Die Geschichte der Rock- und Pop Musik


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"We learned more from a three minute record than we ever learned in school" (Bruce Springsteen)



The Roots
The 50´s ... The 60´s ... The 70´s ... The 80´s ... The 90´s

Zu meinen, man könne die Geschichte der Rock- und Pop-Musik der letzten 50ig Jahre durch ein paar Songbeispiele und Kommentare erläutern, scheint dreist zu sein. So sind wir halt. Wer Ahnung von Musik hat, weiß eben welche Songs und Gruppen epochal waren!

Wenn Ihr anderer Meinung seid: Bitte eine e-mail an: Nils und Markus
Erste Ergebnisse unserer Diskussion findet Ihr am Ende der Datei

The Roots


Die Roots sind das, mit dem alles begann. Ist doch klar, oder? Also, die Rock- und Pop-Musik findet ihren Ursprung in den traditionellen Volksliedern aus Europa, dem Blues, Jazz und amerikanischen Folk. Klar, in den 70ern sehen wir dann noch, daß alles schon bei Bach begonnen hat. Aber dazu später.
Hier unsere Songbeispiele:

Irish Pub Music: The Swallow´s Tail and Sligo Maid 3:00

Hier braucht kein Interpret genannt werden.Der Sound wird heute noch in Irland genau so gespielt. Kleiner Vorgriff auf die 80er: Man kann zu den Songs erstklassig Pogo tanzen. Geht auf ein Dubliners Konzert und Ihr wißt was wir meinen.

Elmore James Dust my broom 2:58

Ein Großer des Blues. Alle wichtigen Gitarristen berufen sich heute noch auf Elmore. Während anfangs Bottelneck noch mit Messern bzw. Flaschenhälsen gespielt wurde, kann man heute sogar schon Slides im Geschäft kaufen. Echter Fortschritt!

Woody Guthrie Baltimore to Washington 2:55

Der Mann war pc. Sozialist, Freund der Gewerkschaften und sein Lebensstil war Vorlage für viele schlechte Filme: Der ist nämlich wirklich noch mit der Gitarre "On the Road" gewesen. Also ohne Woody hätte Jack Kerouac niemals seine tollen Bücher schreiben können.

Duke Ellington I aint nothing but the blues 2:44

Duke, der eigentlich Edward Kennedy hieß, war einer der ganz wenigen schwarzen Big Band Leader. Hört euch die Nummer an: 1 A, supertoll und klasse. Wenn man da einen anständigen HipHop Beat drunter legen würde, wäre das wahrscheinlich ein Hit.

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The 50´s


Aus all dem bisher durchgenommenen (ihr werdet ja wohl hoffentlich nicht gemogelt und die Roots übersprungen haben) entsteht jetzt der Rock´n´Roll. Da wißt ihr ja sowieso alles drüber: Die Weißen räumten die Hits der Schwarzen ab (dies bleibt übrigens eine Konstante in der Musikgeschichte), Teenager bettelten um Papis Auto - Stichwort: Rückbank - und alle schmierten sich eckelhafte Pomade ins Haar bzw. schwangen ihre Petticoats.In Deutschland wurde kulturell der Zweite Weltkrieg beendet: Aufmüpfige Teenager rebellierten - wie wir heute wissen, nur in den engen Grenzen des Spießertums - gegen ihre Eltern. (Ab jetzt, wird immer mit Hilfe der Rockmusik gegen die Eltern rebelliert - auch das eine Konstante )Unsere Beispiele:

Little Richard Tutti Frutti (55) 2:20

Tolle Aufnahme: Live und mit Bläsern: Wahre Power! Little Richard ist ein schwarzer, ziemlich durchgeknallter Pianist. Erstaunlich: Der spielt immer noch!

Chuck Berry Wee Wee Hours (55) 3:02

Klar kennt man. Einer oder der schwarze Väter/Vater des Rock´n´ Roll. Sein Gitarrenstil hat Generationen gepägt. Wenn ihr mal die Gelegenheit habt mit Eric Clapton, the Edge (U2) oder Slash (Guns and Roses) zu reden, werde die Euch das bestätigen.

Elvis Presley Hound Dog (56) 2:16

Was soll man zu dem schreiben? Erstens: Tolle Band. Zweitens: Guter Entertainer. Drittens: Der Hüftschwung!! Wenn er in den 70ern nicht seine glitter Las Vegas Shows gemacht hätte, säße er heute im Himmel wahrscheinlich auf dem Schoß von Petrus. Also erinnern wir uns am besten nur an seine 50er Zeit, die unglaublich war.

Fats Domino Blueberry Hill (56) 2:28

1928 geboren, als 10 jähriger zum ersten Mal aufgetreten. Mitte der 50er dann zum Shooting-Star des R´n´R geworden. Nicht nur Chuck Berry, Elvis Presley und Jerry Lee Lewis haben seine Songs gecovert: Wenn ihr eine Band habt, habt Ihr das wahrscheinlich auch schon getan, ohne es zu wissen. Übrigens: Nach einer Diät, hätte Fats richtig cool aussehen können.

Link Wray Rumble (57) 2:00

Pete Townsend (The Who) und andere haben immer an Link Wray erinnert. Der Arme hat nur einen Hit: Eben Rumble. Er hat früh angefangen, den Vibratoarm an der Gitarre zu benutzten (Wer nicht weiß was das ist, hört sich "All along the watchtower" von Jimi Hendrix an). Und wer in dem Film " Pulp Fiction " war und unser Hörbeispiel tüchtig gehört hat, weiß wo die Filmmusik geklaut worden ist.

Buddy Holly and the Crickets It´s so easy (57) 2:01

1959 bei einem Flugzeugunglück zusammen mit Richie Valents (Donna, La Bamba) abgestürzt. In den 50ern (zusammen mit Bill Haley) solange der King, bis der besser aussehende Mr. Presley ihn ablöste.

Dion and the Belmonts A teenager in love (59) 2:46

Da möchte man nochmal jung sein: A teenager in love! Es wurde nicht nur Pomade in den 50ern in die Haare geschmierte, sondern auch so mancher Song tropfte vor Schmalz. Hier das Song-Beispiel.

