14. September 1945, erklärt Grotewohl aber auch, dass die SPD nicht „unter dem Einfluss der russischen Besatzungsmacht im Schlepptau der Kommunistischen Partei“ stehe. Er bekräftigt auch den Führungsanspruch der SPD für das gesamte Deutschland. Diese Aussagen verprellten den ebenfalls anwesenden Wilhelm Pieck, Mitglied des Sekretariats des KPD-Zentralkomitees, der die letzten Kriegsjahre in Moskau verbracht hatte und gezielt auf den Aufbau eines sozialistischen Deutschlands vorbereitet worden war. Pieck hielt am 19. September eine Rede, in der er die vermeintlichen Fehler der SPD vor 1933 anprangerte und auf eine schnelle Vereinigung der beiden Arbeiterparteien drängte. Am 20. und 21. Dezember 1945 wurde auf der Sechziger Konferenz mit je 30 Delegierten der SPD und KPD ein Fahrplan für die Fusion erstellt, was nicht zuletzt auch auf den Druck aus Moskau zurückzuführen ist.

Da sich innerhalb der SPD, vor allem im Westen, zum Teil starker Widerstand regte, die Sozialdemokraten Zweifel am Demokratieverständnis der Kommunisten hegten und eine gesamtdeutsche Fusion anstrebten, beschloss eine Funktionärsversammlung der SPD im Berliner Admiralspalast, eine Urabstimmung in Berlin durchzuführen.  Vor allem die berechtigte Angst vor einem geteilten Deutschland trieb die Genossen um. Bei der Urabstimmung sollten zwei Fragen gestellt werden: „Bist Du für den sofortigen Zusammenschluss beider Arbeiterparteien?“ und „Bist Du für ein Bündnis beider Parteien, welches gemeinsame Arbeit sichert und den Bruderkampf ausschließt?“ Diese Fragen kamen in den Westsektoren Berlins – in der Sowjetischen Besatzungszone war die Urabstimmung untersagt worden – zu einem eindeutigen Ergebnis: Die erste Frage dieser parteiinternen Abstimmung wurde von 82,6% verneint. Die zweite Frage hingegen von 61,5 % bejaht. Das Ergebnis zeigt, dass zwar viele Sozialdemokraten nicht dazu bereit waren, sofort zu fusionieren, die Mehrheit der Genossen, die an der Abstimmung teilgenommen hatten, aber keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Einheitspartei hegten.

Im Laufe des Jahres 1946 kam es vermehrt zu Protestaktionen von sowohl der KPD nahestehenden, als auch sozialdemokratischen Betriebsgruppen, die für eine Fusion der beiden Parteien waren. Unter anderem protestierten 120 der 600 Arbeiter der Neptunwerft in Rostock für eine Einheitspartei. Zwar erschien es vielen Genossen der SPD immer noch nicht erstrebenswert, mit den Kommunisten zu fusionieren, aber letztlich wurde der Druck auf die Parteispitze und die Angst vor Spitzeln und Repressionen zu groß. Auf Parteitagen der SPD und KPD wurden am 19. und 20. April 1946 die Einheit der beiden Parteien in der Sowjetischen Besatzungszone beschlossen. Nach der Vereinigung zur SED setzte eine zunächst schleichende Stalinisierung der Partei ein. Offiziere der Besatzungsmacht mischten sich zunehmend in parteiinterne Prozesse ein und diktierten zum Teil Personalentscheidungen. Ab 1948 wurde die Staliniserung zu einer offen forcierten. Es sollte eine „Partei neuen Typus“ geschaffen werden. Bereits seit 1945 waren Sozialdemokraten verhaftet und in Schauprozessen verurteilt worden. Sozialdemokratische Funktionäre und  von den Kommunisten als "Trotzkisten" bezeichnete Abweichler von der Parteilinie, die zum Teil hohe Ämter und Funktionen bekleideten, wurden in einer Verhaftungswelle 1948/49 konsequent aus der SED entfernt und zu Lagerhaft, vielfach in Sibirien, verurteilt. Mit zum Teil vom Zentralkomitee der KPdSU in Moskau befohlenen Urteilen wurden 5.000 bis 6.000 Sozialdemokraten, die gegen die Vereinigung waren, in den folgenden Jahren, in diesen Lagern inhaftiert.

Quellen und Materialien

Artikelaktionen

Startseite | Epochen | Themen | Datenbanken | Zeitschriften | Archive | Netz-Quellen | Kontakt
Archiv der sozialen Demokratie | Bibliothek der FES | Karl-Marx-Haus