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01.11.2018

Stille Diplomatie im Südsudan

In einer der umkämpftesten Regionen des Südsudan bringen Dialogprojekte verfeindete bewaffnete Gruppen zusammen - mit beeindruckenden Ergebnissen.

Seit 2017 unterstützt das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung im Südsudan gemeinsam mit Partnern vor Ort lokale Friedensinitiativen. Der Krieg im Südsudan hat seit Ausbruch 2013 fast 400.000 Menschenleben gekostet. Mehr als 40 bewaffnete Gruppen kämpfen teilweise für nationale Ziele, wie die Beteiligung an der Regierung in Juba, und teilweise für lokale Ziele, manchmal zum Schutz von Ackerflächen von bewaffneten Viehhaltern. Betroffen von diesen Kämpfen sind besonders die zivile Bevölkerung. Mehr als eine Millionen Menschen sind vor dem Krieg in die Nachbarländer geflohen.

Einen Schwerpunkt der Kampfhandlungen bildet seit 2016 die südliche Region Equatoria. Hier kämpft eine hochgerüstete Regierungsarmee und mit ihr verbundene Milizen gegen verschiedene bewaffnete Oppositionsgruppen. In dieser umkämpften Region unterstützt die FES im Rahmen von Dialogprojekten eine Vertrauensbildung zwischen verfeindeten Gruppen und der Zivilbevölkerung. Hierdurch werden ganz konkrete Absprachen zwischen verfeindeten Gruppen ermöglicht – wie, wann und wo beispielsweise humanitäre Hilfe durch internationale Organisationen geleistet werden kann. Andererseits geht es in diesem Zusammenhang um die grundsätzlichere gemeinsame Diskussion der Konfliktursachen und um Lösungsmöglichkeiten. Dabei stehen dann Fragen nach den Bedingungen der Umsetzung von vereinbarten aber immer wieder verletzten Waffenstillständen, der Bedeutung nationaler Friedensprozesse und deren lokale Umsetzung, aber auch Fragen nach der Aufarbeitung von Kriegstrauma und unter welchen Bedingungen Flüchtlinge z.B. aus dem benachbarten Uganda zurückkehren können im Mittelpunkt. Entscheidend für die erfolgreiche Zusammenarbeit sind Partner vor Ort, die Vertrauen auf verschiedenen Seiten genießen, um verfeindete Gruppen an einen Tisch zu bekommen.

Neben der Unterstützung der Dialogforen bemüht sich die FES Südsudan, die gewonnenen Erfahrungen im Zusammenhang mit lokalen Friedensprozessen zu nutzen, um konkrete Kriterien und Vorschläge für verbesserte Friedensprozesse im Südsudan zu entwickeln. Hierzu wurde Anfang 2017 eine Expert_innengruppe gegründet, die konkrete Beratungsarbeit leistet, u.a. bei den Friedensverhandlungen auf nationaler und regionaler Ebene bei der Afrikanischen Union (AU). Hieran sind auch Partner der FES aus Equatoria beteiligt. So wird Vertrauensbildung auf lokaler Ebene auch zur Beratung der höchsten Diplomatie genutzt.  

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