Faltner, Franz Mitglied in SPD, Reichsbanner und Eiserner Front, Gründer der Widerstandsgruppe „Rote Rebellen“. Verhaftung 1935, Gefängnis und Zuchthaus bis 1945. Franz Faltner war Mitglied in SPD, Reichsbanner und Eiserner Front. Er baute mit ehemaligen Reichsbannerleuten, Sportlern verbotener Turnvereine und mit seinen beruflichen Kontakten bei der Reichsbahn die „Roten Rebellen“ auf, deren zentrale Figur er war. Die Gruppe unterhielt einen Kurierdienst mit der Sopade (Exil-SPD) in der Tschechoslowakei, versorgte diese mit Berichten zur politischen, wirtschaftlichen und militärischen Lage und bezog von der Sopade Material, das sie in München zum Teil unter hohem Risiko verteilte. Die „Roten Rebellen“ hinterließen Flugblätter in Werbeprospekten vor Geschäften, schickten sie an stadtbekannte Persönlichkeiten und legten sie bei einem Fußballspiel im Stadion an der Grünwalder Straße aus. Einer der Kuriere war jedoch Spitzel der Bayerischen Politischen Polizei (BPP), durch dessen Berichte die Gruppe aufflog. Faltner wurde auf der Reise zu einem Grenzsekretariat der Sopade am 27.4.1935 an der Grenze verhaftet. Er war vom 27.4.1935 bis zum 18.2.1937 im Gefängnis München-Stadelheim inhaftiert, dann bis zum 24.3.1937 in Berliner Gefängnissen (Moabit und Plötzensee). Am 22.12.1936 wurde er gemeinsam mit Josef Michael Feuerer vor dem Volksgerichtshof Berlin angeklagt: Er habe ein hochverräterisches Unternehmen vorbereitet, um mit Gewalt oder Gewaltandrohung die Verfassung des Reichs zu ändern durch Herstellen und Aufrechterhalten eines organisatorischen Zusammenhalts, Beeinflussung der Massen durch Verbreitung von Schriften, Einfuhr von Schriften aus dem Ausland mit dem Zweck, sie im Inland zu verbreiten, durch Verabredung eines Sprengstoffanschlags auf den Münchner Hauptbahnhof und durch Verrat von Staatsgeheimnissen. Ebenfalls mit angeklagt war Franz Weber, der als Gefangener auf dem Transport von München nach Berlin in der Nähe von Halle unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Das Urteil vom 24.3.1937 lautete: Zehn Jahre Zuchthaus abzüglich 22 Monate Untersuchungshaft und zehn Jahre Ehrverlust. Die Haft verbüßte er in Berlin-Plötzensee, Amberg, Kaisheim und Landsberg, wo er am 2.6.1945 entlassen wurde.Nach seiner Befreiung war Faltner in der zweiten Jahreshälfte 1945 wieder für die Deutsche Reichsbahn tätig. Er wurde Chef der Bahnpolizei für Oberbayern. Politischer Werdegang und Funktion in der SPD SPD ab 1928 4 Verfolgung Schutzhaft 6, 7, 8aufgrund einer DenunziationGefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße vom 20.04.1933 bis 24.04.1933Faltner wurde aufgrund der Denunziation eines Betriebszellenleiters von einer SA-Einheit am Arbeitsplatz verhaftet und in Schutzhaft genommen. Er soll im März 1933 gegenüber einem Arbeitskollegen gesagt haben: wir lassen jetzt die Nazis ran, dann kommen wir, und nachher fotzen wir sie so lange, bis sie die Internationale können.Entlassung aus der Schutzhaft mit dem Vermerk, eine strafbare Handlung liege nicht vor.Verhaftung durch die BPP am 27.04.1935 3in Bayrisch Eisenstein vor dem Grenzübertritt in die TschechoslowakeiUntersuchungshaft 5, 7, 8, 9Gefängnis München-Stadelheim vom 27.04.1935 bis 18.02.1937Gefängnis Berlin-Moabit vom 18.02.1937 bis 21.03.1937Zuchthaus Berlin-Plötzensee vom 21.03.1937 bis 24.03.1937ProzessVolksgerichtshof Berlingegen Faltner, Josef Feuerer und Franz WeberAnklage vom 22.12.1936: Vorbereitung eines hochverräterischen UnternehmensFaltner habe vom Frühjahr 1933 bis Ende April 1935 teilweise gemeinschaftlich in München und im Ausland (Eger) Hochverrat vorbereitet, mit Gewalt oder durch Drohung mit Gewalt die Verfassung des Reichs zu ändern durch- Herstellung und Aufrechterhaltung eines organisatorischen Zusammenhalts,- Beeinflussung der Massen durch Verbreitung von Schriften,- Einführung von Schriften aus dem Ausland mit dem Zweck der Verbreitung im Inland.