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The 60´s


Die 60er sind verwirrend. Es fängt mit biederen Anzügen und kurzen Haaren an, steigert sich in Drogenrausch und Experimentalmusik, wird über Vietnam politisch und hat von allem etwas: Die 60er sind Stichwortgeberin für die Popmusik in den 80ern und 90ern. Oder kann sich einer Oasis ohne Lennon/McCartney vorstellen?

Unsere Hörbeispiele: Whites:

Beatles Misery (63) 1:46

Die Beatles: Die absoluten, unvergleichlichen Könige des Beat und Taufpaten der Popmusik. Aus Liverpool stammend, revolutionierten die Beatles die gesamte Popmusik: Sie brachten pfiffige Arrangements mit guten Songs zusammen. Misery soll allerdings die Ursprünge verdeutlichen: Es ist ein bescheidener Beat-Song.

The Who My generation (65) 3:16

Die Ankündigung aus "My Generation" "I hope I die before I get old" hat nur der Trommler Keith Moon wahrgemacht. Alle anderen leben noch. In den 60ern haben die Who formvollendet ihr gesamtes Equiment bei Live-Auftritten zerlegt. Neben solchen Post-Pubertären-Anwandlungen hatte Pete Townsend (Gitarrist, Songschreiber und Kopf von The Who) einen großen Einfluß auf Punk und New-Wave Bands wie The Clash und The Jam.

Doors The End (67) 11:35

Jim Morrison ist "The Doors". Wer´s nicht glaubt, kann heute noch nach Paris zu seinem Grab fahren und die Fangemeinde dort bewundern. Weiß den irgendeiner, wie der Schlagzeuger von den Doors hieß? (Wir wissen das natürlich: John Densmore)Die Zeilen "Father I want to kill you, Mother I want to fuck you" soll Morrison angeblich unter hartem Drogeneinfluß improvisiert haben. Dies führte gleich zur Zensur des Textes. Das sollte den Doors (eine Band ohne Baß!!) nicht mehr schaden: Sie waren da schon Kult. Nachdem 1971 mit "L.A. Woman" das letzte sehr erfolgreiche Album der Doors erschienen war, und sich Jimi als Literat und Filmemacher vom Rockgeschäft verabschieden wollte ("Mit 27 ist man zu alt für eine Rock´n´Roll-Sänger"), verstarb der Charismatiker am 3. Juli 1971.

Rolling Stones Street fighting man (68) 3:16

Die Antipoden der Beatles. Alles was die Beatles machten (z.B. Geigen in "Yesterday"), machten die Stones auch ("Angie"). Nur immer etwas später und rüder. Da die Stones noch immer Live spielen und Platten rausbringen, sind sie wahrscheinlich die dienstälteste bekannte Band der Rockgeschichte. Zu ihren Roots (Chuck Berry, Little Richard etc.) stehen sie noch heute - das ist unschwer zu überhören, was für die einen konstante Stagnation bedeutet, für die anderen extrem ehrlich ist. Aber wen interessiert diese Debatte eigentlich?Street figthing man wurde natürlich unter dem Eindruck Studetenunruhen geschrieben.

Bob Dylan Times they are A-chanin´(69) 3:12

Ja, die Zeiten hatten sich geändert: Nicht mehr Love, Peace und Happines regierten in den vollgequalmten Köpfen, vielmehr hatte Vietnam das Bewußtsein vieler erreicht und die Hells Angels ermordeten in Altamont einen Rock-Fan unter den Augen der Stones: Mit anderen Worten, der Friedenstraum war zerplatzt. Dylan hat Generationen von Songschreibern geprägt. Gute Texte und gute Musik. Wer nicht auf Accostic-Gitarre steht, hört sich einfach die unzähligen Cover-Versionen von Dylan-Songs an.Blacks:

B.B.King Every day I have the blues (1.11.64) 2:27

B.B. King zählt zu den wenigen Schwarzen im Bluesbuisness, die richtigen Erfolg haben. Schon in den 60ern legte er tolle Studio- und Live-Platten hin. Als in den 90ern U2 zusammen mit B.B. einen Song aufnahmen ( "When loves comes to town") , wurde der Blueser und seine Gitarre "Lucille" einem größern Publikum bekannt. Wer´s noch mal richtig besorgt bekommen möchte, geht am besten noch mal Live hin und guckt sich diese Legende an. Unser Tip: Sehr sehenswert!

Wilson Pickett Land of 1000 dances (66) 2:23

Während die meisten weißen Bands in den 60ern noch übten, wie man die 12-Takte im Blues und Rock ´n´ Roll in eine sinnvolle Reihenfolge bringt, powerten die schwarzen Bands und Entertainer, was das Zeug hielt: Ein Beispiel Wilson Pickett, der mit dem weißen Gitarristen und Produzenten Steve Cropper (Booker T. and the MGs und Blues Brothers), unvergängliche Soul-Hits einspielte.

Jimi Hendrix Woodstock-Konzert(69) 13:05

Das Genie auf der Gitarre. Die Aufnahme stammt vom legendären Woodstock-Festival. Der Ehrlichkeit halber muß zugegeben werden, daß Hendrix morgens um 5:00 Uhr spielte und das die wenigen Leute, die um die Zeit noch auf waren, offensichtlich mit Hendrix überfordert waren. Star Spangled Banner, die amerikanische Nationalhymde, so zu spielen (und noch von einem Schwarzen), wie auf der vorliegenden Aufnahme, grenzte damals schon an Blasphemie und war mindestens Hochverrat. Der Mann war halt einfach seiner Zeit voraus und ist deshalb noch immer einflußreich geblieben. Seine Platte "Electric Ladyland" zählt zu den Platten des Jahrhunderts. Auch Jimi ist leider schon sehr früh - 1970 - gestorben. Keine Macht den Drogen! ;- )

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The 70´s


Das sozialdemokratische Jahrzehnt: Willi Brandt fiel in Warschau (Gott-Sei-Dank) auf die Knie. Ein paar Ideen aus den 60ern wurden ausprobiert. Neue Wohn-, Schul- und Erziehungsformen. Aus heutiger Sicht sind diese 68er allerdings an allem Schuld. Deshalb werden viele Errungenschaften aus den 70ern wieder korrigiert. In Berlin fanden Häuserkampfe statt, die RAF bombte vor sich hin und der Rechtsstatt zeigte Zähne.Musikalisch beginnt es orchestral, wird dann punky und danach groovy. Hier die Beispiele:

Deep Purple "Child in time (70) 10:13

"Child in time" zählt zu den Nummern, die man nur selten im Radio oder auf Parties hört, weil sie einfach sehr lang ist. Das Stück ist aber fast schon eine Rock-Oper. Klassisch durcharrangiert (vgl.Bach), zauberhafte Soli und erschütternde Schreie. Der Streit zwischen John Lord (Keyboards) und Richie Blackmoore (Gitarre) ist geradezu sprichwörtlich. Deep Purples Einfluß auf alles was mit Hardrock und Heavy Metall zu tun hat, kann nicht überschätzt werden.

