16.11.2020

Wie kriegen wir digitales Lernen und Lehren in die Schulen? – Zehn Learnings aus vier Jahren digitale Fortbildungen in Berlin

Antonia Kapretz hat im Rahmen öffentlich geförderter Projekte zur Förderung von digitalen Anwendungen und Projekten zahlreiche Fortbildungen für Lehkräfte und Erzieher_innen durchgeführt. Für die Friedrich Ebert Stiftung fasst sie zusammen, wie endlich Bewegung in die Medienanwendungen für Schulen kommt.

Bild: Antonia Kapretz von Caro Hoene

 

Von Antonia Kapretz

 

Antonia Kapretz hat im Rahmen öffentlich geförderter Projekte zur Förderung von digitalen Anwendungen und Projekten in Schule und Kita in den letzten Jahren vier Konferenzen, 24 themenbezogene Kurzfortbildungen, sechs Online-Mediensprechstunden und eine zweitägige Online-SCHILF für Lehrkräfte sowie 17 Tablet-Schulungen für Kita-Erzieher_innen durchgeführt. Für die Friedrich Ebert Stiftung fasst sie zusammen, wie endlich Bewegung in die Medienanwendungen für Schulen kommt:

  1. Fehler machen: Als allererstes wünsche ich mir - und das ist aus meiner Sicht unerlässlich - dass wir uns alle erlauben, etwas dazuzulernen. Und damit meine ich tatsächlich „wir alle“. Politik, Verwaltung, Behörden, Schuldirektor_innen, Lehrkräfte, Eltern und auch Schülerinnen und Schüler – wir alle müssen beim digitalen Lernen und Lehren dazulernen und das bedeutet auch: Fehler machen dürfen. Denn wer keine Fehler machen darf, der kann keine Dinge ausprobieren und wer nichts ausprobiert, der kann auch nichts Neues lernen. Und das ist besonders bei digitalen Anwendungen der Fall, denn ein Computerprogramm muss erlernt werden und das kann nur über das Ausprobieren funktionieren.
     
  2. Zuhören: Schule funktioniert oft noch als hierarchisches Konstrukt, wo oben entschieden wird, was unten gemacht wird. Einen echten Umschwung bekommen wir aber nur hin, wenn wir uns gegenseitig zuhören, so von Erfahrungen anderer profitieren und dann gemeinsam Lösungswege erarbeiten, die die tatsächliche Arbeitsrealität von Lehrkräften miteinbeziehen.
     
  3. Zusammenarbeiten: Alle, die aus der Öffentlichen Hand bezahlt werden, haben ein Kooperationsgebot. Ihre Aufgabe ist es, vorhandene Strukturen aufzugreifen und sie zielführend zu Synergien mit freien Trägerschaften zu verquicken. Es kann nicht sein, dass anhaltend Parallelstrukturen geschaffen werden, die Schulen mit ihren Angeboten überfordern.
     
  4. Sich selbst ernst nehmen: Lehrkräfte müssen anfangen, sich selber als Spezialist_innen für ihr eigenes Problem zu erkennen. Nur sie können sinnhafte Angebote in ihren Unterricht einbauen. Dafür müssen sie sich einen Überblick verschaffen, um dann informierte Entscheidungen über den Einsatz von digitalen Medien treffen zu können.

    Und jetzt ein kurzer Ausflug zu den Fortbildungen selbst:
     
  5. Mach's modern: Auch Lehrkräfte benutzen digitale Medien, Smartphones und Apps in ihrer Freizeit. Wer ihnen dazu etwas beibringen will, sollte selber auch modern kommunizieren und zeitgemäße Angebote vorstellen – das kommt an!
     
  6. Themenvielfalt: Digitales Lernen in der Schule bedeutet nicht, dass jede Lehrkraft plötzlich Coden lernen muss. Ein Blog-Konzept für den Deutschunterricht oder ein Smartphone-Spektrometer in Physik – auch das sind digitale Anwendungen. Wichtig ist, dass im Rahmen von Fortbildungen die Bandbreite digitaler Themen aufgezeigt wird und auch Teilnehmer_innen einen kurzen Einblick in Kurse erhalten, die sie nicht besucht haben.
     
  7. SCHILFs durchführen: Schulinterne Fortbildungen (SCHILFs) sind notwendig – wenn auch nicht ganz einfach. Um ein Kollegium in die Lage zu versetzen, digitale Konzepte an der eigenen Einrichtung tatsächlich umsetzen zu können, müssen sich alle auf einen Wissensstand befinden. Und das geht letztendlich nur, wenn alle Informationen allen Beteiligten gleichzeitig zur Verfügung stehen. Die große Herausforderung besteht hierbei, proaktive Zusammenarbeit zwischen „wissenden“ und „unwissenden“ Kolleg_innen anzuregen.
     
  8. Vernetzung: Schulen, die intern einen gemeinsamen Kenntnisstand erarbeitet haben, können sich dann fachspezifisch in interschulischen Fortbildungen organisieren. So wird ein Austausch zu Methoden und Anwendungen zwischen den Einrichtungen angeregt.
     
  9. Was es bringt: Digitale Anwendungen stellen einen aktuellen Bezug zwischen Lebensrealität und Schule her – nicht nur für Schüler_innen. So können beispielsweise organisatorische Abläufe für Lehrkräfte deutlich vereinfacht werden und Lehrer_innen erhalten die Möglichkeit, gruppenbasiertes Lernen anzuleiten – beides entlastet die Lehrkräfte!
     
  10.  Damit dies alles gelingen kann, brauchen Lehrkräfte ein festes prüfbares Stundenbudget für Fortbildungen.
     

 

Das Projekt Digitales Lernen Berlin wird bis Dezember 2020 vom Bezirksamt Berlin-Mitte, Fachbereich Kunst, Kultur und Geschichte gefördert. Arbeitsergebnisse und Inhalte des Projektes finden Sie unter www.digitales-lernen.berlin oder kontaktieren Sie Antonia Kapretz direkt: a.kapretz(at)digitales-lernen.berlin

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