Photo: © Tribal Union of Journalists

Safdar Dawar nimmt den FES-Menschenrechtspreis im Namen der 
    Tribal Union of Journalists entgegen; Berlin, 31.10.2012; Photo: Jens Schicke

Safdar Dawar nimmt den FES-Menschenrechtspreis im Namen der
Tribal Union of Journalists entgegen; Berlin, 31.10.2012; Photo: Jens Schicke

 

Dr. Peter Struck, Safdar Dawar und Johannes Pflug; Berlin, 31.10.2012; Photo: Jens Schicke

Dr. Peter Struck, Safdar Dawar und Johannes Pflug;
Berlin, 31.10.2012; Photo: Jens Schicke

 

Ulrich Tilgner, Gemma Pörzgen und Rahimullah Yusufzai bei der Podiumsdiskussion »Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst?«; Berlin, 31.10.2012; Photo: Jens Schicke

Ulrich Tilgner, Gemma Pörzgen und Rahimullah Yusufzai bei der Podiumsdiskussion »Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst?«; Berlin, 31.10.2012; Photo: Jens Schicke

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Menschenrechtspreis 2012

Tribal Union of Journalists (TUJ), Pakistan

Zum politischen Kontext

Fast täglich wird das von Tälern und Bergen zerklüftete afghanisch-pakistanische Grenzgebiet durch terroristische Anschläge, Kampfeinsätze der pakistanischen Armee und Drohnenangriffe der US-Truppen erschüttert. Die Stammesgebiete unter pakistanischer Bundesverwaltung (»Federally Administered Tribal Areas«, FATA) sind ein Sonderterritorium im Nordwesten Pakistans zwischen der pakistanischen Provinz Kyber Pakhtunkhwa und dem Osten Afghanistans. Sie gehören zum Staatsgebiet Pakistans, verfügen jedoch politisch, rechtlich und administrativ über einen besonderen Status.

Die Schicksale der mehr als drei Millionen Menschen, die in den abgeschiedenen FATA leben, finden in der westlichen Berichterstattung über Krieg und Terror nur wenig Aufmerksamkeit. Mehrere hunderttausend Kinder, Frauen und Männer mussten infolge der Kampfhandlungen ihre Heimat verlassen. Die ohnehin gravierenden sozialen Missstände und die große wirtschaftliche Not haben sich weiter verschärft. Grassierende Armut, Arbeitslosigkeit, politische und rechtliche Diskriminierung, schlechte Gesundheitsversorgung, unzureichende Bildungsangebote, dysfunktionale Verwaltungsapparate, die Benachteiligung von Frauen und geringe wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten charakterisieren die Situation. Militante Bewegungen konnten von der schwachen Präsenz des pakistanischen Staates in den FATA profitieren und ihre eigenen Herrschaftsbereiche aufbauen. Die weltweit angesehene »International Crisis Group« warnt vor diesem Hintergrund in einem ihrer jüngeren Berichte vor einem weiteren Anwachsen militanter Kräfte in den FATA.

Wo westliche Reporter, wenn überhaupt, nur unter dem Schutz der pakistanischen Armee Stimmungsbilder aufzeichnen, reisen die einheimischen Journalisten unter Einsatz ihres Lebens durch die umkämpften Gebiete, um wertvolle Informationen zu recherchieren. Wo westliche Leitartikler aus sicherer Entfernung über Strategien der Taliban-Bekämpfung schreiben, müssen die Paschtu-sprechenden Journalisten vor jedem Satz darüber nachdenken, ob ihre Nachrichten nicht sie selbst und ihre Familie in Gefahr bringen.

Der Preisträger

Der Menschenrechtspreis der Friedrich-Ebert-Stiftung würdigt in diesem Jahr die besonderen Verdienste des pakistanischen Journalistenverbandes »Tribal Union of Journalists« (TUJ). Der in den FATA ansässige Verband setzt sich seit über zwei Jahrzehnten für die Stärkung der Medienfreiheit und den Meinungspluralismus in den Stammesgebieten ein. Er vertritt etwa 250 Journalistinnen und Journalisten in den Stammesgebieten, die für lokale, nationale und internationale Print- und elektronische Medien arbeiten. Er wurde 1987 durch eine Gruppe von einheimischen Journalistinnen und Journalisten gegründet.

