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Lothar Erdmann

Lothar Erdmann

Bestand: (AdsD-Bestand) 2,90 lfd.m., (DGB-Archiv) 0,20 lfd.m.
Laufzeit: (AdsD-Bestand) 1907 - 1939, (DGB-Bestand) 1914 - 1937

Lebensdaten: * 12.10.1888 † 19.9.1939

Lothar Erdmann wurde am 12.10.1888 in Breslau geboren. Sein Vater war der Philosoph Benno Erdmann. Als dieser nach Bonn berufen wurde, besuchte Lothar Erdmann dort das Städtische Gymnasium. Anschließend studierte er Geschichte und Germanistik. Bei einem längeren Aufenthalt in England erlebte er George Bernard Shaw und fand dort über die Fabian Society den Weg zum Sozialismus. Er sagte sich von der akademischen Welt seines Vaters los; sein Wunsch war es Journalist zu werden. Ehe er jedoch eine feste Anstellung erhielt, brach der Erste Weltkrieg aus.
Erdmann meldete sich freiwillig zum Militär und wurde Leutnant. Während eines Lazarettaufenthaltes 1916 wurde er für eine Tätigkeit beim Wolff'schen Telegraphenbüro (WTB) reklamiert und nach Amsterdam geschickt, um dort als Übersetzer für deutsche Zeitungen zu arbeiten. In dieser Zeit lernte er Vertreter der internationalen Gewerkschaftsbewegung kennen, wie z.B. Edo Fimmen.
Bei Kriegsende kehrte er nach Deutschland zurück und trat der SPD bei. In Köln übernahm er eine Redakteurstelle bei der "Rheinischen Zeitung". Er lebte einige Zeit in Bonn und ordnete den künstlerischen Nachlaß seines Freundes August Macke, dessen Witwe er 1916 geheiratet hatte. Lothar Erdmann verfaßte die erste umfassende Arbeit über den Maler August Macke. Sie erschien 1928 in einem von Ernst Jünger herausgegebenen Sammelband und wurde 1962 im Anhang der Erinnerungen von Elisabeth Erdmann-Macke nachgedruckt.
Erdmann kehrte noch einmal nach Amsterdam zurück und war dort für den Internationalen Gewerkschaftsbund als Pressechef tätig.
1924 gründete er in Berlin die wissenschaftliche Zeitschrift der Freien Gewerkschaften "Die Arbeit", deren Schriftleiter er bis 1933 blieb. Dadurch hatte er entscheidenden Einfluß auf die Einstellung der Gewerkschaftsführung zu den Zeitproblemen. Es gelang ihm hierzu einen historischen Beitrag in dem 1924 erschienenen Buch "Die Gewerkschaften im Ruhrkampf" zu bringen. Im letzten Heft der "Arbeit" vom 29.4.1933 erschien sein Artikel "Nation, Gewerkschaften und Sozialismus", der noch einmal den Weg der Gewerkschaften in der jüngsten Zeit aufzeigte und auf die drohende Entwicklung des Nationalsozialismus hinwies.
Bei der Zerschlagung der Gewerkschaften am 2.5.1933 verlor er seine Stellung und es gelang ihm in der Folgezeit nie mehr, durch seine schriftstellerische Tätigkeit ein Auskommen zu finden. In den wenigen Zeitungen und Zeitschriften wie "Vossische Zeitung", "Deutsche Allgemeine Zeitung" und der von Theodor Heuss redigierten "Hilfe" berichtete er über Bücher und bildende Künstler. Frühere Themen nahm er wieder auf wie Aphorismen zu seiner "Philosophie des Verstehens" und "Luther, Dostojewski und die unsichtbare Kirche", ohne sie jedoch zu einem Abschluß zu bringen.
Bei Kriegsausbruch 1939 gehörte er zu den Verhafteten, die als "Kriegs-Sonderaktion" ins KZ Sachsenhausen deportiert wurden. Dort wurde er gefoltert und starb am 19.9.1939 an den Folgen der Mißhandlungen.

Bestand DGB-Archiv
Der Nachlaß Lothar Erdmanns ist ein echter Teil-Nachlaß mit persönlichen Korrespondenzen und Manuskripten. Der Nachlaß wurde von Elisabeth Erdmann-Macke in den Jahre 1968 bis 1970 dem DGB-Archiv übergeben.
Im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) befindet sich darüber hinaus ein umfangreicherer Teil-Nachlaß.
Hinweise für die Benutzung
Nachdem die Akten des DGB-Archivs 1995 in das AdsD überführt wurden, ist dieser Nachlaß mit Hilfe der EDV erschlossen worden. Bis zu diesem Zeitpunkt geschah die Benutzung durch ein provisorisches Verzeichnis, welches während des durch die VW-Stiftung finanzierten Projektes "Erschließung des DGB-Archivs" erstellt wurde. Die bisherige Signatur ist im vorliegenden Findbuch als Konkordanz unterhalb der jetzigen Signatur angegeben.

Bei Veröffentlichungen aus diesem Nachlaß sollte wie folgt zitiert werden:
DGB-Archiv im AdsD, Nachlaß Lothar Erdmann, Signatur 1/LEAB (Aktennummer)

DGB-Archiv

  • Korrespondenzen / Einzelkorrespondenzen / Post mortem / Persönliche Unterlagen
  • Lebenserinnerungen / Nachrufe
  • Veröffentlichungen / Manuskripte

AdsD-Bestand

  • Biographische Unterlagen
  • Tagebücher 1907-1938
  • Kriegsbriefe 1914-1917
  • Persönliche Korrespondenz / Familienkorrespondenz (u.a. mit Dietrich Erdmann, Arthur Samuel, Ilse Erdmann)
  • Briefe an Lou Andreas-Salomé (Auszüge 1915-1935)
  • Manuskripte (u.a. "Der Mönch" 1917-1920, "Die Entschwundene", "Zur Idee des Verstehens")
  • Abhandlungen über philosophische Themen 1915-1935
  • Aufsätze und Rezensionen über literarische und kulturelle Themen, Gewerkschaften, Sozialismus 1922-1937

Lothar Erdmann im Online-Katalog Bibliothek der FES