Bössl, Rudolf Mitglied von Reichsbanner und Eiserner Front, Verfolgter Münchner Stadtrat der SPD, nach 1945 erneut Münchner Stadtrat von 1946 bis 1966 Mit 17 Jahren trat Rudolf Bössl ins Berufsleben ein und arbeitete bei der Stadt München, zunächst als Angestellter, ab 1921 als Beamter. 1925 wurde er Mitglied der SPD. 1926 wurde Bössl zum Sektionsführer im Stadtteil Neuhausen gewählt, 1931 in Nymphenburg. Ab 1929 war er Mitglied des Reichsbanners, ab 1932 in der Eisernen Front. Im März 1933 amtierte er als Mitglied des Münchner Stadtrats, der bis Mitte Juli 1933 gleichgeschaltet wurde. Am 9.5.1933 wurden die noch nicht verhafteten SPD-Stadträte (ausgenommen Therese Übelhör) von den Nationalsozialisten aus dem Sitzungssaal geprügelt, wobei der frühere Innenminister Erhard Auer schwer misshandelt wurde. Die SPD-Stadträte wurden am 22.5.1933 ins Gefängnis des Polizeipräsidiums eingeliefert und tags darauf ins KZ Dachau überführt, wo Bössl bis zum 13.12.1933 festgehalten wurde. Am 11.10.1933 wurde er aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem städtischen Dienst entlassen. Das bayerische Innenministerium wies seinen Einspruch vom 19.11.1933 am 3.1.1934 ab, ebenso ein Gesuch um Wiedereinstellung vom 29.9.1934 sowie eine Eingabe vom 12.8.1940. Bössl wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen, in der er bis zu seiner Gefangennahme durch die amerikanischen Streitkräfte 1945 diente.Von 1946 bis 1956 war er Stadtdirektor im Kreisverwaltungsreferat München, zwischen 1948 und 1956 Korreferent des Personalreferats und Mitglied des Personalausschusses sowie des Revisions- und Rationalisierungsausschusses. Als Stadtrat gehörte er von 1946 bis 1966 der SPD-Fraktion im Münchner Rathaus an. Politischer Werdegang und Funktion in der SPD SPD ab 1925 1,2,5Vorsitzender Sektion München - Neuhausen ab 1925 1, 2, 5Vorsitzender Sektion München - Nymphenburg ab 1931 1, 2Stadtrat von April 1933 bis 11.07.1933 3 Werdegang in der SPD nach 1945 SPDStadtrat von 1946 bis 1966 9 Verfolgung Schwere Misshandlung am 09.05.1933 1, 6, 11, 13Sechs der acht Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion hatten bei der ersten Sitzung des neu bestimmten Stadtrats am 26.04.1933 den Saal verlassen, als die nationalsozialistische Stadtratsmehrheit die Ernennung Hitlers und Franz von Epps zu Münchner Ehrenbürgern vollzog. Zu Beginn der nächsten Sitzung am 09.05.1933 bezeichnete der Nationalsozialist Max Amann dies als "unverschämte Provokation" und forderte die sozialdemokratische Fraktion auf, aus dem Stadtrat zu verschwinden. Die NSDAP-Fraktion setzte diese Forderung um und drängte die SPD-Vertreter mit Brachialgewalt aus dem Sitzungssaal.Verhaftung am 22.05.1933 10, 13Verhaftung von SPD-Stadträten und -StadtratskandidatenSchutzhaft 4, 5, 10, 13, 14Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 22.05.1933 bis 23.05.1933KZ Dachau vom 23.05.1933 bis 13.12.1933Häftlingsnummer 1999Aus dem KZ Dachau richtete Bössl am 4.06.1933 per Postkarte folgende Aufforderung an OB Fiehler:"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister. Da ich mich auf unabsehbare Zeit im Konzentrationslager Dachau befind, erlaube ich mir, Sie zu bitten, veranlassen zu wollen, dass mir die Gemeindezeitung (ab Beginn der Wahlperiode) laufend sowie sonstige Mitteilungen nach hier übermittelt werden. Meine Adresse lautet: K.L. Dachau III/3." [14]Verlust des Stadtratsmandats am 11.07.1933 12, 13, 14, 15Entlassung aus politischen Gründen nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (GWB) am 11.10.1933 1, 2, 9, 16Aus dem Schreiben des Innenministeriums vom 26.09.1933 zur Entlassung aus dem städtischen Dienst: "Bößl hat sich mit den anderen Mitgliedern der sozialdemokratischen Stadtratsfraktion bei der Ehrung des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsstatthalter