Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

30.04.2019

Eine FaMI auf dem großen Kongress – Von Ausstellern, Veranstaltungen und dem, was ich "mitnahm"

Obwohl ich erst in meiner Ausbildung zur FaMI (Fachangestellte für Medien- und Informationsdieste) - Fachrichtung Bibliothek bin, durfte ich in meinem zweiten Ausbildungsjahr meine erste Dienstreise antreten, und zwar zum 7. Bibliothekskongress vom 18. bis 21. März diesen Jahres in Leipzig. Und was hat es mir gebracht?

Bild: von Laura Lanser Was vom (Bibliothekars-)Tage übrig blieb ...

Eine ganze Menge. Und das war auch das erste, das mir sofort auffiel, als ich die große Kongresshalle betrat. Viele Leute, viele Stände und ein noch umfangreicheres Veranstaltungsangebot. Als Kongress-Neuling habe ich mich natürlich vorab informiert und mich so weit vorbereitet, wie ich konnte. Doch vor Ort kam mir nur in den Sinn: Reizüberflutung. So viele Möglichkeiten, aber so wenig Zeit.

Bibliothek im Wandel

Um nicht die Orientierung zu verlieren, ging ich immer meiner Nase nach und suchte für mich die Angebote heraus, die sich am spannendsten anhörten. Unter dem Motto des diesjährigen Bibliothekskongresses "Bibliotheken verändern" wurde eine große Auswahl an informativen und inspirierenden Diskussionen, Vorträgen und Hands-On Labs zu den Fragen "Wie verändern sich die Bibliotheken?", "Wie können wir Bibliotheken verändern?" und "Wie verändern Bibliotheken uns?" geboten. Da mich diese Fragen selbst bereits sehr umtreiben, fiel es mir nicht schwer, meinen Terminplan zu füllen - mit Games, Makerspaces, Labs und Robotik. Wie passt das denn alles mit Bibliotheken zusammen?

Bibliotheken sind Lernorte. Und lernen, wie man weiß, kann man am besten im Spiel. Dieser spielerische Zugang zu Bibliotheken und zur Wissensaneignung stand bei den von mir ausgesuchten Veranstaltungen im Mittelpunkt. Ob mit Escape Games, in denen es bibliotheksbezogene, unterhaltsame Rätsel zu lösen gilt oder mit elektronik- und informatikbasierenden Makerspaces, die nicht nur den kleinen Nutzer_innen den Umgang mit elektronischen Geräten und Programmiersprachen näher bringen, sondern auch Neugier und Forscherdrang bei den älteren wecken. Daneben gibt es in Form von Labs weitere Möglichkeiten, aktiv zu lernen, sei es zu Virtual Reality, 3D-Druck oder anderen digitalen Themen. Neue Raumangebote wurden jedoch nicht nur inhaltlich behandelt, auch die Frage nach dem tatsächlichen Ort stand im Raum. Projekte zu Fahrbibliotheken und Bücherbussen mit Gelegenheiten zum praktischen Lernen - über die gewöhnliche Literaturversorgung hinaus - wurden vorgestellt.

Digitales Bibliothekswesen

Doch hier ist die digitale Wandlung von Bibliotheken noch lange nicht zu Ende, denn nicht nur die Vermittlung von Wissen auf digitalen Wegen und über digitale Themen sind im Vormarsch, auch die Arbeit des Bibliothekspersonals kann von neuen elektronischen Helfern unterstützt werden. Zum Beispiel durch Roboter in humanoider Erscheinungsform, die je nach individueller Programmierung als gesprächiger Katalog, hilfsbereiter Wegweiser oder interaktives Infoportal eingesetzt werden können. So tragen auch diese freundlichen Schaltkreiswesen dazu bei, das leider noch immer weit verbreite alte Bild des Bibliothekswesens sinnbildlich zu entstauben (wobei ich nicht ausschließen möchte, dass elektronische Helfer, wie die automatischen Saugroboter, die eine oder andere Bibliothek auch buchstäblich entstauben). Doch Achtung! Diejenigen, die nun prognostizieren, dass in mehr oder weniger naher Zukunft Bibliothekspersonal durch Maschinen ersetzt werden könnte, kann ich beruhigen: Sie dienen lediglich zur Unterstützung im Service und zur Überwindung von etwaigen Hemmschwellen, die beim Umgang mit neuen digitalen Anwendungen und Geräten vorhanden sein können.

In der Fachausstellung durfte ich nicht nur einen Vertreter dieser neuen elektrischen Spezies kennenlernen, auch andere interessante Stände von Anbietern diverser Unternehmen und Institutionen luden zur Kontaktaufnahme ein. Natürlich durften auch hier Aussteller aus dem Bereich Digitalisierung nicht fehlen. Ob Datenbankvernetzung, Langzeitarchivierung oder Hardware und Software zur Erstellung von qualitativ hochwertigen Scans, alles wurde abgedeckt. Auch hier hielt ich mich einen Großteil der Zeit auf, wobei ich das ein oder andere Give-away einsammelte. Die Auswahl an Werbeartikeln erstreckte sich von Notizblöcken und Klebezetteln über Stifte, Kugelschreiber und Stofftaschen bis hin zu USB-Sticks und Quietscheenten (wobei Bibliotheken für Letztere wohl ein eher unübliches Habitat darstellen).

Bibliothek "lernen"

Auf der Rückreise waren meine Taschen voll und mein Kopf noch voller. Merchandise war nicht das einzige, das mich auf meinem Weg in die Heimat begleitete. Vielmehr waren es die vielen zukunftsorientierten Konzepte und digitalen Lösungen, die ihre Schritte in Richtung „Bibliothek von Morgen“ lenken, die schwerer wogen. Die Reizüberflutung wirkte noch lange nach, mit all den Ideen, Umsetzungsmöglichkeiten und Herausforderungen, die mir bis heute in Erinnerung blieben und mich beschäftigen. Was davon wird sich durchsetzen und was nicht? Was bietet sich für meine Bibliothek an? Welche Konzepte könnten sich in Zukunft aus den heutigen Ideen noch entwickeln und was bedeutet das alles für meine Ausbildung und meinen Beruf?

Der Kongress bot viele Antworten auf heutige Fragen, die jedoch wieder neue Fragen aufwarfen - ich bin schon jetzt gespannt auf deren Beantwortung.

Arbeitseinheit: Bibliothek


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