Velvet Underground "Waiting for my man (70)

Velvet ist - nach Maßstäben der 80er und 90er - eine Independent-Band. Die Fachpresse reagierte auf die Band - bevor sie nach ihrer Auflösung zu einer der meistgefeiersten Band aller Zeiten wurde - mit ratloser Zurückhaltung. Ihre Verbindung mit Andy Warhol ist bekannt und hat sich nicht nur in dem legendären Bananen-Cover niedergeschlagen. Großen Einfluß haben die Velvets vor allem auf die Punk und später New-Wave Bewegung gehabt.

Carole King "I feel the earth moove (71)

Hippie-Sound ist angesagt. King, die zusammen mit ihrem Mann Jerry Goffin, unzählige Hits für Künstler wie Byrds, Animals, Temptations und Linda Ronstedt komponierte, verkaufte in den 70ern selbst Millionen Platten. Seit den 80ern ist es ruhig um sie geworden.

Led Zeppelin "Misty mountain hop (71) 4:39

Led Zeppelin, 1968 gegründet, sind für den Bereich Hardrock von ähnlicher Bedeutung, wie Deep Purple. Jimi Page, Gründer und Gitarrist von Zeppelin, versammelte zunächst unter dem Namen "New Yardbirds", später "Yardbirds" einen Vorläufer von Zeppelin. Mit seinen Mitmusikern Robert Plant, John Bonham und John Paul Jones stand dann die Besetzung. Textlich stark beeinflußt von mittelalterlicher Mythologie und Okkultismus produzierten L.Z. ewige Rockhämmer. Dies führte allerdings auch dazu, daß in dem Film "Waynes World" in einem Gitarrenladen ein Schild steht mit dem Spruch: "No Stairway to Heaven!!" Jeder, der sich schon mal länger als eine Stunde in einem Musikgeschäft aufgehalten hat, weiß wieso.

Pink Floyd "Shine on your crazy diamond (75)

Weil Syd Darrett, ein längstvergessenes Gründungsmitglied von Floyd, von seinem (LSD)Drogentrip nicht mehr runterkam, probierte die Band Ende der 60er unzählige Stile aus. Erst mit dem Aushilfsgitarristen (!, der natürlich später festes Bandmitglied war) Dave Gilmore, der "Darkside of the Moon" einspielte, kam der Durchbruch. Textlich wird es psychodelisch, paranoid und schizophren. Mit "Wish you were here" war die Band dann im Rockhimmel vorgemerkt. Die Band, die bis in die späten 80er durch ausgefeilte Bühnenshows ("The Wall" am Potsdamer Platz in Berlin) von sich Reden machte, hat mit dem Film und Album "The Wall" auch noch mal schulmüde Kids beeindruckt. ("Another brick in the Wall" war in der BBC zensiert.)Unser Tip: Der Film "Pink Floyd live at Pompeii" zeigt all das, was wir hier aus Jugendschutzgründen nicht aufschreiben können.

Creedence Clearwater Revival " Who´ll stop the rain (76) 2:28

Es wird wieder braver. CCR sind nette Jungs mit netten Songs. 20 oder 30 Top Ten Hits zu landen, ohne eine Nummer 1 dabei, ist schon eine beeindruckende Leistung in den 70ern. Alle Bandmitglieder stammen aus Californien und symbolisieren den West-Cost-Rock, ähnlich wie Jackson Browne und die Byrds. Man stelle sich einen US-amerikanischen Highway vor, 5 Liter Hubraum, Tempomat und 600 Meilen stur geradeaus: Das ist der Sound dazu.

Sex Pistols "Anarchy in the U.K.(77)

Die Definition von Punk-Musik. Die These der Pistols: Weg mit den pseudo-klassik Bands (Deep Purple, Pink Floyd, Barclay James Harvest etc.), weg mit endlosen Soli und weg mit der Künstler-Attitude. Jeder kann spielen, jeder soll spielen und wer was anderes sagt lügt. Politisch radikal - ästhetisch radikal. Die Punk-Bewegung hat die Welt erträglicher gemacht. Nach nur einer echten Pistols-Platte ("Never mind the bullocks") nahm spätestens mit dem Tod des Bassisten Syd Vicious der Punk-Traum ein jähes Ende. Die Punk Bewegung feiert zwar ca. alle 5 Jahre ein Revival, doch wird wohl kaum noch die Radikalität der 77er Bewegung erreicht werden. Früher war eben alles besser!

Moon Martin "Hot nite in Dallas (78) 3:22

Für diesen Sound der 70er hätte man auch "The Sweet", "T. Rex" (beide aus GB) oder "Suzi Quatro" nehmen können. Haben wir aber nicht, weil Moon Martin einfach besser ist. Die Beschreibung der Musik nehmen wir wie folgt vor: Glitter-Hard-Pop-Sound. Irgendwelche Fragen?"Hot nite in Dallas" war ein Hit in den 70ern, was dazu führte, daß alle Welt glaubte, mit Martin hätte man einen neuen Superstar. Wurde er dann doch nicht. Macht ja nichts.