in Bayern im Mai d. Js. aus dem Sitzungssaal entfernt. Er hat sich auch nach dem Verbot der SPD in einem Brief vom 23.6.33 an Oberbürgermeister Fiehler als Vertreter des Marxismus bekannt, der Pflichten gegenüber seinen Wählern zu erfüllen habe." [2]Sein Einspruch vom 19.11.1933 wurde am 03.01.1934 vom Innenministerium abgewiesen, ebenso ein Gesuch um Wiedereinstellung vom 29.09.1934 (abgewiesen am 30.11.1934) und eine Eingabe vom 12.08.1940 (abgewiesen am 05.04.1941). [16] Weitere Daten Schadenskategorie Schaden an FreiheitSchaden im beruflichen und wirtschaftlichen FortkommenSchaden an Körper und Gesundheit Quellenverweis 1 - Gerstenberg, Freiheit 1 S. 382ff, 489f., 495, 618; 2, S.257 Gerstenberg, Freiheit Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 2 - BayHStA, RS 187 BayHStA, RS Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichsstatthalter Epp Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 3 - Graf, Leben S. 254 Graf, Leben Graf, Otto/Graf, Wolfgang: Leben in bewegter Zeit 1900 - 2000. Schriftenreihe des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung Bd. 5. München 2003 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 4 - KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 5 - BayHStA, LEA 7212 BayHStA, LEA Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 6 - StAM, PolDir 6881 StAM, PolDir Staatsarchiv München, Polizeidirektion Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 7 - Münchner Stadtadreßbuch 1934 Münchner Stadtadreßbuch Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff. Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und LiteraturAnmerkungen:in Monacensia, Theresienstr. 23 9 - StadtAM, BuR 2967 StadtAM, BuR Stadtarchiv München, Bürgermeister und Rat Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 10 - StAM, PolDir 8564 StAM, PolDir Staatsarchiv München, Polizeidirektion Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 11 - MB/VB v. 10.05.1933 MB/VB Münchener Beobachter (Lokalbeilage des Völkischen Beobachters) Quellenart:PresseStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 12 - StadtAM, Ratssitzungsprotokolle 1933, Nr. 706 StadtAM, Ratssitzungsprotokolle Stadtarchiv München, Ratssitzungsprotokolle Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 13 - Steinborn, Grundlagen S. 538 f. Steinborn, Grundlagen Steinborn, Peter: Grundlagen und Grundzüge Münchener Kommunalpolitik in den Jahren der Weimarer Republik. Zur Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt im 20. Jahrhundert. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 5. München 1968 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 14 - Hanko, Kommunalpolitik S. 354 Hanko, Kommunalpolitik Hanko, Helmut: Kommunalpolitik in der "Hauptstadt der Bewegung" 1933 - 1935. Zwischen "Revolutionärer" Umgestaltung und Verwaltungskontinuität. In: Broszat, Martin/ Fröhlich, Elke/ Grossmann, A: Bayern in der NS-Zeit Bd. 3. Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Teil. München, Wien 1981, S. 329 - 441 Quellenart:SammelwerkeStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 15 - MGZ v. 15.07.1933 MGZ Münchener Gemeinde-Zeitung Quellenart:PresseStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 16 - BayHStA, MInn 80149 BayHStA, MInn Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Staatsministerium des Inneren Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 17 - SZ v. 20.9.1962, S. 15 Skandal bei einer Festsitzung im Rathaus SZ Süddeutsche Zeitung Quellenart:PresseStatus:Veröffentlichte Quellen und LiteraturAnmerkungen:Sehr geehrte/r Frau/Herr , vielen Dank für Ihre Anfrage. Da wir keine Rechercheaufträge annehmen, und unser Archiv erst ab 1992 digitalisiert ist, können Sie SZ-Beiträge vor 1992 online in einer nur sehr geringen Auswahl zurück bis 1951 über die kostenpf