Eberhard, Karl

Mitglied von SPD und Reichsbanner, Betriebsrat im Münchener Arbeitsamt. Verlust des Arbeitsplatzes aus politischen Gründen 1933. Schutzhaft 1933.

 

Der gelernte Gärtner Karl Eberhard war ab 1922 Angestellter beim Arbeitsamt München. 1919 trat er in die SPD ein, von 1926 an war er Mitglied des Reichsbanners.

Am 11. März 1933, zwei Tage nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Bayern, wurde er zusammen mit anderen Reichsbanner-Mitgliedern im Münchener Arbeitsamt bei einer gemeinsamen Aktion von SA und Polizei verhaftet und im Gefängnis München-Stadelheim vom 11. – 14.3.1933 in Schutzhaft gehalten. Vor seiner Entlassung musste er eine schriftliche Erklärung abgeben, dass er auf eigenen Wunsch aus der Schutzhaft entlassen worden sei, weil er glaube, in der Lage zu sein, sich selbst schützen zu können. Er wisse, dass er zu seinem persönlichen Schutz in Schutzhaft gewesen sei und jederzeit dorthin zurückkehren dürfe, wenn er glaube, sich nicht mehr selbst schützen zu können.

1945 wurde er beim Arbeitsamt München wieder eingestellt. Über die Verhaftungsaktion verfasste er im Dezember 1946 im Auftrag des Betriebsrates des Arbeitsamtes für Spruchkammerverfahren die Denkschrift "Der Kampf ums Arbeitsamt".

Politischer Werdegang und Funktion in der SPD

SPD ab 1919 7, 10

Verfolgung

Verhaftung am 11.03.1933 3, 6, 12
Verhaftungsaktion der SA im Münchner Arbeitsamt
Schutzhaft 4, 6, 9, 10
Gefängnis der Polizeidirektion München, Ettstraße am 11.03.1933
Gefängnis München-Stadelheim vom 11.03.1933 bis 14.03.1933
Er wurde wegen eines schweren Nervenzusammenbruchs seiner Ehefrau aus dem Gefängnis entlassen. Zuvor musste er eine vorgefertigte schriftliche Erklärung unterschreiben: "Ich bin auf eigenen Wunsch aus der Schutzhaft entlassen worden, weil ich glaube, in der Lage zu sein, mich selbst schützen zu können. Ich weiß, daß ich zu meinem persönlichen Schutz in Schutzhaft war. Mir wurde erklärt, daß ich freiwillig in Schutzhaft zurückkehren darf, wenn ich glaube, mich selbst nicht mehr schützen zu können." [10]
Entlassung aus politischen Gründen nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (GWB) am 30.06.1933 11
Aus dem Politischen Personalakt von Eberhard:„Kündigung E. musste aus politischen Gründen erfolgen:Eberhard hat seine Dienststellung im Arbeitsamt München dazu benützt um für seine marxistischen Ideen zu agitieren. In seinem Dienstzimmer verwahrte Eberhard reichliches Propagandamaterial sozialistischer Organisationen. Aus Eberhard wird niemals ein Mitarbeiter an der heutigen Staatsform werden. Das Belassen Eberhards in einer Behörde kann daher nicht verantwortet werden.Eberhard wurde am 11.3.33 in Schutzhaft genommen.“ [10]
Arbeitslosigkeit aus politischen Gründen vom 01.07.1933 bis 09.07.1935 10

Weitere Daten

Schadenskategorie

  • Schaden an Freiheit
  • Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen

Quellenverweis

1 - Münchner Stadtadreßbuch 1934

Münchner Stadtadreßbuch

Münchner Stadtadreßbuch. Adreßbuch der Landeshauptstadt München Bd. 83 ff. München 1933 ff.

Anmerkungen:
in Monacensia, Theresienstr. 23
3 - MB/VB v. 13.03.1933

MB/VB

Münchener Beobachter (Lokalbeilage des Völkischen Beobachters)

4 - StAM, JVA München 904

StAM, JVA München

Staatsarchiv München, Justizvollzugsanstalt München

5 - BayHStA, LEA Adolf Donaubauer 9337

BayHStA, LEA

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt

6 - StAM, PolDir 8563

StAM, PolDir

Staatsarchiv München, Polizeidirektion

7 - StAM, SpKA 1297 Alois Nicklas, Bl. 3; Bl. 12/23

StAM, SpKA

Staatsarchiv München, Spruchkammerakten

8 - StAM, Arbeitsämter 1027

StAM, Arbeitsämter

Staatsarchiv München, Arbeitsämter

9 - BLFA LEA, BEG Anton Fischer 71433

BLFA LEA

Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt

9 - BLFA LEA, BEG Anton Fischer 71433

BLFA LEA, BEG

Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt, Bundesentschädigungsgesetz

10 - BayHStA, LEA 9679

BayHStA, LEA

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Landesentschädigungsamt

11 - StAM, SpKA 338 Karl Eggers, Bl. 12/23

StAM, SpKA

Staatsarchiv München, Spruchkammerakten

12 - StAM, SpKA K 551, Greb, Alfred VB Nr. 72, 13.03.1933

StAM, SpKA

Staatsarchiv München, Spruchkammerakten

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