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Dienstag, 04.05.21 18:00 bis Dienstag, 04.05.21 20:00 - +++ ONLINE +++

Klimawandel und Kulturpolitik: Wie nachhaltig ist der Kulturbetrieb?


Terminexport im ICS-Format

Sind internationale Biennalen, Blockbuster-Ausstellungen und unsere Infrastrukturpolitik noch zeitgemäß – oder muss auch in der Kultur künftig weniger mehr sein?

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Veranstaltungsbericht
 

Ist der Klimawandel ein Thema für Kulturpolitik? Sind internationale Biennalen, Blockbuster-Ausstellungen und unsere Kulturinfrastrukturpolitik noch zeitgemäß? Oder muss in der Kultur künftig weniger mehr sein? Diese Fragen diskutierte der kulturpolitischer reporter Peter Grabowski als Moderator im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur als Motor für gesellschaftlichen Fortschritt?!“ mit der Kabarettistin Anny Hartmann, der Dezernentin für Kultur und Sport der Stadt Bonn, Dr. Birgit Schneider-Bönninger und Dr. Norbert Sievers, dem ehemaligen Leiter des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft. Denn während die Debatte um Energiegewinnung, Verkehr und Konsum längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, birgt sich möglicherweise ein neuer Zielkonflikt zwischen „Kultur für alle“ und einer klimagerechten Reduktion von Kulturangeboten. Doch was kann Kultur für den Klimawandel tun? Welche Herausforderungen und Chancen könnten sich aus einer klimafreundlichen Umstrukturierung der Kulturbranche für diese ergeben?

„Das Verdrängen der Fragen bringt keine Lösung“, erklärte Petra Wilke, Leiterin des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn in ihrer Einführung. Obgleich die Kulturbranche durch die Corona-Pandemie bereits sehr stark gebeutelt ist, sei die Debatte um aufwendige Ausstellungsgestaltungen, Installationen und der heutigen Kulturinfrastrukturpolitik unausweichlich. Dem schloss sich auch die Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Svenja Schulze, an. Sie verwies in einer Videobotschaft darauf, dass Corona ein weltweites Problem, aber nicht das einzige sei, dass es zu lösen gilt. Der Klimawandel mache keine Pause und der Kampf gegen diesen müsse verstärkt werden. Dabei gehe es nicht um Verbote, sondern um umweltfreundliche Alternativen, die bezahlbar seien. Die Kulturbranche müsse hier ihren eigenen Weg finden. Ziel sei nicht der Verzicht oder die Verringerung des Angebots, so Schulze, sondern die Schaffung nachhaltiger Konzepte, die dem Klimaschutz gerecht würden.

Ein konkretes Zukunftsbild mit Blick auf den Kulturbetrieb zeichnete Dr. Norbert Sievers in seinem Impulsvortrag. Klimagerechte Managementkonzepte wie eine höhere Energieeffizienz in Gebäuden, Produktion und Kulturbetrieb sowie die Thematisierung des Klimawandels in Kulturprogrammen seien ebenso denkbare Beiträge für den Klimaschutz wie beispielsweise die Ausbildung von umweltkompetentem Personal. Ein Wandel sei jedoch laut Sievers nicht ohne Verzicht hinzubekommen. So griff er den Begriff der reduktiven Kulturpolitik in seinem Impulsvortrag auf und betonte, dieser Aspekt müsse mindestens in Erwägung gezogen werden. Kulturpolitik müsse sich grundlegend verändern. Dies beinhalte auch die Auseinandersetzung der Kulturbranche mit Sesshaftigkeit statt Internationalität und Umbau statt Neubau. Ein schmerzhafter Prozess, aus dem heraus jedoch auch neues entstehe. 

Zu mehr Verzicht möchte die Kölner Kabarettistin Anny Hartmann ihr Publikum in ihrem baldigen Programm „Klimaballerina“ „im Kleinen“ anregen: Weniger Einweggeschirr, weniger Kapselkaffe, mehr Bahnfahren. Kulturschaffende wie sie hätten viele Möglichkeiten Aufmerksamkeit für den Klimawandel zu schaffen, berichtete Hartmann. Bei ihrem Publikum spüre sie bereits Bewegung. 

„Die Reflektionsrakete starten“ wird auch Dr. Birgit Schneider-Bönninger, Dezernentin für Sport und Kultur der Stadt Bonn, wie sie selbst erklärte. Sie verspüre in der Kulturbranche enormes Potential, klimafreundliche Denkweisen und einen Bewusstseinswandel anzuregen. Kultur habe die Fähigkeit Blickrichtungen und Perspektiven mithilfe verschiedenster abstrakter Werkzeuge zu ändern „ohne dabei die Lehrmeisterkeule zu schwingen.“ Schneider-Bönninger forderte die Kulturbranche daher auf, multidimensional zu denken, das Thema Nachhaltigkeit als roten Faden zu sehen, es auf die abstrakte Ebene herunterzubrechen und das Publikum mit ihrem Aktionismus mitzureißen. In ihrer Arbeit als Dezernentin sei sie selbst gerade dabei „die ganze Stadt als Kunstwerk zu erobern“.

Ein Hallenbad inklusive Kunstgalerie beispielsweise – könnte so die Zukunft der Kulturbranche aussehen? Für Dr. Norbert Sievers blieb die Frage, wie schnell der Motor Kultur gesellschaftlichen Wandel antreibe, weiter offen. Dies gelte es zu ergründen. Dafür müsse auch eine neue Fortschrittserzählung der Kulturpolitik her: Was ist die zukünftige Aufgabe von Kultur? Was kann und soll erreicht werden? Wichtig sei aber allen voran, dass mehr Tempo gemacht werde, um den kulturpolitischen Diskurs in den Kommunen voranzutreiben. 

Auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Festivals, Kinos und Filmproduktionen gäbe es einige - aber eine klimaneutrale Oper oder ein Stadttheater kenne er nicht, reflektierte Moderator Grabowski. Dabei sei die Vergabe von Fördermitteln von Land und Bund oftmals an klimafreundliche Standards und Programme geknüpft. Positiv einerseits, da sich etwas in Richtung Klimaschutz tue, so Grabowski. Doch was, wenn die Förderrichtlinien dafür sorgen, dass Kunstfreiheit eingeschränkt würde, fragte der Moderator in der Abschlussrunde. Diesbezüglich herrschte Einigkeit unter den drei Diskutant_innen: Der Kulturbetrieb würde von bestimmten klimagerechten Standards profitieren. Klimaneutrale Vorgaben beispielsweise beim Neu- oder Umbau von Kulturgebäuden seien „sinnvoll, gut und sollten so schnell wie möglich kommen“, so Hartmann. Dr. Birgit Schneider-Bönninger unterstrich, in allen Kulturbetrieben gäbe es einen Bedarf und ein Bedürfnis nach einer Gebrauchsanweisung, wie Klimaneutralität erreicht werden kann. Der Wille zu mehr Klimaschutz sei also vorhanden.

Dr. Fritz Behrens, Staatsminister a.D. und Präsident der Kunststiftung NRW bedankte sich in einem Schlusswort für die erfrischenden Beiträge der Diskutant*innen. Deren Mut und Begeisterung möchte er aufnehmen und hofft diese weitertragen zu können in die nächsten Veranstaltungen der Kulturreihe der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 

Text: Sonja D’Agostino
Redaktion: Landesbüro NRW

Trailer: Klimawandel und Kulturpolitik: Wie nachhaltig ist der Kulturbetrieb? 04. Mai 2021

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