Frankie Valli "Grease (78) 3:24

Der Film "Grease" repräsentiert zusammen mit "Saturday Night Fever" die Disco-Periode schlechthin. Angefangen in New York und da als Untergrundmusik von Schwulen, konnte Disco sich Ende der 70er Jahre weltweit durchsetzten. Produzenten und Discjokeys rückten zum ersten Mal in das Bewußtsein einer breiteren Öffentlichkeit; die Künstler selbst waren nicht unbedingt so wichtig (mal ehrlich: wer hätte gewußt, daß "Grease" von Frankie Valli gesungen wurde). Dies alles wird sich dann in den 90ern wiederholen. John Travolta, Hauptdarsteller in "Grease" (an seiner Seite Olivia Newton John) war der Schwarm aller pupertierenden Mädchen und neidvolles Vorbild für die Jungs, die weder so gut aussahen, noch so tanzen konnten. Jetzt ist Johny nicht mehr pc, da er sich ja - nach seinem Comeback durch "Pulp Fiction" - mit den Scientologen eingelassen hat.Der Sound, geschrieben von den Bee Gee Brüdern Gibb (die auch schon bei "Saturday Night Fever" mitmischten), soll zum tanzen anregen. Hat er auch unbeschreitbar getan. Die Bee Gees, die schon in den 60ern 4 Nummer 1 Hits hatten, wurden nicht zuletzt wegen der schon genannten beiden Filme/Platten, bei denen sie die Hits schrieben, zu Superstars. 20 Millionen Platten wurden allein von "Saturday Night Fever" verkauft. Und: Damals war die Weltbevölkerung noch nicht so groß

.Elvis Costello "Accidents will happen (79) 3:00

In Liverpool geboren, in Deutschland weitgehend unbekannt, steht Costello für einen Singer/Songwriter, der großen Einfluß auf die Punk-und New Wave-Bewegung ausgeübt hat. Gute Songs, gute Texte. Unvergeßlich bleibt Costellos Auftritt beim Live Aid (1985, Boris Becker gewann gerade das erste Mal Wimbeldon!), wo er ein wunderschöne Version von "All you need is love" von den Beatles trällerte.

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The 80´s


In den 80ern wurden die schlimmsten Befürchtungen der New Wave Generation wahr. Mit Ronald Reagan und Maggi Thatcher konnte einem schon der Weltuntergang in den Sinn kommen. Als in Deutschland dann noch unser Helmut dazu kam, schien die Alternative nur zwischen Emigration nach Neuseeland und Rückzug ins Private zu bestehen. Musikalisch waren die 80er aber interessant: Der Wave einerseits und Ikonen wie Michael Jackson, Bruce Springsteen und U 2 anderseits dominierten. Hier unsere Auswahl:

Police "Man in a suitcase (80) 2:15

Die Verbidung von Punk/New Wave und Pop Musik. Sting, der Kopf der Band, spielte nicht nur in erfolgreichen Filmen mit (Quadrophenia von The Who) , sondern schreibt auch noch heute gute (etwas gesetztere) Songs. Police war eine Band mit exquisiten Musikern: Andy Summers (Gitarre), Stuart Copeland (Drums) und Sting (Bass & Vocals).

Echo and the Bunnyman "Show of Strenghts (81) 4:48

Eiszeit ist angesagt: Waren die Punks noch aggressiv gegen Dinge und Ideen, richtet sich im Wave die Aggression gegen sich selbst. Wave ist depressiv, melancholisch und zum Teil maschinell. Wave Bands haben in aller Regel gute Texte. In Deutschland haben nur wenige Bands diese Atmosphäre transportieren können. Die "Neue Deutsche Welle" sah alles eher von der lustigen Seite. Darüber aber später mehr.Ab den 80ern wurde dann alles mit Wave gemischt: Die Stray Cats mischten mit Rockabilly, Blondie mit Pop, Sisters of Mercy mit Rock.

Michael Jackson Beat it (82) 4:17

Was soll man zu dem Menschen noch sagen, was nicht schon gesagt wurde. Er ist ein brillianter Sänger, Tänzer und Songschreiber. Mit den Jackson 5 feierte klein Michael schon in den 70ern erste Erfolge.Michael Jackson schreibt dumm-naive Texte und er selbst ist es auch. Produziert wurde Jackson lange Zeit von Quincy Jones. Das hat sicherlich zum Erfolg beigetragen.Bei "Beat it" spielt Eddie van Halen das Gitarrensolo. Mit dem Solo löste er eine wahre "tapping-Welle" aus. (Die rechte Hand tippt Melodien auf dem Gitarrenhals) Eddie konnte das wenigstens, die meisten anderen, die es damals versuchten, konnten es nicht.

Madonna Dress you up (85) 4:01

Tüchtig Streit gibt es immer um Madonna: Einige Schlagabtausche zwischen ihr und Curtney Love (Sängerin von Hole und Freundin von Nirvana Sänger Curt Cobain) sind bekannt geworden. Madonna macht was sie will, mal Sexsymbol, dann wieder ernsthaft oder wild. Sie sagt, daß sie die Regel mache und sie über ihre Rolle bestimme: Ihre Form von Feminismus. Seit Mitte der 80er ist Madonna, immer mal wieder, ganz oben dabei.

Prince Kiss (86) 3:46

Wie schon bei den Beatles und Stones (und später bei Oasis und Pulp) gab es in den 80ern einen kindischen Streit darüber, wer besser sei: Prince oder Michael Jackson. Natürlich ist Prince besser. Dieser Mensch kann wenigsten drei Sätze hintereinander sagen, ohne daß man, wie bei Jackson, vor Scham erötet oder sich an den Kopf faßt. Nein, halt: Vor Scham erötet man auch, aber aus anderen Gründen als bei Jackson.Prince spielt zauberhaft Gitarre, tanzt und singt klasse, schreibt tolle Songs und ist ein brillianter Arrangeur. In den 90er ist er ein wenig abgetaucht, bringt allerdings immer mal wieder eine nette Platte raus.

Bon Jovi Homebound Train (86) 5:04

Der Glimmer-Heavy der 80er. Endlich durften auch Popper auf Heavy Konzerte, ohne das sie ordentlich verprügelt wurden. In ihrem Aussehen glichen sie ohnehin den Musikern auf der Bühne. Bon Jovi sind noch eine erträglich Variante. Bands wie "Europe" führten dann doch dazu, daß die Autoren dieser Seiten an der Musik verzweifelten.Bon Jovi gehören zu einer Generation von Musikern, die richtig auf ihren Instrumenten ausgebildet wurden. Der Gitarrist spielt alles was verlangt wird: Hier mal einen Country Blues, ein kleines Jazz Lick und er beherrscht natürlich alle Heavy Tricks.

U 2 With or without you (87) 4:56

Ursprünglich stark vom New Wave geprägt, entwickelte sich U 2 zu einer der epochalen Bands der 80er. Aus Irland kommend, revolutionierten sie die Musik mit einem Breitwandsound, der dann von vielen Bands nachgeahmt wurde. U 2 sind immer sehr bemüht gewesen, ihren Sound zu verändern. So gibt es unterschiedliche Generationen von Fangemeinden. Auch sie sind mittlerweile in den Rock-Olymp aufgenommen worden.

