Auer, Erhard Innenminister des Freistaats Bayern unter Kurt Eisner, Verfolgter SPD-Politiker in der NS-Zeit Erhard Auer wurde als uneheliches Kind geboren und wuchs nach dem frühen Tod der Mutter als „Gemeindearmer“ auf. Vom Landarbeiter brachte er es nach einer kaufmännischen Ausbildung 1900 zum Offizianten bei der Münchner Ortskrankenkasse. Seit 1892 war er Mitglied der SPD. Auer gehörte von 1907 bis 1918 der Bayerischen Abgeordnetenkammer an. Vom 8.11.1918 bis 21.2.1919 amtierte er als Staatsminister des Inneren im Kabinett Kurt Eisner. Am Tag des Attentats auf Eisner (21.2.1919) wurde er bei Tumulten im Landtag angeschossen. Von 1918 bis 1933 war er Abgeordneter des Bayerischen Landtags und dort von 1920 bis 1933 Vizepräsident. 1919 vertrat er die Bayerische SPD in der Verfassunggebenden Nationalversammlung. Dem Münchener Stadtrat gehörte er von 1919 bis 1933 an. In dieser Zeit leitete er als Herausgeber und Chefredakteur die sozialdemokratische „Münchener Post“.Am 26.4.1933 hatte die SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat den Sitzungssaal verlassen, als über die Ernennung Hitlers zum Ehrenbürger beraten wurde. Die NSDAP sah darin eine „unverschämte Provokation“ und forderte bei der nächsten Sitzung am 9.5.1933 die Entfernung der sechs SPD-Stadträte aus dem Sitzungssaal. Diese Aufforderung setzten die NSDAP-Mitglieder gewalttätig um. Rudolf Bössl aus der SPD-Fraktion schilderte im September 1962, was sich in der Versammlung abspielte: „Ich habe heute noch das Bild vor meinen Augen, als zu Beginn der Sitzung hier in diesem Raum der ehemalige Innenminister Auer niedergeschlagen und an den Füßen durch die Mitte dieses Saales geschleift wurde, während die Nazibanditen die Spitzen ihrer Kommißstiefel in seinen Leib stießen, der durch die Schüsse im Landtag schwerst verletzt war“ („Süddeutsche Zeitung“, 20.9.1962). Auer wurde vom 22.5.1933 bis 3.6.1933 in „Schutzhaft“ genommen und erhielt anschließend Aufenthaltsverbot in München. Er zog nach Karlsruhe, wo er am 22.8.1944 von der Gestapo in Zusammenhang mit der „Aktion Gewitter“ aufgespürt, bei der nach dem Stauffenberg-Attentat reichsweit Tausende politische Gegner und deren Angehörige verhaftet wurden. Auer blieb die Haft wegen seines schlechten Gesundheitszustandes erspart, er starb am 20.3.1945. Politischer Werdegang und Funktion in der SPD SPD ab 1892 3Leiter des Landessekretariats von 1900 bis 1908 3Mitarbeiter des Vorsitzenden Georg von VollmarGeschäftsführer der SPD in Bayern von März 1908 bis August 1921 3Bayerischer Staatsminister des Inneren im Kabinett Kurt Eisner vom 08.11.1918 bis 21.02.1919 3, 5, 9Am Tag des Attentats auf Eisner (21.02.1919) kam es im Landtag zu schweren Tumulten; dabei wurde Auer angeschossen.Mitglied im Provisorischen Nationalrat Bayern für die Sozialdemokratische Fraktion von 1918 bis 1919 9Mitglied der Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung von 1919 bis 1920 9, 16Mitglied des Landtags (MdL) von 1907 bis 1933 3, 5,1. Vizepräsident des Bayerischen Landtages von 1920 bis 1932 9, 222. Vizepräsident des Bayerischen Landtages von 1932 bis 1933 9, 22Stadtrat von 1919 bis 11.07.1933 18, 22 4, 51. Vorsitzender der Bezirksleitung von Oberbayern und Schwaben von 1932 bis 1933 22 Verfolgung Beschlagnahme des Verlages “Bayerisches Wochenblatt" 1933 9Auer war Inhaber des Verlages.Arbeitslosigkeit aus politischen Gründen 1933Da er sich weigerte, die Selbstverpflichtung im Rahmen des Schriftleitergesetzes zu unterschreiben, konnte er nicht mehr als Journalist arbeiten.Entzug der Unfallrente 1933 9Er hatte nach dem Attentat im Landtag 1919 eine Unfallrente bezogen.Schwere Misshandlung am 09.05.1933 8, 14Sechs der acht Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion hatten bei der ersten Sitzung des neu bestimmten Stadtrats am 26.04.1933 den Saal verlassen, als die nationalsozialistische Stadtratsmehrheit die Ernennung Hitlers und Franz von Epps zu Münchner Ehrenbürgern vollzog. Zu Beginn der nächsten Sitzung am 09.05.1933 bezeichnete der Nationalsozialist Max Amann dies als "unverschämte Provokation" und forderte die sozialdemokratische Fraktion auf, aus dem Stadtrat zu verschwinden. Die NSDAP-Fraktion setzte diese Forderung um und drängte die SPD-Vertreter mit Brachialgewalt aus dem Sitzungssaal.Verhaftung am 22.05.1933 9, 19Verhaftung von SPD-Stadträten und -StadtratskandidatenSchutzhaft 9, 19Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 22.05.1933 bis 26.05.1933Gefängnis München-Stadelheim vom 26.05.1933 bis 03.06.1933Verlust des Stadtratsmandats am 11.07.1933 18, 20Aufenthaltsverbot in München ab Ende 1933 9Umzug nach KarlsruheAm 22.08.1944 wurde er von der Gestapo in Zusammenhang mit der "Aktion Gewitter" in Karlsruhe aufgespürt, wegen schlechten Gesundheitszustandes aber nicht verhaftet. Weitere Daten Religion/Konfession röm.