Titelzeile: Projekt gegen Rechtsextremismus
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SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bei der Vorstellung der Studie am 8.11.2006. Daneben Anetta Kahane, Prof. Dr. Roland Roth, Prof. Dr. Elmar Brähler, Dr. Oliver Decker

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bei der Vorstellung
der Studie am 8.11.2006.
Daneben Anetta Kahane, Prof. Dr. Roland Roth,
Prof. Dr. Elmar Brähler, Dr. Oliver Decker

Foto: Joachim Liebe

"Vom Rand zur Mitte"
Die Friedrich-Ebert-Stiftung legt eine Studie zu rechtsextremen Einstellungen vor

Rechtsextremes Gedankengut findet sich nicht nur am Rand der Gesellschaft, sondern auch in deren Mitte, quer durch alle Bevölkerungsschichten, Bundesländer, Generationen und bei den Wählern aller Parteien. Dies ist das Ergebnis einer bundesweiten Studie, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung an der Universität Leipzig von Prof. Dr. Elmar Brähler und Dr. Oliver Decker konzipiert und ausgewertet wurde. Am 8. November 2006 präsentierten die Autoren die Ergebnisse der Studie in Berlin der Öffentlichkeit.

"Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland" lautet der Titel einer Repräsentativbefragung von knapp 5.000 Bundesbürgern. Die Ergebnisse zeigen sich verfestigende rechtsextreme Einstellungen in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung. Ausländerfeindlichkeit ist dabei die am weitesten verbreitet, 26,7% der Befragten stimmten entsprechenden Aussagen zu. Bei 8,6% der Bevölkerung kann man von einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild sprechen. Generell sind die Einstellungsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland nicht besonders groß, allerdings zeigten sich bei der Ausländerfeindlichkeit (im Osten höher) und bei Antisemitismus sowie Chauvinismus (im Westen höher) signifikante Unterschiede.

Interessant ist die Studie nicht zuletzt durch ihre Erkenntnisse zu den Ursachen rechtsextremer Einstellung: Erstens begünstigt das Gefühl politischer Einflusslosigkeit rechtsextreme Einstellungen stärker als das Gefühl wirtschaftlicher Benachteiligung. Zweitens zeigte sich, dass gerade ältere Menschen rechtsextrem eingestellt sind. Da sich die bisherigen Programme gegen Rechtsextremismus allerdings weitgehend ausschließlich an Jugendliche richten, sind hier neue Strategien gegen den Rechtsextremismus nötig. Drittens hängt unabhängig von der individuellen ökonomischen Lage der Grad der Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben mit dem Auftreten rechtsextremer Einstellungen zusammen.

Die Studie "Vom Rand zur Mitte" hat erhebliches mediales Interesse hervorgerufen, in Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern wurde über sie berichtet und so eine öffentliche Debatte über rechtsextreme Einstellungen in Deutschland angestoßen, die fortdauert. Die Studie ist hier im Download erhältlich.

Die Ergebnisse der Repräsentativbefragung zu rechtsextremen Einstellungen. Die Zahlen geben die Zustimmung zu entsprechenden Aussagen an.

Gesamt West Ost
Befürwortung Diktatur 4,8% 4,4% 6,5%
Chauvinismus 19,3% 20,1% 16,1%
Ausländerfeindlichkeit 26,7% 25,7% 30,6%
Antisemitismus 8,4% 9,5% 4,2%
Sozialdarwinismus 4,5% 4,0% 6,2%
Verharmlosung Nationalsozialismus 4,1% 4,6% 2,0%

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