Aidelsburger, Josef Mitglied der Eisernen Front und der Widerstandsgruppe „Rote Rebellen“. Gefängnis, KZ Dachau, Misshandlungen mit Todesfolge. Seit 1922 lebte Josef Aidelsburger in München, wo er zunächst als Schuhmacher, ab 1924 in einer Ziegelei arbeitete. Von 1929 bis 1933 hatte Aidelsburger keine Stelle, danach übte er eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter aus, u.a. bei der Reichsautobahn. Er war gewerkschaftlich beim Fabrikarbeiterverband organisiert und Mitglied in Arbeitersportvereinen sowie in der „Eisernen Front“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wirkte er bei den „Roten Rebellen“ mit, einer Widerstandsgruppe um seinen ehemaligen Zugführer aus der „Eisernen Front“, Franz Faltner, der sich frühere Mitglieder des Reichsbanners im Münchner Osten und des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Aubing anschlossen. Aidelsburger verfasste u.a. einen Bericht über die Arbeitsbedingungen beim Bau der Reichsautobahn für das Grenzsekretariat der Sopade (Exil-SPD in der Tschechoslowakei) in Eger. Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, schriftliches Material (u.a. Flugblätter, Zeitungen) der Sopade über die Grenze zu schmuggeln; er war an allen Verteilaktionen der Gruppe in München beteiligt, so auch vor der Volksabstimmung im August 1934. Ende April 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet. Wegen „eines Verbrechens der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ verurteilte ihn das Oberlandesgericht München im Juli 1936 zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 14 Monaten Haft. Nach der Strafverbüßung wurde er im August 1937 in das KZ Dachau verbracht, wo er bis August 1939 in „Schutzhaft“ war. Er starb an den Folgen der im KZ erlittenen Misshandlungen. Verfolgung Verhaftung am 28.04.1935 1Gefängnis München-Stadelheim vom 28.04.1935 bis 16.08.1935Deutschhaus Kaserne Nürnberg (Nürnberger Polizeipräsidium)Fristlose Entlassung infolge der Verhaftung am 29.04.1935 1Untersuchungshaft 2, 4Gefängnis München-Stadelheim vom 16.08.1935 bis 09.07.1936Amtsgerichtsgefängnis ErlangenProzessOberlandesgericht MünchenAnklage vom 25.03.1936: Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, hier: "wobei die Tat auf Beeinflussung der Massen durch Verbreitung von Schriften gerichtet war."Aidelsburger habe von Sommer 1934 bis Frühjahr 1935 vier bis fünf Mal Exemplare der "Sozialistischen Aktion" von Faltner zur Weitergabe erhalten. Von ihm habe er auch die Druckschriften für Oskar Zelger erhalten und an diesen weitergegeben, von diesem wiederum einen Bericht über die Druckschriften an Faltner übermittelt. Vor der Volksabstimmung am 19.08.1934 habe er von Faltner etwa 60 Klebezettel zum Verteilen erhalten sowie eine Anzahl von Flugblättern "Zwiegespräch mit sächsischen Bauern". Im September 1934 habe er im Auftrag von Faltner einen Bericht über die Verhältnisse bei der Reichsautobahn "zur Weiterleitung in die Tschechei" angefertigt.Urteil vom 09.07.1936: Verbrechen der Vorbereitung eines hochverräterischen UnternehmensStrafmaß: Gefängnis 2 Jahre, 3 Monateunter Anrechnung von 14 Monaten UntersuchungshaftStrafhaft 2, 4Gefängnis München-Stadelheim vom 10.07.1936 bis 09.08.1937Schutzhaft 1Unabhängig von der Strafverbüßung, mit der das Gerichtsverfahren endete, wurde Aidelsburger in Schutzhaft genommen.Gefängnis des Polizeipräsidiums München, Ettstraße vom 09.08.1937 bis 21.08.1937KZ Dachau vom 21.08.1937 bis 20.04.1939Häftlingsnummer 12609Misshandlung 1während der Haft im KZ Dachau Weitere Daten Religion/Konfession altkatholisch Schadenskategorie Schaden an FreiheitSchaden im beruflichen und wirtschaftlichen FortkommenSchaden an Körper und Gesundheit Quellenverweis 1 - BayHStA, LEA 90 BayHStA, LEA Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 2 - Zarusky/Mehringer, Widerstand Fiches 0082 f. Mehringer, Widerstand Mehringer, Hartmut: Widerstand und Emigration. Das NS-Regime und seine Gegner. München 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 2 - Zarusky/Mehringer, Widerstand Fiches 0082 f. Zarusky/Mehringer, Widerstand Zarusky, Jürgen/Mehringer, Hartmut: Widerstand als "Hochverrat" 1933 - 1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht. Mikrofiche-Edition und Erschließungsband. München 1994, 1998 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 4 - BArch, NJ 9445 BArch, NJ Bundesarchiv Berlin, Nationalsozialistische Justiz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 6 - Münchner Stadtadreßbuch 1936 Münchner Stadtadreßbuch Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff. Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und LiteraturAnmerkungen:in Monacensia, Theresienstr. 23