20.10.2016

Jung, politisch, engagiert?

Eine repräsentative Studie über Formen politischen Engagements junger Menschen.

Wie politisch ist die heutige Jugend wirklich? Stimmt es, dass die Gruppe der 14- bis 29-Jährigen eine besonders politische Generation ist, wie die Shell-Studie 2015 titelte? Danach befände sich die deutsche Jugend in einem Aufbruch, denn deutlich mehr Jugendliche als bisher seien wieder „politisch“. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat gefragt, was wirklich dahinter steckt. Äußert sich das gestiegene Interesse am politischen Geschehen auch in einer wachsenden politisch-gesellschaftlichen Beteiligung Jugendlicher?

2.075 repräsentativ ausgewählte Jugendliche im Alter von 14 bis 29 Jahren wurden durch das Infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft in einer Online-Befragung zu ihrem politisch-gesellschaftlichen Engagement befragt. Eine Besonderheit des Forschungsdesigns bestand darin, dass 20 Personen, die sich durch ein besonders hohes Maß an politischer Teilhabe auszeichneten, in vertiefenden, persönlich-mündlichen Interviews zu den Motiven für ihr Engagement befragt wurde.

Die Studie zeigt, dass das Ausmaß politisch-gesellschaftlicher Teilhabe signifikant von den Faktoren  Geschlecht, Bildung, Alter und Wertorientierungen abhängt. Deutlich mehr Jungen (56 %) als Mädchen (44 %) beteiligen sich politisch-gesellschaftlich. Im Hinblick auf ein Engagement in einem konventionelleren Sinne sind die Geschlechterunterschiede noch deutlicher: Unter den politisch engagierten Jugendlichen finden sich nur 28 % Mädchen.

Außerdem ist die Chance bei Jugendlichen mit einer niedrigeren Bildung für eine politisch-gesellschaftliche Teilhabe um 38 % niedriger als bei Jugendlichen mit einer höheren Bildung.  Je älter und je stärker Wertorientierungen wie Verantwortungsbereitschaft und kritisches Bewusstsein ausgeprägt, desto wahrscheinlicher ist ein politisches Engagement.   

Es besteht zwar generell politisches Interesse – die Bereitschaft, sich zu engagieren, ist jedoch wesentlich seltener zu beobachten. Aktivitäten mit unverbindlichem, flexiblem und individuellem Charakter werden eindeutig bevorzugt. Zwar könnten sich 45 % der Befragten vorstellen, an einem politischen Projekt mitzuarbeiten, tatsächlich getan haben dies jedoch nur 27 %. Nur noch wenige Jugendliche können sich vorstellen, ein politisches Amt zu übernehmen (29%) oder aktiv in einer Gewerkschaft mitzuarbeiten (38 %). 

Wenn es um die Mitgliedschaft in einer politischen Partei geht, sind es sogar nur noch 3 % der Befragten, die sich in dieser Form engagieren. Nur 3 % der Befragten äußerten „großes oder sehr großes Vertrauen“ zu politischen Parteien. Weitere genannte Gründe für die Weigerung, sich parteipolitisch zu engagieren, sind Unlust und Unwissenheit darüber, wie sie sich in Parteien einbringen können. 

Stimmt es also, dass politischen Parteien ihr Nachwuchs abhandenkommt? Die befragten Jugendlichen gaben an, sich am ehesten für Parteien zu interessieren, wenn es möglich wäre, dort mitzuarbeiten, ohne direkt Mitglied zu werden. Zudem würden politische Parteien für Jugendliche durch eine breitere Ausrichtung zur Basisdemokratie, sowie klare programmatische Aussagen attraktiver werden.

Nach der Veröffentlichung erster Studien-Ergebnisse im Frühjahr diesen Jahres liegt nun ein im Dietz-Verlag erschienener Sammelband vor, der einen tieferen Einblick in das politische Engagement Jugendlicher bietet und versucht, eine inhaltliche Diskussion über die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen eines veränderten politischen Partizipationsverhaltens anzustoßen.

Verantwortlich: Dr. Stefanie Hanke


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