Smith Cementery Gates (87) 2:39

Die englische Band wurde Mitte der 80er Jahre berühmt. Der Sound stellt eine Mischung von Pop und Wave dar. Sie haben ein paar gute Platten hingekriegt. In den 90ern wird es dann ruhig um die Band

.Michelle Shocked Anchorage (88) 3:21

Mitte der 80er kamen Singer(innen)/Songwriter(innen) schwer ins Geschäft: Tracy Chapmann, Susan Vega, Eddie Brickel und eben Michelle Shocked. Musikalisch wird an die alten Barden aus den 60ern und 70ern angeknüpft. Aus dieser Zeit gibt es wunderschöne Songs mit wirklich guten Texten. Michelle Shocked macht mittlerweile sehr bluesorientierte Musik.

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The 90´s


In den 90ern ist entweder alles Independent oder Crossover. Damit verlieren diese Begriffe natürlich auch ihre Bedeutung. Man darf alles hören, alles kreuzen, die alten Dogmen zählen nicht mehr. Während die Bundeswehr wieder kämpfen darf - ohne ideologische Einwände - rappen Rudi Carell und Roberto Blanko mit schlechten deutschen Bands über die Fernsehkanäle - natürlich auch ohne irgendwelche ideologischen Vorbehalte. Heavy Fans stehen in kopfschüttelnder Eintracht mit Yuppies bei Crossover-Bands "Faust in Faust". Im Feuilleton nennt man das dann Postmoderne. Aber: Die 90er sind ja noch nicht zu ende ...

Living Colour Elvis is dead (90) 3:50

Mit Living Colour sind wir in den 90ern angekommen. Das ist Crossover. Was wird gekreuzt? Heavy, Funk, Punk, Soul und Rock ´n´Roll. Der Text, "Elvis id dead", ist das postmoderne Äquivalent zu Nietzsches "Gott ist tot". Daß bei dem Stück im Hintergrund noch Little Richard und Mick Jagger mitsingen, ist ein besonderes Bonbon. In gewisser Weise kann man die Colours mit Mother´s Finest vergleiche, die oftmals die erste schwarze Heavy Band genannt werden. Damit ist auch klar: Living Colour ist eine schwarze Band. Über die Bandmitglieder erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar: Sie sind eine Band für Musiker, da jeder, der schon mal eine Trommelstock oder ein Plektrum in der Hand hatte, verzweifelt, wenn er diese Band hört: Entweder übt man dann tüchtig, oder man gibt es einfach auf.

Nirvana Stay away (91) 3:32

Curt Cobain ist wohl der einflußreichste Musiker der 90er geworden. Wie immer bei solchen Personen, geht es nicht nur um sein musikalisches Werk (darum natürlich auch), sondern um all das wofür der Mensch steht. Aus Seattle kommend eröffneten Nirvana mit ihrem Album "Nevermind" den Reigen zum "Grunge". Aber nicht nur das: Jeder der gefragt wird oder auch nicht, betont, daß Cobain einen Einfluß auf die jeweils eigenen Songs gehabt hat. Bekannt ist: Curt hat sich leider den Kopf mit einer Schrottflinte weggeschoßen. Die Drogen bleiben halt eine gewisse Konstante in unserer kleinen Erzählung.

Red Hot Chilly Peppers Suck my Kiss (91) 3:35

Da ja alle beim Crossover kreuzen, kreuzen die Peppers auch. Angefangen als wirkliche Insider-Band (wer kennt niemanden, der Stolz behauptet, er habe die Peppers schon vor 10 Jahren gesehen), haben die Peppers mit dem Album "Blood, Sugar, Sex, Magic" den totalen Durchbruch geschafft. Eine Mischung aus Funk und Heavy, alles sehr tanzbar, ist das Erfolgsrezept der Peppers. Besonders charismatisch ist natürlichlich der Sänger (muß er ja sein, sonst wäre er ja nicht der Sänger), der sich auch schon als Schauspieler versucht hat ("Gefährliche Brandung").Ach ja: Berühmt geworden ist natürlich auch das Foto, auf dem die Band, ihrer damaligen Show entsprechend, ihren Schniddelwutz mit einem Socken überstülpen. Süß ne´?

Rage against the machine Bomb track (92) 4:04

Jetzt wird es richtig heftig. Linke (wenn es das noch gibt) und kompromißlose Texte, harter Sound und eine atemberaubende Live- Show. Der Sänger, Zack de la Rocha, macht manchmal einen etwas verwirrten Eindruck. Bei aller Kompromißlosigkeit in der Musik und den Texten kann man sich bei Rage manchmal nicht des Eindrucks erwehren, daß die Musiker nette Mittelschichtkids waren, die vor allem tüchtig auf ihren Instrumenten geübt haben. Trotzdem bleibt die erste Rage-Platte ein Meisterwerk und ist ein wichtiges Statement in den 90ern.

Oasis Life forever (94) 4:36

Oasis sind auch schon von allen tüchtig gelobt worden: Wichtigste Band des Brit-Pop und son´ Zeug. Man kann feststellen: Nicht schlecht bisher. Zwei wirklich gute Platten, alles klingt zwar nach den Beatles, aber die Beatles hätten ja ruhig noch zwei Platten mehr machen können. "Wonderwall" ist natürlich der Frühjahreshit 1996 gewesen. Keine Frage. Ansonsten sind vor allem die Gallagher-Brüder (Sänger & Gitarrist) ziemlich unsympathische Jungs, die immer behaupten sie wären besser als Pulp. Das stimmt zwar, muß aber doch nicht in aller Öffentlichkeit diskutiert werden.. Dafür sind sie - wie sich das für quasi-Beatles gehört - sehr britisch und können angeblich bemerkenswert viel saufen; wie eben alle Engländer.

Counting Crows Rain King (93) 4:16

Die Counting Crows beweisen, daß man nicht unsympathisch sein muß, um gute Songs zu schreiben. Die Platte, aus der das vorliegende Beispiel ausgesucht wurde (ihre Erste), wurde in ihrem Haus in L.A. aufgenommen. "August and everthing after" ist in jedem Fall die Platte des Jahre 1993: Das haben die Autoren einstimmig (von zwei möglichen Stimmen) beschlossen.

