FES / Karl-Marx-Haus Trier / Geschichte
Portraitfoto Karl Marx 1875

Portraitfoto von Karl Marx
aus dem Jahre 1875

Blick in den Innenhof

Blick in den Innenhof

Die Geschichte des Karl-Marx-Hauses

Das Geburtshaus von Karl Marx wurde um 1727 als barockes Wohnhaus errichtet. Dem Vater Heinrich Marx diente das im April 1818 gemietete Haus als Büro für seine Anwaltstätigkeit, seiner Familie als Wohnhaus.

Das Haus in der heutigen Brückenstraße 10 erlebte mehrere Besitzerwechsel, Um- und Anbauten. Als Geburtshaus von Karl Marx geriet es in Vergessenheit. Erst 1904 gelang die "Wiederentdeckung": In der "Trierischen Zeitung" vom 5. April 1818 fand man die Anzeige von Heinrich Marx, worin dieser seinen Umzug in die damalige Brückergasse 664 mitgeteilt hatte.

Die Bemühungen der SPD, das Haus zu erwerben, zogen sich über Jahre hin. Mit Stolz berichtete die sozialdemokratische Zeitung "Volkswacht" am 26. April 1928 über den Ankauf des Hauses durch die SPD. Es sollte eine Erinnerungsstätte an Leben und Werk von Karl Marx und an die Geschichte der Arbeiterbewegung werden. Auf der Basis umfangreicher Vorstudien schuf der sozialdemokratische jüdische Architekt Gustav Kasel, der in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nach Palästina emigrierte, eine freie Rekonstruktion des einstmals barocken Wohnhauses.

In dieser Form von Vorderhaus und Hinterhaus mit verbindenden Laubengängen ist es zusammen mit dem von Kasel im französischen Stil neugestalteten Garten heute zu besichtigen.

Zur Eröffnung als Erinnerungsstätte kam es vor der nationalsozialistischen Machtergreifung nicht mehr. Im Mai 1933 beschlagnahmten die Nazis das ihnen verhasste Haus. Es wurde bis zum Ende der Nazizeit Verlagssitz des nationalsozialistischen "Trierer Nationalblattes" und Wohnsitz des Nazi-Kreisleiters. Alles, was in der Zeit vor 1933 für das geplante Museum gesammelt worden war, wurde von den Nazis vernichtet oder später in alle Winde verstreut.

Mit Hilfe eines internationalen Solidaritätskomitees wurde das Haus nach Kriegsende an die Sozialdemokratie zurückgegeben, die es 1947 als Erinnerungsstätte an Karl Marx eröffnete. 1968 vertraute die SPD das Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung an. Im selben Jahr, zum 150. Geburtstag von Karl Marx, eröffnete Willy Brandt, damals Parteivorsitzender der SPD und Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, dort eine Ausstellung zu dessen Leben und Werk. Am 100. Todestag von Karl Marx 1983 wurde das umfassend neu gestaltete Karl-Marx-Haus mit erweiterter Ausstellungsfläche wiedereröffnet. Die gegenwärtige, völlig neu konzipierte Ausstellung ist seit 2005 zu sehen.