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FES Landesbüro Niedersachsen
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Dokumentationen

Rechtsextremismus und Geschichtsmythen

"Kraft durch Freude", Mutterkreuz und Autobahn -
Wie Rechtsextreme Mythen über das Dritte Reich verbreiten und historische Ereignisse für ihre Zwecke instrumetalisieren

„Kraft durch Freude“, Mutterkreuz und Autobahn – alles Signalwörter, die sich auf Ereignisse im Dritten Reich beziehen und die unter die sogenannten Geschichtsmythen fallen. Solche Geschichtsmythen werden von Rechtsextremisten aktuell immer weiter verbreitet und stoßen häufig aus Unkenntnis auf eine große Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung. Gleichzeitig tendieren Anhänger der rechten Szene dazu, historische Ereignisse umzudeuten und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren: Aus Tätern im Dritten Reich werden Opfer und Helden. Auch in Niedersachsen gibt es solche Orte und Ereignisse die alljährlich zu „Gedenktagen“ der rechten Szene führen. Anlass für das Landesbüro Niedersachsen der Friedrich-Ebert-Stiftung auf einer Tagung am 31. Juli 2010 über das Thema „Rechtsextremismus und Geschichtsmythen“ zu diskutieren. Als Hauptreferent war Prof. Dr. Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, geladen. Nach einer Einführung der Landtagsabgeordneten Sigrid Leuschner stellte Prof. Benz einige weit verbreitete Geschichtsmythen dar und erläuterte die korrekte historische Einordnung. Zudem warnte er davor, dass heutzutage unterstützt durch die Medien beliebigen Zeitzeugen mehr Glauben geschenkt würde als den Forschungen anerkannter Wissenschaftler. Herr Steffen Holz vom DGB Niedersachsen-Mitte stellte im Anschluss die Geschichte des Wincklerbades in Bad Nenndorf vor, das von Rechtsextremisten als Ort alliierter Verbrechen stilisiert wird und jedes Jahr eine zunehmende Anzahl von Rechtsextremisten zur Teilnahme an einem Trauermarsch veranlasst.

Wie konkret die Besetzung historischer Orte und Daten durch Rechtsextremisten funktioniert wurde im Anschluss in mehreren Workshops diskutiert, dabei wurde auch die Rolle der Medien genauer betrachtet. Erklärungen, wieso solche Mythen bereitwillig aufgenommen werden, wurden ebenfalls in einem Workshop zu finden versucht. Ausgangsbasis der Diskussion bot hier das Zahlenmaterial aus den Studien „Vom Rand zur Mitte“ und „Bewegung in der Mitte“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Verdrängung und mangelhaftes Wissen über historische Ereignisse wurden als mögliche Erklärungen entdeckt. Als Konsequenz wurde zu mehr Sensibilität im Umgang mit historischen Daten und Orten in der schulischen aber auch außerschulischen Bildung sowie einer verstärkten Aufklärung über Geschichtsmythen aufgerufen. In diesem Zusammenhang bedauerte es Olaf Lies, der neu gewählte Landesvorsitzende der SPD in Niedersachsen, dass die niedersächsische Landesregierung unter dem Ministerpräsidenten Christian Wulff die Landeszentrale für politische Bildung in Niedersachsen abschaffte. Die Veranstaltung war trotz der noch andauernden Sommerferien in Niedersachsen sehr gut besucht, so dass ein reger Austausch zwischen MultiplikatorInnen der politischen Bildung und Netzwerken gegen Rechts stattfinden konnte.

Themen und Inhalte der Workshops:

- 1: Besetzung historischer Daten und Orte durch Rechtsextremisten
Wolfgang Freter, Abt. 6 LMI

- 2: Aktionen von Rechtsextremisten zur Gewinnung Jugendlicher
Martin Langebach, Universität Düsseldorf

- 3: Darstellung historischer Ereignisse in Schulbüchern
Lars Müller, Georg-Eckert-Institut für int. Schulbuchforschung


- 4: Berichterstattung der Medien über rechtsextreme Aktivitäten
Stefan Schölermann, NDR

- 5: Vom Rand zur Mitte – Studie über rechtsextreme Einstellungen
Susanne Stollreiter, Friedrich-Ebert-Stiftung

Moderiert wurde die Vorstellung der Workshops von Kristina Stuntebeck, Leiterin des Forums gegen Rechts bei der SPD-Niedersachsen.

 

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