-katholisch Schadenskategorie Schaden an FreiheitSchaden im beruflichen und wirtschaftlichen FortkommenSchaden an Körper und GesundheitSchaden an Eigentum und Vermögen Ehrung Straßenname in München (Stadtbezirk: Neuhausen - Nymphenburg) 1947 5Erhard-Auer-Straße Quellenverweis 1 - Gerstenberg, Freiheit 2 S. 256 Gerstenberg, Freiheit Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 3 - Schröder, Parlamentarier S. 351 Schröder, Parlamentarier Schröder, Wilhelm Heinz: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867 - 1933. Biographien - Chronik - Wahldokumentation. Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien Bd. 7. Düsseldorf 1995 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 5 - Dollinger, Straßennamen S. 76 Dollinger, Straßennamen Dollinger, Hans: Die Münchner Straßennamen. 6. Aufl. München 2007 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 6 - Kral, Landespolitik S. 18 f., 21, 54 f., 94, 232 Kral, Landespolitik Kral, Herbert: Die Landespolitik der SPD in Bayern von 1924 - 1933. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 134. München 1985 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 7 - StAM, Gestapo 13 StAM, Gestapo Staatsarchiv München, Geheime Staatspolizei Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 8 - StAM, PolDir 6881 StAM, PolDir Staatsarchiv München, Polizeidirektion Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 9 - Bayerischer Landtag, Opfer Bayerischer Landtag, Opfer Bayerischer Landtag/Haus der Bayerischen Geschichte/Institut für Zeitgeschichte: Opfer und Verfolgte des NS-Regimes aus Bayerischen Parlamenten http://www.bayern.landtag.de/opfer_doku/web_gedenk_v2/#http://www.bayern.landtag.de/opfer_doku/web_gedenk_v2/#URL Datum LZ: letzter Zugriff am 09.10.2013Quellenart:Internet-VeröffentlichungenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 10 - SPD Stadtratsfraktion, 100 Jahre S. 69, 83 f. SPD Stadtratsfraktion, 100 Jahre SPD-Stadtratsfraktion (Hrsg.): 100 Jahre SPD im Münchner Rathaus. 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München/Wien 1992, S. 138 ? 150 Quellenart:SammelwerkeStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 14 - MB/VB v. 10.05.1933 MB/VB Münchener Beobachter (Lokalbeilage des Völkischen Beobachters) Quellenart:PresseStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 16 - Bureau, Handbuch Nationalversammlung S. 123 Bureau, Handbuch Nationalversammlung Bureau des Reichstags (Hrsg.): Handbuch der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung Weimar 1919. Berlin 1919 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 18 - Steinborn, Grundlagen S. 557 Steinborn, Grundlagen Steinborn, Peter: Grundlagen und Grundzüge Münchener Kommunalpolitik in den Jahren der Weimarer Republik. Zur Geschichte der bayerischen Landeshauptstadt im 20. Jahrhundert. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 5. München 1968 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 19 - StAM, PolDir 8564 StAM, PolDir Staatsarchiv München, Polizeidirektion Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 20 - MGZ v. 15.07.1933 MGZ Münchener Gemeinde-Zeitung Quellenart:PresseStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 21 - StadtAM, Ratssitzungsprotokolle 1933, Nr. 706 StadtAM, Ratssitzungsprotokolle Stadtarchiv München, Ratssitzungsprotokolle Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 22 - HdBG, Geschichte HdBG, Geschichte Haus der Bayerischen Geschichte: Geschichte des Bayerischen Parlaments seit 1819 #http://www.hdbg.de/parlament/content/index.html#URL Datum LZ: letzter Zugriff am 09.10.2013Quellenart:Internet-VeröffentlichungenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 23 - SZ v. 20.9.1962, S. 15 Skandal bei einer Festsitzung im Rathaus SZ Süddeutsche Zeitung Quellenart:PresseStatus:Veröffentlichte Quellen und LiteraturAnmerkungen:Sehr geehrte/r Frau/Herr , vielen Dank für Ihre Anfrage. 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