Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

23.08.2018

Zeitungen der Französischen Revolution von 1848

Wer sich für Revolutionsgeschichte und beispielsweise den "Völkerfrühling" interessiert, findet viele interessante Schriften in unserer Bibliothek. Ein besonderer Bestand ist dabei die Sammlung von Primärquellen, insbesondere Zeitungen und Zeitschriften, zur Revolution in Frankreich im Jahr 1848, von denen einige Beispiele in diesem Beitrag vorgestellt werden.

Bild: von FES-Bibliothek

Die Revolution
1848 ist nicht nur das Jahr, in dem Karl Marx und Friedrich Engels das kommunistische Manifest veröffentlicht haben, es ist auch das Jahr der Revolutionen in Mitteleuropa. In Frankreich begannen die Erhebungen im Februar 1848 und zogen sich bis zur Konstituierung der zweiten Republik unter Louis Napoleon Bonaparte Ende 1848 hin. Vorangegangen war eine Agrar- und Handelskrise im Jahre 1847, die in der Landbevölkerung und der Arbeiter- und Handwerkerschaft zu Verarmung und Unzufriedenheit geführt hatte. Auch das liberale Bürgertum war von der Regierung unter dem Bürgerkönig Louis Philippe, der seit der Julirevolution 1830 regierte, enttäuscht, zeigte sich der König doch immer mehr als autoritärer Herrscher.

Zu dieser Zeit gab es im liberalen Bürgertum eine Menge von Geheimclubs, die sich dem Gedanken von politischer Mitverantwortung verpflichtet fühlten, und es entstanden trotz erschwerter Bedingungen viele Zeitungen, um den Ideen von Nationalismus, Republikanismus, Liberalismus und Sozialismus Ausdruck zu verleihen. Eine sehr lebhafte Schilderung der Revolutionsereignisse gelingt Beatrix Bouvier in ihrem Vorwort zur Veröffentlichung unserer Bibliothek Zeitungen der Französischen Revolution von 1848.

Der Bestand in der FES-Bibliothek
Um 1985 konnte die Bibliothek eine Sammlung von Zeitungen und Zeitschriften dieser Jahre erwerben und in dem eben erwähnten Verzeichnis zusammenstellen. In ihrem Vorwort schreibt Beatrix Bouvier dazu: „Die politische Breite, die in diesem Zeitungsbestand deutlich wird bzw. mit ihm verdeutlicht werden kann, reicht von der Linken mit ihren Variationen über den breit gefächerten Republikanismus bis hin zum Konservatismus, Legitimismus und Bonapartismus“.

Durch die Übernahme des Bestandes der Studienbibliothek des Karl-Marx-Hauses in Trier wurde diese Sammlung im Jahre 2010 erweitert. Ebenso wird der interessierte Forscher weitere Materialien im Buchbestand der Bibliothek und im Archiv der sozialen Demokratie finden. Um einen Eindruck der Sammlung in der FES-Bibliothek zu vermitteln, wird im Folgenden beispielhaft eine Kassette aus dem Magazinbestand mit den darin enthaltenen Publikationen vorgestellt:

  • Die Zeitschrift La cause du peuple, herausgegeben von George Sand, ist sicherlich vielen bekannt. Sie ist in der Zeit  vom 9.April bis zum 23.April 1848 mit insgesamt drei Nummern erschienen und befindet sich vollständig im Bestand unserer Bibliothek - eine Rarität in der deutschen Bibliothekslandschaft. Die Zeitschrift ist später auch als Mikrofilm reproduziert worden, ebenso wie sie als kulturelles Erbe für die virtuelle Bibliothek "Gallica" der französischen Nationalbibliothek digitalisiert worden ist.
     
  • George Sand war auch Mitarbeiterin des Bulletin de la République, das als Zeitung mit allen 25 Ausgaben ebenfalls Bestandteil unserer Sammlung ist. Diese Zeitung sollte in allen französischen Städten angeschlagen werden, um die Bevölkerung über die Beschlüsse der Revolutionsregierung zu informieren.
     