Spearhead Piece o´ Peace (94) 4:15

Michael Franti ist der Boß, Produzent, Sänger und Songschreiber von Spearhead. Die Band symbolisiert wunderbar den musikalischen meltingpot im Bereich Tanzmusik der 90er: HipHop, Soul, Funk und Reggae. Spearhead sind Schwarze, wobei man ähnlichen Sound auch von (weißen) Bands wie Galliano hören kann.

South Central Cartel Seventeen switches (94)

Bevor ihr Euch das Stück gebt, schaut erst mal das Foto von der Band an ...(300 K)

Sonst noch Fragen über Gangster-Rap? Rap ist die Musik zu den L.A. Riots. Schwarze schlagen zum Teil mit bitterem Rassismus gegen die Weißen zurück (Public Enemy), Tipper Gore, die Frau des Vizepräsidenten, will nordamerikanische Kids vor den bösen Rappern schützen. Die Musik polarisiert, ist politisch und dabei noch extrem tanzbar. Als ein Zweig des Rap verbrüdern sich jene Protagonisten mit weißen Heavys. Das Ergebnis ist auf der Filmmusik von "Judgment Night " zu hören.

Underworld Born slippy (95) 9:43

Es ist viel von Tanzmusik in den 90ern hier geschrieben worden. Alle Fragen: War da nicht noch irgendwas? Ja, da war noch irgendwas:House und Techno!! Wie das jetzt zu unterscheiden ist, überlassen wir dem geneigten Leser. Man kann sich ja nicht alles wissen. Sicher ist, daß für diese Musikrichtung der Einfluß von "Kraftwerk" und "Tangering Dream" (beides deutsche Band der 70er) nicht zu unterschätzen ist. Jene wurden dann in Detroit zu Techno verarbeitet. Der Interpret spielt bei House und Techno keine Rolle mehr, oder genauer: der DJ ist der Interpret. Einen kleinen Schnellkurs über Techno macht Ihr am besten bei der Berliner Loveparade. Wir geben Euch den Termin noch bekannt.

R.E.M. So fast so numb (96) 4:12

Ne´ richtig nette Studentenband. Selbst das REM plötzlich mit "Loosing my religion" zu Superstars wurden, kann man den Jungs nicht übel nehmen. Und: Trotz ihres Erfolgs, machen sie immer noch gute Platten und sind eine extrem gute Live-Band.

Hier endet die Geschichte der Rockmusik. Wir sind uns sicher, daß wir uns viele Feinde gemacht haben, daß ihr mit der Auswahl nicht zufrieden seid und daß ihr überhaupt alles besser wißt. So ist das wohl bei Musik (und Sport). Aber wir sollten eines nicht vergessen: Musik soll die Welt vereinen, friedlicher machen und Verständnis wecken. Rock ´n´ Roll macht die Welt netter. Trotzdem wollen wir - bei Bedarf - eifrig mit Euch über unsere Auswahl diskutieren. Bei Bedarf: Hier klicken. Nils und Markus

Natürlich können wir auch noch andere Spezialseiten nachlegen: Z.B. Frauen in der Rockmusik, die Gitarre und der Gitarrist, Deutsche und der Versuch Musik zu machen und Stofftiere in der Pop-Musik.Bis dahin ;-)

Nils & Markus

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Unser Diskussionsforum

Im folgenden nun die bisherige Diskussion über die Musikseiten, d.h. über Auswahl, Kriterien und einzelne Bands. Wer mit diskutieren will: kanzler@berlin.snafu.de

Markus Engels (kanzler@berlin.snafu.de) wrote:
Unter: http://www.fes.de/new_media/music/index.html findet ihr eine Interpretation der Geschichte der Rock- und Popmusic mit Songbeispielen, Fotos und Links.

Christoph:
Ganz nett, aber wieso wird ABBA nicht erwaehnt?

Markus Engels:
Weil ABBA scheisse ist.

Christoph:
Ah, OK, dann weiss ich, was von der WWW-Seite zu halten ist....

Markus Engels:
ABBA nicht zu moegen diskreditiert unsere gesamte Rock- und Popgeschichte?

Christoph:
Nein, aber wenn Du sie Aufgrund Deiner Abneigung trotz ihres mit Sicherheit sehr grossen Einflusses nichtmal erwaehnst, dann diskreditiert "das" Deine Seite.

Markus und Nils:
Lieber Christoph,
endlich sind wir auf der Ebene der Argumente (ich gebe zu, dass ich mit meinem ersten Beitrag nicht zu einer Versachlichung der Debatte beigetragen habe ;-) ).
ABBA hat ja zwei Seiten: Zunaechst ihr grosser Erfolg in den 70ern. Ich durfte damals als Kind mitverfolgen, wie ABBA eine Massenhysterie bei allen gutsituierten Spiessern ausgeloest hat. Sie gewannen damals den Grand Prix (Waterloo), ebenso wie Musiker wie Nicole (Ein bisschen Frieden) etc.. Fuer uns haben sie insofern keinen wichtigen Einfluss auf die Pop- und noch weniger auf die Rockmusik. Sie fallen in den Bereich Schlager. Dass nun in den 90ern ABBA eine Auferstehung durch Easy Listening erlebt hat und sie auf einmal Kult-Status geniessen (wie auch Boney M, Village People etc.), finden wir hoechstens lustig - nichts desto trotz wir ihren Einfluss gering schaetzen.