- Verabredung eines Sprengstoffanschlags,- Verrat von Staatsgeheimnissen.Faltner habe schon bald nach der nationalen Erhebung begonnen, den Zusammenhalt unter seinen Reichbanner-Kameraden sowie früheren SPD-Anhängern wiederherzustellen und so allmählich eine größere illegale SPD-Organisation in München zu schaffen. Durch Josef Lampersberger jun. habe er illegales Schriftmaterial aus der Tschechoslowakei bezogen, das er in München vertrieb bzw. an seine Gesinnungsgenossen zur Verbreitung weiterleitete. Ferner habe er Berichte wirtschaftlichen, politischen, rüstungspolitischen Inhalts und militärische Nachrichten, z.T. Staatsgeheimnisse, an Lampersberger nach Eger gesandt. Schließlich hätten beide einen Sprengstoffanschlag auf den Münchner Hauptbahnhof verabredet. [7] Die Aktionen der Gruppe wurden durch den Mitropa-Angestellten Georg Huber an die BPP verraten, für die er als Spitzel tätig war. Lampersberger hatte Huber als Kurier eingesetzt; dieser nahm aktiv an den Widerstandshandlungen teil und hatte Faltners Vertrauen.Urteil vom 24.03.1937: Verbrechen der Vorbereitung eines hochverräterischen UnternehmensStrafmaß: Zuchthaus 10 Jahreabzüglich 22 Monate Untersuchungshaft undEhrverlust 10 JahreStrafhaft 4, 5, 7, 8Zuchthaus Berlin-Plötzensee vom 24.03.1937 bis 20.04.1937Zuchthaus Amberg vom 20.04.1937 bis 11.11.1942Zuchthaus Kaisheim vom 11.11.1942 bis 23.04.1945Gefängnis Landsberg a. Lech vom 23.04.1945 bis 02.06.1945Faltner wurde nicht unmittelbar bei der Befreiung des Gefängnisses Landsberg durch die US-Truppen als politischer Häftling entlassen, sondern auf Weisung eines US-Majors noch einbehalten. Das lag vermutlich daran, dass mehr als 20 ausländische Mithäftlinge sich über ihn beschwert hatten: Als Kapo beim Arbeitseinsatz habe er sie schikaniert und als Zimmerältester bei der Essensverteilung ungerecht behandelt. Am 02.06.1945 wurde er schließlich entlassen.Gesundheitliche Schäden 8 Weitere Daten Schadenskategorie Schaden an FreiheitSchaden an Körper und Gesundheit Quellenverweis 3 - AdsD, Emigration/Sopade 64, Brief von Waldemar von Knoeringen (Michel) vom 21.05.1936, S. 1 AdsD, Emigration/Sopade Archiv der sozialen Demokratie, Emigration/Sopade Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 4 - StAM, JVA Landsberg 13365 StAM, JVA Landsberg Staatsarchiv München, Justizvollzugsanstalt Landsberg Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 5 - StAM, JVA München 9351 StAM, JVA München Staatsarchiv München, Justizvollzugsanstalt München Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 6 - Mehringer, Sozialdemokratie S. 381 ff. Mehringer, Sozialdemokratie Mehringer, Hartmut: Die Bayerische Sozialdemokratie bis zum Ende des NS-Regimes. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand. In: Broszat, Martin/Mehringer, Hartmut (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Bd. 5. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand. München/Wien 1983, S. 287 ? 432 Quellenart:SammelwerkeStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 7 - Bretschneider, Widerstand S. 97 ff. Bretschneider, Widerstand Bretschneider, Heike: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München 1933-1945. Miscellanea Bavarica Monacensia Bd. 4. München 1968 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 8 - BLFA LEA, EG 646 BLFA LEA Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 8 - BLFA LEA, EG 646 BLFA LEA, EG Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt, Entschädigungsgesetz Quellenart:ArchivalienStatus:Unveröffentlichte Quellen 9 - Zarusky/Mehringer, Widerstand Fiche 0082 f. Mehringer, Widerstand Mehringer, Hartmut: Widerstand und Emigration. Das NS-Regime und seine Gegner. München 1997 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 9 - Zarusky/Mehringer, Widerstand Fiche 0082 f. Zarusky/Mehringer, Widerstand Zarusky, Jürgen/Mehringer, Hartmut: Widerstand als "Hochverrat" 1933 - 1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht. Mikrofiche-Edition und Erschließungsband. München 1994, 1998 Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur 10 - Münchner Stadtadreßbuch 1935 Münchner Stadtadreßbuch Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff. Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und LiteraturAnmerkungen:in Monacensia, Theresienstr. 23 1 - Weißbuch S. 21 Weißbuch Weißbuch der deutschen Opposition. Gegen die Hitlerdiktatur. o.O. o.J. Quellenart:Bücher und BroschürenStatus:Veröffentlichte Quellen und Literatur