Lampersberger, Josef jun. Mitglied der SPD und des Reichsbanners. Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Rebellen“ (Faltner), Kurier der Sopade. Flucht in die Tschechoslowakei 1933. Emigration nach Großbritannien 1939. Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit im Februar 1939. Mit 16 Jahren wurde Josef Lampersberger Mitglied von SPD und Reichsbanner, wo der gelernte Kellner bereits mit 19 Jahren eine Führungsfunktion innehatte. 1933 hatte er als Speisewagenkellner der Mitropa auf dienstlichen Reisen Kontakte mit dem Grenzstützpunkt der Sopade (Exil-SPD in der Tschechoslowakei) in Eger aufgenommen und war vom Sommer 1933 an als Kurier für die Sopade tätig. Er brachte Druckschriften und Flugblätter aus der Tschechoslowakei nach München, wo er am Aufbau der „Roten Rebellen“ beteiligt war, einer Widerstandsgruppe um Franz Faltner, der ehemalige Mitglieder des Reichsbanners im Münchner Osten und des Arbeiter- Turn- und Sportvereins Aubing angehörten. Von einem Spitzel wurde er enttarnt; Freunde warnten ihn im September 1933 vor der drohenden Verhaftung, deshalb floh er in die Tschechoslowakei. Bei einem vereinbarten Treffen mit Münchner Gesinnungsgenossen wurde er im April 1934 auf der tschechischen Seite des Grenzbahnhofs Bayrisch Eisenstein von deutschen Agenten gefangen, auf deutsches Gebiet gebracht und von da an während des Transports bis München und während der Vernehmungen durch die BPP (Bayerische Politische Polizei) schwer misshandelt. Eine internationale Pressekampagne und eine Intervention der tschechischen Regierung führten dazu, dass er Anfang Juni in die Tschechoslowakei zurückkehren konnte, wo er bis 1939 in Prag lebte. Nach der deutschen Besetzung emigrierte er 1939 zuerst in die Niederlande, dann nach England, wo er endgültig blieb. Von 1940 bis 1945 arbeitete er als Dolmetscher und Vernehmungsoffizier. Nach dem Krieg blieb er in England; über seine Tätigkeit ist nichts bekannt.Zu dem Grenzzwischenfall stellte er 1960 fest: „Ich freue mich, dass mein Entführungsfall der einzige politische Erfolg der tschechischen Regierung gegen Nazi-Deutschland war.“ (IfZ, ZS Lampersberger, Übersetzung aus dem Englischen: Grubmüller/Lehnstaedt) Politischer Werdegang und Funktion in der SPD SPD ab 1928 4, 8Mitarbeiter des Grenzsekretariats der Sopade in Eger von 1933 bis 1935 1, 6 Verfolgung Flucht 1, 4, 7, 8, 9in die ?SR im September 1933In Lampersbergers Dienstkoffer bei der Mitropa wurden antinationalsozialistische Flugblätter "gefunden", die man zuvor ohne sein Wissen darin versteckt hatte, um ihn "auf frischer Tat zu ertappen." Ein Kollege warnte ihn und er konnte noch vor der Verhaftung in die Tschechoslowakei fliehen. [9]Entführung am 27.04.1935 7, 8Lampersberger wurde von deutschen Agenten aus dem tschechoslowakischen Bereich des Grenzbahnhofs Eisenstein auf die deutsche Seite entführt. Auf dem anschließenden Transport nach München erlitt er schwere Misshandlungen.Schutzhaft 9Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 27.04.1935 bis 03.06.1935Misshandlung während der Verhöre durch die BPP 9Rückführung in die Tschechoslowakei am 03.06.1935 2Aufgrund einer internationalen Pressekampagne und der Intervention der Regierung in Prag musste Lampersberger wieder in die ?SR entlassen werden.Auslieferungshaft von Anfang Dezember 1938 bis 24.12.1938 7, 9nach Besetzung des Sudetenlandes durch Deutschland. Er wurde freigelassen mit der Auflage, spätestens am 01.01.1939 die ?SR zu verlassen. Er lebte bis Anfang Januar in Prag, ehe er sich in die Niederlande absetzen konnte.Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit im Februar 1939 9Emigration 4, 9nach Großbritannien am 24.03.1939Dort Einweisung in das Internierungslager Seaton von Dezember 1939 bis April 1940.Bis 1945 arbeitete Lampersberger als Dolmetscher und Vernehmungsoffizier. Er blieb in Großbritannien.Gesundheitliche Schäden infolge der Misshandlungen in der Schutzhaft 9 Weitere Daten Religion/Konfession röm.-katholisch Schadenskategorie Schaden an FreiheitSchaden an Körper und GesundheitSchaden am beruflichen Fortkommen und Eigentum Quellenverweis 1 - Gerstenberg, Freiheit 2 S. 276 Gerstenberg, Freiheit Gerstenberg, Günther: Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre Bd. 1-2. Andechs 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 2 - StAM, PolDir 8574 StAM, PolDir Staatsarchiv München, Polizeidirektion Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 4 - Mehringer, Knoeringen S. 111 ff., 424 Mehringer, Knoeringen Mehringer, Hartmut: Waldemar von Knoeringen - eine politische Biographie. Der Weg vom revolutionären Sozialismus zur sozialen Demokratie. Schriftenreihe der Georg-von-Vollmar-Akademie Bd. 2. München/Wien 1989 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 5 - Zarusky/Mehringer, Widerstand Fiches 0082 f. Mehringer, Widerstand Mehringer, Hartmut: Widerstand und Emigration. Das NS-Regime und seine Gegner. München 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 5 - Zarusky/Mehringer, Widerstand Fiches 0082 f. Zarusky/Mehringer, Widerstand Zarusky, Jürgen/Mehringer, Hartmut: Widerstand als "Hochverrat" 1933 - 1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht. Mikrofiche-Edition und Erschließungsband. München 1994, 1998 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 6 - Mehringer, Sozialdemokratie S. 381 ff. Mehringer, Sozialdemokratie Mehringer, Hartmut: Die Bayerische Sozialdemokratie bis zum Ende des NS-Regimes. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand. In: Broszat, Martin/Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Bd. 5. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand. München/Wien 1983, S. 287 ? 432 Quellenart:SammelwerkeStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 8 - AIfZ, ZS Lampersberger AIfZ, ZS Lampersberger Archiv des Instituts für Zeitgeschichte: Zeugenschrifttum Lampersberger, Josef #http://www.ifz-muenchen.de/archiv/zs/zs-3146.pdf#URL Datum LZ: letzter Zugriff am 13.10.2013Quellenart:Internet-VeröffentlichungenStatus:Unveröffentlichte Quellen 9 - BLFA LEA, BEG 36771 BLFA LEA Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 9 - BLFA LEA, BEG 36771 BLFA LEA, BEG Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt, Bundesentschädigungsgesetz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 10 - AdsD, Emigration/Sopade 31: Brief Hans Dill vom 27.09.1933; Bericht Hans Dill vom 05.07.1934 AdsD, Emigration/Sopade Archiv der sozialen Demokratie, Emigration/Sopade Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 11 - BArch, NJ 9445 BArch, NJ Bundesarchiv Berlin, Nationalsozialistische Justiz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen