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Archiv der sozialen Demokratie

 

12.02.2021

Solidarität als Lebensaufgabe. Wir trauern um Udo Achten (1943–2021)

„Haltung“ zeigen gegen Angriffe auf die Demokratie und Solidarität leben, auch in Krisenzeiten. Wir trauern um den Gewerkschafter, Autor, Aktivisten und Sammler Udo Achten.

„Wer kämpft, kann verlieren – Trotzdem!“ unter diesem Titel gab der Gewerkschafter, Autor, Aktivist und Sammler Udo Achten jüngst (2020) unter dem Dach des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung den Geschäftsbericht des Deutschen Werkmeister-Verbandes von 1931 heraus. Den besonderen Wert der Quelle für die historisch-politische Bildung erkannte er in der hier dokumentierten festen Überzeugung der freigewerkschaftlichen Werkmeister, dass die Demokratie und verfassungsmäßige Ordnung der Weimarer Republik ein geeigneter und richtiger Weg sei, Krisen zu überwinden. Damit machte er ein letztes Angebot an die historisch-politische und gewerkschaftliche Bildungsarbeit für nachwachsende Generationen. Seine Botschaft war „Haltung“ zeigen gegen Angriffe auf die Demokratie und „Solidarität leben“, auch in Krisenzeiten. Dieses Motiv findet sich auch in vielen Stationen seines eigenen Lebens und Wirkens wieder.

Udo Achten wurde 1943 in Masserberg/Thüringen geboren, musste sich bereits mit 14 Jahren als Hilfsarbeiter verdingen und erlernte 1959 den Beruf des Papiermachers. In dieser Zeit trat er in die Gewerkschaft ein und engagierte sich hier bereits als (Gesamt)Jugendvertreter. Qualifiziert durch den in dieser Zeit holprigen zweiten Bildungsweg, nahm er 1966 an der Fachschule für Sozialarbeit und Arbeiterwohlfahrt in Düsseldorf ein Studium auf, engagierte sich als Studierendenvertreter und wurde Vorsitzender der SDS-Gruppe Düsseldorf. 1970 wechselte Udo Achten an die Universität Marburg und verließ diese 1974 mit einem Abschluss als Diplompädagoge. Schon während seines Studiums und auch im Anschluss arbeitete er als Lehrer an den IG-Metall Schulen Lohr und Schliersee und am IG-Metall Bildungszentrum Sprockhövel. Später war er ebenfalls als Dozent an der Fachhochschule für Sozialarbeit in Düsseldorf tätig. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst als gewerkschaftlicher Bildungsreferent im Jahr 1988, setzte er sein Engagement für die gewerkschaftliche Erinnerungskultur und Geschichtsvermittlung als Autor, Herausgeber, Ausstellungskurator, Sammler und Kulturschaffender unbeirrt fort. Sein Lebenswerk spiegelt sich in über 40 Publikationen zu gewerkschaftlichen, arbeitsrechtlichen, historischen und kulturellen Themen wider, darunter finden sich beachtenswerte Quelleneditionen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, wie „An alle Lesen! Weitergeben!. Flugblätter der Arbeiterbewegung 1848 bis 1933“, aber auch Humoriges, wie „Lachen links. Das republikanische Witzblatt 1924 bis 1927“.

Nicht zuletzt durch seine Sammelleidenschaft für historische Plakate und Flugblätter hielt Udo Achten einen intensiven Kontakt zum AdsD. Vielfach überließ er überzählige Objekte aus seiner Sammlung unserem Archiv und bereicherte somit unseren Bestand. Gerne erinnern wir uns auch an die intensiven und fruchtbaren Fachgespräche über die sozialdemokratische und gewerkschaftliche Öffentlichkeitsarbeit und die gemeinsamen erfolgreichen Ausstellungs- und Buchprojekte.

Udo Achten verband in seiner Arbeit und seinem Engagement die großen Themen der Gewerkschaften oft auch mit kreativen und kulturellen Ausdrucksformen. So war er bei einigen Plakaten an der Textkonzeption und der Gestaltung selbst beteiligt. Die politischen und gesellschaftlichen Forderungen der Gewerkschaften fest im Blick, brachte er gerne in Plakaten Bildzitate oder Kunstwerke namhafter Künstler_innen zur Geltung, wie zum Beispiel das Plakat der IG-Metall „35 Stunden - Damit wir heute und morgen Arbeit haben“ von 1983, in dem er auf ein Werk von Gertrude Degenhardt (1979) zurückgriff. Auch ließ er sich von den Mai-Festzeitungen der Sozialdemokratie aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts inspirieren, wie bei dem Ausstellungsplakat „Der eigene Feiertag. Die Geschichte des 1. Mai“ der Ruhrfestspiele 1979, bei dem er ein Werk von Ilse Schütze-Schur (1907) in veränderter Form einband.

 

Mit Udo Achten haben wir nicht nur einen wichtigen Gesprächspartner in Fragen der politischen und gewerkschaftlichen Bildung verloren, sondern einen besonderen Freund des Archivs der sozialen Demokratie, dessen Engagement uns über 30 Jahre in der eigenen Arbeit begleitete.

Unser Mitgefühl in diesen Tagen gilt seiner Familie.


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