Rames:
Hi !
Habe mit Interesse Deine/Eure Auswahlliste der Popmusik gelesen. Sehr gut - jedenfalls eine der besten die ich bisher gesehen habe. Bis auf ein paar Dinge:

1. Elektronische Musik
fehlt mit ihren wichtigsten Interpreten Kraftwerk, Tangerine Dream, Ash Ra Tempel o.ae. Ist sehr wichtig fuer die 90er und sollte auf keinen Fall fehlen. Mein Vorschlag: Kraftwerk - Ruck Zuck
2. Psychedelic
Du hast Shine On... von Pink Floyd - ist allerdings 5 Jahre zu spaet. Pink Floyd waren am innovativsten in Ihrer Syd Barrett-Phase, oder wegen mir bis zur Ummagumma. Denke auch an die US-Westcoast/Acid-Ecke, die eine ganze Generation gerpaegt hat (Hippies, Grateful Dead, Jefferson Airplane, United States Of America) oder deutsche Bands wie die frühen Can mit ihren Meisterwerken 'Monster Movie' und 'Tago Mago'
3. Underground / Progressive Rock
Die Zeit zwischen Beat-Gedudel mit 2-3 Minuten Songs und Stadion-Rock a la ELP, Genesis, Saga, Supertramp war nur 5 Jahre kurz (1968-1973). In dieser Zeit durfte jeder alles spielen und auch veroeffentlichen. Jemand hat Progressive Musik mal beschrieben als: "Well, in the late 60's and early 70's, some brilliant instrumentalists got really fed up with playing 3 and a half minute songs about being in love. So they started to play 10 and a half minute songs about nothing in particular." Falls Du Beispiele brauchst stehe ich gerne zur Verfuegung.
4. Soul/Funk
Kommt in Deiner Aufstellung leider viel, viel zu kurz. Leute wie James Brown, Curtis Mayfield, George Clinton mit all seinen Projekten, die ganze Gruppe des Atlantic Soul (Aretha Franklin etc.), der Motown Sound (Temptations, Supremes, Martha & Vandellas), Phillysound - der Vorläufer der Disco-Musik a la Chic, Donna Summer usw. fehlt bei Dir. Ich würde mal sagen in einer Auswahlliste ueber Popmusik sollten Minimum drei, vier Interpreten/Titel aus dieser Richtung vertreten sein. Minimum! Wenn Du heute das Radio anmachst, weisst Du sofort warum.

Markus und Nils:
Lieber Rames,
bei einigem stimmen wir Dir zu - manchmal nicht:
1.Elektronische Musik
Super wichtig fuer die 90er, insbesondere fuer Techno. Wir wollten bei der Erweiterung der Seiten auf deutsche Musik Kraftwerk bringen (warum nicht "Ruck Zuck", wobei wir nur die "Man Machine" von Kraftwerk haben und damit eben nicht "Ruck Zuck", das muesstes Du uns schicken). Zu unserer Ehrenrettung: zumindest haben wir im Text auf Kraftwerk und Tangering Dream hingewiesen.
2.Psychodelic
Wir denken, da muss man trennen: Die Hippies einerseits und Psychodelic andererseits. Dass wir mit "Shine on your crazy diamond" die mainstram-Variante von Pink Floyd gewaehlt haben, gestehen wir. Es liegt wahrscheinlich daran, dass wir so viele schoene Erinnerungen mit der Platte verbinden. Ja, vielleicht sollten wir besser was aus der Syd Barrett-Phase nehmen.
Die Hippies: Auch wenn es Dich schockiert: Wir haben Carol King fuer die Hippies reserviert; allerdings auch Hendrix vom Woodstock-Konzert. Grateful Dead waere eigentlich ein Muss gewesen; allerdings hat dann da der individuelle Geschmack von uns durchgeschlagen. Und die "Deads"sind nicht unser Ding. Belehre uns eines Besseren!
3.Underground/Progressive Rock
Herrliches Zitat! Die 10 Minuten Soli habe wir natuerlich bei Deep Purple und Led Zeppelin. Aber das meinst Du wahrscheinlich nicht. Also, her mit den Beispielen, die Du meinst. Nur eine Frage noch: Diese 10 minuetigen Soli haben uns doch alle genervt, oder?
4.Soul/Funk
O.K. James Brown haette man bringen muessen. Wilson Pickett ist immerhin drin. Donna Summer hatten wir nicht, haben wir aber drueber nachgedacht ("Upside down" finde ich z.B. tierisch) als Beispiel fuer Disco. Dass der Einfluss von Motown, Atlanta-Soul und Philly enorm ist, ist unbestritten: Selbst wenn Du Dir Boygroups wie 3T anschaust, schlaegt das noch voll durch. Waerst Du denn mit Cool & ther Gang einverstanden? Ubrigens Disco: Da haben wir ja extra "Grease" genommen, auch wenn wir wissen, dass wir - wie so oft - die Schwarzen um ihren Einfluss gebracht haben. Wenn Du "Upside Down" hast, packe wir das noch rein. O.K.?

Rames:
Die Geschichte der Popmusik laesst sich auf die verschiedenste Art angehen:
Beispielsweise musikwissenschaftlich bzw. wer hat wann was zuerst so gemacht, die Anstoesse, Innovationen, Ideengeber - nur der musikalische Wert unabhaengig vom Bekanntheitsgrad oder gar kommerziellen Erfolg.
Nach der Frank Laufenberg-Methode 'was jeder heute noch kennt muss gut sein', bzw. 'was alle kaufen kann nicht schlecht sein' bzw. die Art der Auswahl wie sie das Posting in de.rec.music.misc, das die ganze Diskussion hier begruendet hat, also 'We Will Rock You', aufweist.
Es gibt auch die intellektuelle 'ich weiss Bescheid'-Methode a la Diedrich Diederichsen, mit den Eckpunkten Van Dyke Parks, Sun Ra und Alex Chilton (austauschbar), bzw. irgendeiner Doo-Wop-Platte vom Flohmarkt, die eigentlich das essentiellste Werk des fruehen bla-bla...
Deine Methode die Popmusik in Subgenres aufzuteilen und sich auf einen Vertreter zu einigen ist gut - aber was ist mit, sagen wir, John Cage ?
Musik und Zeitgeist ?? Backstreet Boys, Portishead oder Rammstein für die Neunziger?? Oder Hip Hop, Brit-Pop, Techno, Trip Hop, Unplugged, wir plündern die Musikgeschichte ?? Ecstasy oder Gras ?? Oder was hat Marianne Rosenberg mit Deep Purple gemeinsam ??
Ich habe juengst versucht die sog. Progressive Musik (1967-1975) mit all ihren Auspraegungen vom Mothers-Underground ueber Psychedelic Folk, Krautrock bis zur Kosmischen Musik und Symphonic Rock, mal in einer Auswahldiscographie zusammenzufassen. Den Zwischenstand kannst Du Dir gerne mal ansehen unter: ourworld.compuserve.com/homepages/rames/homeprog.htm.

