Albert, Martin Im Alter von vierzehn Jahren war Martin Albert bereits politisch dabei: bei der Gewerkschaft der Eisenbahner sowie in der SAJ. Fünf Jahre später war er Vollmitglied der SPD. Von 1930 -1933 leitete er das Kabarett "Rote Raketen", das aus dem Jugendchor von Hannes Marxen, der viele Lieder für die Arbeiterjugend textete und 1933 nach Schweden emigrierte, hervorging. Im Januar 1933 wurde er zum Vorsitzenden der SAJ in Mittelfranken gewählt.Zum Zeitpunkt der NS-Machtergreifung war Albert in der legendären NSF (Nürnberger Schrauben-Fabrik) tätig, ein jüdischer Betrieb, der einer Reihe von Genossen, aber auch Kommunisten, ein teilweise trick- und fintenreiches "Überwintern" der zwölf Jahre Nationalsozialismus ermöglichte. Freilich stand die Gefährdung permanent im Raum - und so geriet schließlich auch Albert ins Visier der Gestapo: im Dezember 1935 wurde er (zusammen mit seinen Genossen und Kollegen Ludwig Bach und Otto Kraus) verhaftet, verurteilt und kam bis Juli 1936 ins KZ Dachau. Der spätere Funk-Industrielle Paul Metz, damals Abteilungsleiter der NSF, holte in aus dem KZ heraus, indem er vorgab, Konstruktionszeichnungen nicht lesen zu können. Eine zweite Verhaftung erfolgte 1944, wiederum Dachau, dieses Mal für zwei Monate. Nach dem Krieg, in Zeiten der "Stunde Null" hatte die NSF für kurze Zeit Modellcharakter für ein durch den Betriebsrat selbstorganisiertes und verwaltetes Unternehmen; Martin Albert war einer der treibenden und organisatorisch an der Spitze stehenden Kräfte dieses gewerkschaftlich und parteipolitischen Neubeginns. Von1946 - 1958 Mitglied des Bayerischen Landtags, Fraktionsgeschäftsführer, Landessekretär der SPD , 2.Vors. Der SPD Nürnberg und weiterer vielfältiger Funktionen innerhalb der SPD . Unter anderem war er Seniorenbeauftragter für Franken und rief die AvS mit ins Leben, womit er sich anfangs der 80er Jahre bleibend verdient gemacht hat, indem er eine systematische Erfassung und Aufarbeitung der Schicksale verfolgter Sozialdemokraten aus Mittelfranken in Angriff nahm. Sein damaliger Vorstoß (mit dem er zu dieser Zeit noch ziemlich alleine dastand) bildet gerade heute noch die unabdingbare Grundlage für später erfolgte Recherchen in diese Richtung, etwa einige der Lebensläufe in diesem Gedenkbuch. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er krankheitsbedingt bei seiner Tochter in Kempten, wo er sofort einen Geschichtsarbeitskreis bei den Jungsozialisten gründete und Schriften über die Gefahren des politischen Extremismus veröffentlichte. Politischer Werdegang und Funktion in der SPD SPD Funktionär ab 1928 5 Werdegang in der SPD nach 1945 SPD ab 1945Stadtrat im ersten Beirat in Nürnberg nach dem Krieg von Januar 1946 bis März 1946 5Verhandlungsführer bei der amerikanischen Militärregierung Bayern für die Wiederzulassung der SPD auf Landesebene 1946Vorsitzender Nürnberg West I von 1945 bis 19462. Vorsitzender der SPD Nürnberg von 1945 bis 1946Mitglied des Landtags (MdL) von 1946 bis 1958 (u.a. Fraktionsgeschäftsführer) 5Landessekretär von 1946 bis 1949Vorsitzender Nürnberg West I von 1956 bis 19572. Vorsitzender der SPD Nürnberg von 1956 bis 1957 5 Verfolgung Verhaftung am 19.12.1935Zum Zeitpunkt der NS-Machtergreifung war Martin Albert in der legendären NSF (Nürnberger Schraubenfabrik) tätig, einem jüdischen Betrieb, der einer Reihe von Genossen, aber auch Kommunisten, ein teilweise trick- und fintenreiches "Überwintern" während der zwölf Jahre Nationalsozialismus ermöglichte. Freilich stand die Gefährdung permanent im Raum und so geriet schließlich auch Albert ins Visier der Gestapo.Polizeiarrest/-haft ab 19.12.1935SchutzhaftKZ Dachau Zugang am 08.02.1936 überführt am 22.04.1936 1Häftlingsnr. 9166Der spätere Funkindustrielle, Paul Metz, damals Abteilungsleiter der NSF, fuhr nachDachau und holte Albert aus dem KZ heraus, indem er vorgab,Konstruktionszeichnungen nicht lesen zu können.KZ Dachau rücküberführt am 27.05.1936 entlassen am 02.07.1936 2Häftlingsnr. 9620Prozess 10Oberlandesgericht München (Massenprozess Albert Martin und Andere (Albfreunde))Anklage: Vorbereitung eines hochverräterischen UnternehmensUrteil vom 19.05.1936Einstellung des VerfahrensKZ Dachau Zugang am 08.02.1936 überführt am 22.04.1936 1Häftlingsnr. 9166Der spätere Funkindustrielle, Paul Metz, damals Abteilungsleiter der NSF, fuhr nach Dachau und holte Albert aus dem KZ heraus, indem er vorgab, Konstruktionszeichnungen nicht lesen zu können.Haft 1944 zwei weitere Monate Weitere Daten Schadenskategorie Schaden an Freiheit Ehrung Straßenname in NürnbergMartin-Albert-Straße Quellenverweis 2 - BArch, NJ Version 16 BArch, NJ Bundesarchiv Berlin, Nationalsozialistische Justiz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 4 - Asgodom, Maul S. 148 ff. Asgodom, Maul Asgodom, Sabine (Hrsg.): "Halt´s Maul - sonst kommst nach Dachau!" Frauen und Männer aus der Arbeiterbewegung berichten über Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus. Köln 1983 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 8 - Mehringer, Sozialdemokratie S. 421-422 und 429-430 Mehringer, Sozialdemokratie Mehringer, Hartmut: Die Bayerische Sozialdemokratie bis zum Ende des NS-Regimes. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand. In: Broszat, Martin/Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Bd. 5. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand. München/Wien 1983, S. 287 ? 432 Quellenart:SammelwerkeStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 10 - BArch, NJ Prozess Albert. Urteil BArch, NJ Bundesarchiv Berlin, Nationalsozialistische Justiz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 11 - BArch, NJ Prozess Albert. Anklage BArch, NJ Bundesarchiv Berlin, Nationalsozialistische Justiz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 12 - BArch, NJ Prozess Albert. Anordnung Hauptverhandlung BArch, NJ Bundesarchiv Berlin, Nationalsozialistische Justiz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen