08.08.2017

Kleines Land, große Ambitionen - die FES in Uruguay stellt sich vor

Bild: Foto des FES-Teams in Uruguay von © FES Uruguay, Reinaldo Altamirano

„Ich weiß wirklich nicht warum, ich denke oft an Uruguay“ singt der deutsch-niederländische Liedermacher Funny van Dannen in seinem Lied "Uruguay". Dabei lassen sich problemlos gute Gründe liefern, warum sich ein Blick auf das kleine Land zwischen Argentinien und Brasilien lohnt – und das dortige FES-Büro ein sehr gefragtes ist.

Die Bedingungen für die Arbeit einer sozialdemokratischen Stiftung könnten kaum besser sein. Da wären zum einen zwei starke Partner. Erstens das Parteienbündnis Frente Amplio, hinter dem sich seit mehr als vier Jahrzehnten das gesamte politische Spektrum links der Mitte sammelt und das seit 12 Jahren erfolgreich regiert. Zweitens Gewerkschaften, die seit jeher in einem einzigen Dachverband (PIT-CNT) vereint und auch dank der gewerkschaftsfreundlichen Regierungspolitik stärkster sozialer Akteur des Landes sind, mit einem Organisationsgrad von über 40 Prozent.

Hinzu kommen zum anderen eine gefestigte Demokratie und eine konsensorientierte politische Kultur. Die FES, seit 1984 in Uruguay aktiv, hat sich in den mehr als drei Jahrzehnten nach Ende der Diktatur ein großes Vertrauen vor Ort erarbeitet, in dem sie die Rückkehr zur Demokratie und die Stärkung des gesamten progressiven Spektrums unterstützte.

Heute nutzt die FES diese guten Zugänge, um reform-orientierte Akteure an einen Tisch zu bringen. In der Vergangenheit betraf dies vor allem die umfassende Reform der Arbeits- und Sozialgesetzgebung, heute sind es beispielsweise die Reformen der Drogen- und Medienpolitik oder zur sozialen Inklusion. In dem Maße, in dem die Zahl progressiv regierter Länder in der Region abnimmt, wächst die Nachfrage nach den Erfahrungen Uruguays in diesen Politikfeldern. Gleichzeitig steigt die Bedeutung, die Uruguay als Partner Europas und auch der deutschen Sozialdemokratie innehat.

Die FES nutzt ihre Zugänge zunehmend auch, um die politische Debatte auf das zu lenken, was im politischen Tagesgeschäft oft zu kurz kommt: Kritische Reflexion, langfristige Strategien und programmatische Debatten, besonders auch mit denen, die in Uruguay politisch unterrepräsentiert sind: junge Menschen und Frauen. Es geht schließlich darum, das progressive Projekt in Uruguay beständig zu erneuern, inhaltlich wie personell, und dafür auch mit neuen Formaten zu experimentieren.

In alledem sucht und fördert die FES Uruguay stets regionale und globale Bezüge und nutzt das weltweite Netz der FES. Denn der Blick über die Grenzen ist für das kleine Land am Rio de la Plata essenziell. So arbeitet das FES Büro mit den in Montevideo ansässigen MERCOSUR-Institutionen, insbesondere dem Parlament und dessen progressiver Fraktion, zusammen und fördert generell Debatten über internationale Politik.

So ist es auch kein Zufall, dass das Team in Uruguay das regionale Gewerkschaftsprojekt der FES für Lateinamerika und die Karibik koordiniert. Hauptpartner ist die IGB-Regionalorganisation Confederacion Sindical de las/los Trabajadoras/es de las Américas (CSA), die knapp 60 gewerkschaftliche Dachverbände aus 27 Ländern und damit rund 50 Millionen Gewerkschafter_innen von Alaska bis Feuerland vertritt.

Die FES unterstützt die CSA dabei, gemeinsam mit den nationalen Gewerkschaftsverbänden Positionen zu den wirtschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen des Kontinents zu entwickeln. So wurden mit der Plataforma de Desarrollo de las Americas Leitlinien für ein alternatives, nachhaltigeres Entwicklungsmodell formuliert. Die CSA positioniert sich mit Unterstützung der FES auch zu Klimapolitik, der Care-Ökonomie, dem Gender Pay Gap sowie der regionalen Integration und Handelspolitik.

Die FES bietet den verschiedenen regionalen Gewerkschaftsakteuren – der CSA, den subregionalen Koordinationsinstanzen und den regionalen Strukturen der Global Union Federations – Raum für den Erfahrungsaustausch und die Entwicklung gemeinsamer Strategien gegenüber transnationalen Unternehmen, die als machtvolle Akteure die Arbeitsbeziehungen grundlegend beeinflussen. Sie hilft, die lateinamerikanischen Gewerkschaften noch stärker in den überregionalen Dialog zu globalen Herausforderungen einzubinden, sei es bei den Weltklimagipfeln, den jährlichen Konferenzen der International Labour Organization (ILO) oder den Verhandlungen eines Assoziierungsabkommens zwischen der EU und dem MERCOSUR. Man sieht: Genug Gründe, öfters an (die FES in) Uruguay zu denken!

Mehr zur Arbeit der FES in Uruguay finden Sie auf den Websites des Büros Uruguay und der regionalen Gewerkschaftsarbeit regionalen Gewerkschaftsarbeit sowie auf der facebook-Seite der FES Uruguay (jeweils auf Spanisch).

Länder / Regionen: Lateinamerika/Karibik | Uruguay

Arbeitseinheit: Stimmen aus Lateinamerika und der Karibik

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