Mit der Vergabe des Menschenrechtspreises wird die TUJ für ihre Unterstützung von verfolgten Journalisten und unterdrückten Medien in den Stammesgebieten ausgezeichnet. Die TUJ steht für den Mut der Journalistinnen und Journalisten vor Ort, die unter Einsatz ihres Lebens wertvolle Hintergrundinformationen aus der »Blackbox« der afghanisch-pakistanischen Grenzregion in alle Welt transportieren.

Als Interessensvertreter von Journalisten setzt sich der Journalistenverband nicht nur für eine verbesserte Sicherheit seiner Mitglieder ein. Er nimmt auch Aufgaben wahr, für die in vielen anderen Ländern Staat und Arbeitgeber verantwortlich sind. Etwa kümmert sich die TUJ um die soziale Absicherung der Familien von ermordeten Journalisten. Diese erhielten bisher weder finanzielle Hilfen vom pakistanischen Staat noch von den nationalen und internationalen Presseagenturen, für die sie arbeiteten.

In besonderer Anerkennung ehrt der Menschenrechtspreis die TUJ zudem für ihre demokratische Organisationskultur. Der Verband ist nach den Grundsätzen der demokratischen Mitbestimmung organisiert. In einer Region, in der den Menschen die Grundrechte der pakistanischen Verfassung vorenthalten werden, ist die TUJ ein Symbol für eine gelebte demokratische politische Kultur.

Der Menschenrechtspreis wurde am 31. Oktober 2012 um 17:30 Uhr in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastr. 17, 10785 Berlin durch Peter Struck an die TUJ verliehen. Die Laudatio hielt Johannes Pflug, Vorsitzender der Afghanistan/Pakistan-Taskforce der SPD-Bundestagsfraktion.


Zum Flyer

Am 27. November 2012 wurde in Islamabad das Preisgeld an die TUJ übergeben. Die begleitende Podiumsdiskussion über die Situation der Journalist_innen in der FATA wurde von Rahimullah Yusufzai moderiert und fand unter der Beteiligung hochrangiger, pakistanischer Politiker_innen statt.


Zum Flyer
(engl.)

Weitere Informationen: Begründung für die Nominierung Presseerklärung der FES Eröffnungsrede von Dr. Peter Struck, Vorsitzender der FES Laudatio von Johannes Pflug, MdB Fotos, Interviews und Videos: Fotogalerie der Preisverleihung Interview mit Ramullah Yusufzai (engl., 9min47) Interview mit Safdar Dawar (11min32) Mitschnitt der Diskussion »Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst?« (dt./engl., 59min42) Dokumentation der FES Pakistan: Theater of Conflict - Reporting from FATA Pressestimmen zur Veranstaltung in Berlin: Deutschlandradio-Interview mit K. Bärwaldt (dt., 1min23) aus: Markt und Medien vom 03.11.2012 CityFM89.com-Radiointerview mit Safdar Dawar (engl./Paschtu) Die Welt-Artikel von Dietrich Alexander The International News-Artikel (engl.) The Express Tribune-Artikel von Ayesha Hasan (engl.) The Express Tribune-Kommentar von Ayesha Hasan (engl.) The Pakistan Press Foundation-Artikel (engl.) DW-Artikel von Shamil Shams: Deutsch | Englisch | Urdu Bilder und Pressestimmen zur Veranstaltung in Islamabad: The News International-Bericht (engl.) Dawn.com-Bericht (engl.) Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung Pakistanischer Frühling in weiter Ferne? Michaelsen, Marcus, FES Perspektive, September 2011 Asian Media Barometer: Pakistan 2009 FESMedia Asia Weitere Publikationen Digital Security and Journalists in Pakistan Internews Center for Innovation & Learning, Mai 2012 Getting Away With Murder - CPJ's 2012 Impunity Index Committee to Protect Journalists, April 2012 The Safety of Journalists and the Danger of Impunity UNESCO/IPDC, März 2012 A Safety Guidebook for Pakistani Journalists Intermedia/Khan, Aurangzaib und Rehmat, Adnan, Dezember 2011 Mainstreaming of FATA into Pakistani Media Legal Framework Intermedia/Alam, Muhammad Aftab und Rehmat, Adnan, Briefing Paper, Nov. 2011 Gunning for Media - Journalists and Media Staff Killed in 2010 International Federation of Journalists, 2011 Weiterführende Links Website der FES in Pakistan Facebook-Profil der FES in Pakistan Das Referat Asien und Pazifik der FES Der Arbeitsbereich Menschenrechte der FES