Markus:
"Zuallererst sollten wir allerdings die Grundlage der Diskussion festlegen." (Rames)
Vielleicht ja, vielleicht nein. Wenn Du mal den "ABBA-Streit" weiter oben anschaust, wirst Du sehen, dass man auf sehr unterschiedlichem Niveau ueber die Seiten sprechen kann. Solche kleinen Spielereien, wie dort geschehen, kann man vermutlich nie ganz vermeiden und es ist ja o.k. wenn jeder sein irgendwie geartetes Statement abgibt. (Stichwort: offener Diskurs)
Aber grundsaetzlicher: Was wir versucht haben, ist eine Entwicklung in der Rockmusik aufzuzeigen. Wo kommt sie her, wo sind die roots, was waren Epochenbrueche? Dabei war schon wichtig, dass wir den Song/Interpreten mochten; allerdings war das nicht das ausschliesssliche Kriterium. (Die Seiten sind nicht meine Top 40 - das geht ja sowieso nicht, die Fragestellung ist schwachsinnig, oder nicht?)
Die Frage, die wir uns immer gestellt haben, war in der Tat die Vorgehensweise: Wir haben einen lauen Kompromiss geschlossen, da die Einschraenkung war, dass wir pro Jahrzehnt nicht mehr als 8 bis 10 Songs bringen. Das war bis zu den 60ern noch relativ leicht. In den 70ern, 80ern und 90ern wird es in der Tat schon schwieriger. Deshalb wollen wir ja dann ueber unsere Auswahl reden.
Die Kategorisierung die Du versuchst vorzunehmen, finde ich aufschlussreich, dabei bin ich aber nicht sicher, ob sie zur Strukturierung einer Diskussion hilfreich ist. Konkret:
"Beispielsweise musikwissenschaftlich bzw. wer hat wann was zuerst so gemacht, die Anstoesse, Innovationen, Ideengeber - nur der musikalische Wert unabhaengig vom Bekanntheitsgrad oder gar kommerziellen Erfolg." (Rames)
Musikalischer Wert ist immer schwierig: Ist Zappa das Genie, fuer den ihn alle halten, der Stichwortgeber fuer viele Stile oder sind es die Sex Pistols, fern von jeglichem traditionellen Verstaendnis von Musikkompetenz aber mit einem enormen impact fuer alles weitere nach ihnen?
Die Laufenberg´sche Methode wollen wir wohl nicht: Ich diskutiere nur ungern ueber irgendwelche Boygroups etc., nur weil sie kommerziell erfolgreich sind. Ich diskutiere dann ueber sie, wenn sie musikalisch, textlich etc. einen Einfluss haben.
"Es gibt auch die intellektuelle 'ich weiss Bescheid'-Methode a la Diedrich Diederichsen, mit den Eckpunkten Van Dyke Parks, Sun Ra und Alex Chilton (austauschbar), bzw. irgendeiner Doo-Wop-Platte vom Flohmarkt, die eigentlich das essentiellste Werk des fruehen bla-bla..." (Rames)
Dieterichsen lese ich gerne auf dem Klo. Ich vermisse aber immer: "Hey, die Platte ist geil, egal warum, sie hat wums ..." Zuviel Kopf fuer einen Gegenstand, der vor allem eins soll: Spass machen!
"Deine Methode die Popmusik in Subgenres aufzuteilen und sich auf einen Vertreter zu einigen ist gut - aber was ist mit, sagen wir, John Cage ?" (Rames)
Da sind wir in der konkreten Diskussion: Warum haben wir nicht John Cage drin, warum nicht Patti Smith, nicht Zappa, nicht Santana, nicht Cure ....
Ich werde das mit Nils diskutieren und spaeter darauf zurueckkommen. Was man allerdings schon jetzt sagen kann: Fuer jedes Jahrzehnt nur sowenige Songs als Beispiele nehmen zu koennen, heisst folglich "Mut zur Luecke".
"Musik und Zeitgeist ?? Backstreet Boys, Portishead oder Rammstein für die Neunziger?? Oder Hip Hop, Brit-Pop, Techno, Trip Hop, Unplugged, wir plündern die Musikgeschichte ?? Ecstasy oder Gras ?? Oder was hat Marianne Rosenberg mit Deep Purple gemeinsam ??" (Rames)
Unsere Rationalitaet in den 90ern ist relativ simple: Wir haben versucht die 90er mit den Begriffen "Independent" und "Crossover" auf den Punkt zu bringen: Die Begriffe sagen nichts mehr aus, alles ist erlaubt (die Vulgaer-Form der Postmoderne), man rappt mit Roberto Blanko und das ist dann KULT. Wichtig ist aber in der Tat, dass alte Stilelemente neu verknuepft werden. Insofern ist unsereserachtens "Living Colour" ein gutes Beispiel fuer die Mischung aus Funk, Soul und Heavy. (Natuerlich gibt es auch da - wir haben in unserem Text darauf hingewiesen - schon Vorlaeufer.) "Rage against the machine" und die "Peppers" sind andere Beispiele hierfuer.
Das andere ist dann "Independent": Alles, obschon auf Major-Labels erschienen, nennt sich so. Der Witz in den 90ern ist, dass Independent Mainstream wird. Das beste Beispiel dafuer bleibt natuerlich Nirvana. Dann haben wir noch die gesamte Dance-Schiene, wobei hierbei eine Kategorisierung uns aufgrund mangelden Wissens schwer gefallen ist: HipHop, TripHop, House, Rap, Techno, Dschungel .... Auch hier haben wir ein paar Beispiele, ueber die man geteilter Meinung sein kann. Kennst Du bessere?
Als ich 1995 in einem Club gearbeitet habe, gaben mir die DJs oftmals eine endlose Liste, welchen Sound sie den am Abend spielen wuerden. Es war koestlich, so ausfuehrlich auf die Frage "Was spielt ihr den heute abend" antworten zu koennen. Auf unseren Seiten haben wir versucht Beispiele fuer Rap, HipHop und House/Techno zu geben. Nils, der ein Spezialist fuer alle Stilarten des HipHop ist, musste gebremst werden, damit er nicht 25 Songbeispiele aus dem Genre in die Seiten packt.
Dass wir noch die "Counting Crows" und "REM" drin haben, liegt an der "Wiederentdeckung des Songs" in den 90ern. Die ganzen BritPop-Bands feiern das ja immer noch ab. Deshalb auch Oasis.

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