  • Das Blatt Le démocrate égalitaire mit dem Untertitel semaine sociale et républicaine ist am 21. April 1848 mit nur einer einzigen Nummer erschienen. Chefredakteur war Le citoyen Frédéric Gérard. Im Vorwort wird der Missbrauch des Wortes und des Wertes Egalité angeprangert. Auch diese Zeitschrift ist für die Mikrofilmsammlung Les Révolutions du XIXe siècle reproduziert worden und digitalisierter Bestandteil der Sammlung "Gallica".
     
  • Der nächste Titel ist Le lorgnon du diable, versehen mit dem Zusatz  bibliothèque populaire et républicain, herausgegeben vom Bürger D *** und Ch[arles] Lefebvre. Interessant an diesem Blatt ist die Vorstellung der 34 Repräsentanten des Département La Seine mit Angaben der Wählerstimmen und einer Kurzbiographie zu ihrer Person. Leider scheint es bei dieser ersten Lieferung geblieben zu sein.
     
  • Nicht so selten zu finden ist der Titel Revue rétrospective ou archives secrètes du dernier gouvernement, recueil non périodique. Auch diese Veröffentlichung ist in "Gallica" vertreten. Von den ersten beiden Nummern gibt es übrigens eine deutschsprachige Reproduktion mit dem vielversprechenden Titel "Revue rétrospective d. i. die wichtigsten Documente aus dem geheimen Archive der Regierung Louis Philipps und seiner bei Erstürmung der Tuilerieen dort vorgefundenen Privatakten", allerdings ist sie nur in der Heidelberger Universitätsbibliothek zu finden.
    Die Revue rétrospective wurde herausgegeben von dem Journalisten und Verleger Jean-Baptiste-Alexandre Paulin, der bereits 1843 die Zeitung L’illustration: Journal universel gegründet hatte, welche mit Zeichnungen und Karikaturen ausgestattet ist und als eines der renommiertesten Magazine Frankreichs gilt. Unsere Bibliothek ist stolz darauf, Teile des 10. und 11. Jahrgangs zu besitzen, die die Ereignisse dieser Zeit anschaulich widerspiegeln.
     
  • Von den beiden Ausgaben des Journal des pauvres befindet sich nur die erste Nummer (September 1848) in unserem Bestand, im Original deutschlandweit nur in unserer Bibliothek vorhanden. Ihr Motto lautet Liberté - Travail - Propriété - Association und signiert ist sie von "Le Propriétaire – Gérant – Fondateur, Louis Deplanque". Der Leitartikel nimmt Bezug auf die wieder strengeren Pressegesetzte und deutet die Unzufriedenheit der "Armen" an, die sich von der Revolution mehr Freiheit erhofft hatten.

Die Sammlung der Zeitungen der französischen Revolution um 1848 lässt sich unter vielen Aspekten betrachten, sei es auf der Suche nach satirischen Blättern (etwa: La carmagnole: journal des enfants de Paris) oder auch unter dem Aspekt der Frauen (ein Beispiel: L’opinion des femmes, herausgegeben von Jeanne Deroin, einer Frühsozialistin). Auch findet man viele bekannte Schriftsteller und Intellektuelle unter den Schreibern, stellvertretend seien hier Victor Hugo mit  L'Événement: journal du soir oder Alexandre Dumas mit Le mois genannt.

Erstaunlich ist, dass diese Zeitungen trotz ihres Alters von nun 170 Jahren immer noch gut erhalten sind. Das liegt mitunter daran, dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch Lumpen bei der Papierherstellung benutzt wurden und es noch kein säurehaltiges Papier gab. Eingeschränkte Benutzungsmodalitäten sollen diesen guten Zustand möglichst beibehalten.

Eine knappe Übersicht zu unserer Sammlung finden Sie auf unseren Internetseiten, und natürlich lohnt es sich weiterhin, in unserem Bestandsverzeichnis aus dem Jahr 1985 zu stöbern.
Um noch einmal auf Karl Marx zurückzukommen: Sein Werk Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848-1850 befindet sich selbstverständlich ebenfalls und in verschiedensten Ausführungen in unserer Bibliothek.

Arbeitseinheit: Bibliothek


nach oben