Unterleitner, Hans Schwiegersohn Kurt Eisners. Vorstandsmitglied des Sozialdemokratischen Vereins München. Mitglied des Reichstages. KZ Dachau 1933-1935. Flucht in die Schweiz 1935, Asyl. Emigration in die USA 1939. Ab 1941 Vorstandsmitglied des „German-American Council for the Liberation of Germany from Nazism“ Der gelernte Kunstschlosser Hans Unterleitner war während des Ersten Weltkriegs noch als Soldat von der SPD zur USPD übergetreten. Von seinem Schwiegervater Kurt Eisner wurde er zum Staatsminister für Soziale Fürsorge ernannt. Dieses Amt hatte er bis zum 7.4.1919 inne. 1920 trat er wieder der SPD bei. Er war Parteisekretär des SPD-Bezirks Oberbayern, Mitglied des Parteiausschusses Oberbayern-Schwaben und Vorstandsmitglied des SPD-Vereins München, der Dachorganisation der Münchner Sozialdemokraten. Außerdem war er von Juni 1920 bis April 1924 und von Dezember 1924 bis Juni 1933 Mitglied des Reichstages.Er kämpfte in der Endphase der Weimarer Republik gegen die erstarkenden Nationalsozialisten, u.a. gemeinsam mit Wilhelm Hoegner in zwei Großkundgebungen der Eisernen Front am 15.7.1932 in München „Gegen die Verderber Deutschlands!“ Er gehörte zu den SPD-Mitgliedern, die bei der Aktion am 30.6.1933 verhaftet und in das KZ Dachau deportiert wurden, wo er bis zum 11.9.1935 in „Schutzhaft“ gehalten wurde. Mit seiner Familie floh er im Dezember 1935 in die Schweiz. Dort wurde er wegen unerlaubter Grenzüberschreitung angeklagt, aber wegen der im KZ erlittenen Misshandlungen freigesprochen. Er erhielt politisches Asyl. Durch Vermittlung des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Leon Blum konnte er in die USA emigrieren. 1941 wurde er Mitglied im Vorstand des “German-American Council for the Liberation of Germany from Nazism“. Wilhelm Hoegner bot ihm 1945 an, in sein Kabinett einzutreten, was er jedoch ablehnte. Er blieb bis zu seinem Tod in den USA. Über seine Tätigkeiten nach 1945 ist nichts bekannt. Politischer Werdegang und Funktion in der SPD SPD von 1914 bis 1918 3, 4Parteisekretär des SPD-Bezirks Oberbayern 3, 4Staatsminister für Soziale Fürsorge vom 08.11.1918 bis 07.04.1919 3, 4, 6im Kabinett Kurt EisnerSPD ab 1920 1, 3, 4, 7Mitglied des Parteiausschusses für Oberbayern-Schwaben 3, 7Vorstandsmitglied des Sozialdemokratischen Vereins München 9Aktionsausschuss; BeisitzerMitglied des Reichstags (MdR) von Juni 1920 bis April 1924 1, 3, 4, 11, 12Mitglied des Reichstags (MdR) von Dezember 1924 bis 22.06.1933 1, 3, 4, 11, 12 Verfolgung Schutzhaft 4, 10Verhaftungsaktion gegen führende SPD-MitgliederKZ Dachau vom 30.06.1933 bis 11.09.1935Häftlingsnummer 2276Misshandlung im KZ Dachau 5, 10Waldemar von Knoeringen berichtete Wilhelm Hoegner in einem Brief vom 23.Juli 1934, dass Unterleitner noch immer im KZ Dachau sei. Er mache sich Sorgen um dessen Gesundheitszustand und befürchte, dass dieser die KZ- Qualen nicht mehr lange durchstehen könne.Meldepflicht ab September 1935 4, 5Nach der Entlassung aus der Schutzhaft im KZ Dachau oblag er der Meldepflicht. Da diese in seinen Personaldokumenten vermerkt war, hatte er keine Chance, Arbeit zu finden.Flucht und Asyl 10Ankunft in der Schweiz am 24.12.1935Unterleitner und seiner Familie gelang die Flucht in die Schweiz. Dort wurde er vor Gericht wegen unerlaubter Grenzüberschreitung angeklagt. Wegen der Misshandlungen im KZ Dachau sprach ihn das Gericht frei; er erhielt in der Schweiz politisches Asyl.Emigration 4, 7, 10in die USA im November 1939durch Vermittlung des ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Leon Blum. Er lebte in Elisabeth/New Jersey und arbeitete u.a. als Portier. 1941 wurde er Vorstandsmitglied des “ German-American Council for the Liberation of Germany from Nazism“. Nach 1945 war er als Kabinettsmitglied in der Regierung Hoegner vorgesehen. Er kam jedoch nicht mehr nach Deutschland zurück. Weitere Daten Religion/Konfession röm.-katholisch Schadenskategorie Schaden an FreiheitSchaden an Körper und GesundheitSchaden am beruflichen Fortkommen und Eigentum Quellenverweis 1 - Gerstenberg, Freiheit 1 S. 157; 2, S. 207, 224, 293 Gerstenberg, Freiheit Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 2 - KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 3 - HdBG, Geschichte HdBG, Geschichte Haus der Bayerischen Geschichte: Geschichte des Bayerischen Parlaments seit 1819 #http://www.hdbg.de/parlament/content/index.html#URL Datum LZ: letzter Zugriff am 09.10.2013Quellenart:Internet-VeröffentlichungenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 5 - AIfZ, ED 120, Bd. 6 AIfZ, ED Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, Einzeldokumente (Nachlässe und Sammlungen) Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 6 - Mehringer, Sozialdemokratie S. 312 Mehringer, Sozialdemokratie Mehringer, Hartmut: Die Bayerische Sozialdemokratie bis zum Ende des NS-Regimes. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand. In: Broszat, Martin/Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Bd. 5. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand. München/Wien 1983, S. 287 ? 432 Quellenart:SammelwerkeStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 7 - Mehringer, Knoeringen S. 42, 262 Mehringer, Knoeringen Mehringer, Hartmut: Waldemar von Knoeringen - eine politische Biographie. Der Weg vom revolutionären Sozialismus zur sozialen Demokratie. Schriftenreihe der Georg-von-Vollmar-Akademie Bd. 2. München/Wien 1989 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 9 - StAM, Gestapo 28 StAM, Gestapo Staatsarchiv München, Geheime Staatspolizei Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 10 - BayHStA, LEA 3637 BayHStA, LEA Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 11 - Bureau, Reichstags-Handbuch I, S. 384; III, S. 385; IV, S. 459; V, S. 502; VI, S. 244; VII, S. 434; VIII; S. 289 Bureau, Reichstags-Handbuch Bureau des Reichstags (Hrsg.): Reichstags-Handbuch, I. - VIII. Wahlperiode. Berlin 1920-1933 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur