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Unsere Projektarbeit in Jamaika

Bisher

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit der FES mit Partnern der englischsprachigen Karibik reicht bis ins Jahr 1972 zurück. Damals begann die Kooperation mit dem Caribbean Congress of Labour (CCL) und seinen Mitgliedsgewerkschaften, die dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) angehören. 1974 war dann die FES maßgeblich beteiligt an der Gründung und dem Aufbau des Caribbean Institute of Mass Communication (CARIMAC) an der Westindischen Universität in Kingston, Jamaika. Wesentliche Medienforschungs- und -produktionseinrichtungen sind der Unterstützung durch ein Projekt der Stiftung zu verdanken. Zahlreiche, heute z.T. renommierte Journalisten der Region erhielten als Studenten von CARIMAC FES-Stipendien.

Seit dem Jahre 1982 etablierten sich mit der Eröffnung des FES-Büros in Kingston allmählich die heute noch bestehenden Arbeitsbeziehungen mit den folgenden Partnerorganisationen: Der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Politologie und Soziologie, dem Institut für Sozial- und Wirtschaftforschung in Jamaika, Barbados und Trinidad & Tobago, der Schule für Aufbaustudien, dem Gewerkschaftlichen Bildungsinstitut (TUEI), CARIMAC und dem Institut für Internationale Beziehungen. Alle Einrichtungen sind zugleich auch Teil der University of the West Indies mit den drei Standorten (Campi) Kingston, Barbados und Port of Spain.

Hauptanliegen des Projekts war von Anfang an, einen Wissenstransfer und Meinungsaustausch zwischen den o.g. Institutionen und den wichtigsten politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Akteuren in der Karibik herzustellen. Dieser Erfahrungs- und Informationsaustausch stand neben gezielten Ausbildungs- und Trainingsprogrammen im Zentrum der Aktivitäten. Die Maßnahmen richteten sich an Politiker und ihre Parteien mit tendenziell sozialdemokratischer Ausrichtung. Später wurde die direkte Kooperation mit Parteien beendet. Das Partnerspektrum wurde erweitert, und die Zusammenarbeit mit Nicht-Regierungsorganisationen - sowohl auf lokaler (nationaler/kommunaler) als auch auf regionaler Ebene - wurde forciert.

Die bislang erzielten Erfolge beruhen auf Maßnahmen, die sich in vier Kategorien einteilen lassen:

  • Herstellung eines öffentlichen Dialogs auf breiter Basis
  • Unterstützung formaler Ausbildungsprogramme
  • Informationsaustausch, Forschung und Analysen
  • Publikationen.

Unsere Themen

Mittlerweile hat sich die FES zu einer allgemein anerkannten Institution entwickelt, die ein Forum für alle miteinander konkurrierenden politischen und gesellschaftlichen Kräfte zur Verfügung stellt. In einem Land wie Jamaika, in dem der politische Klientelismus das gängige Muster politischer Kultur ist, ist das besonders wichtig. Dieses Forum wurde (und wird) insbesondere auch von der akademischen "Gemeinde" genutzt, um sich im öffentlichen Dialog einzubringen, indem sie empirische Daten und kritische Analysen einspeist und ihn auf diese Weise mitgestaltet. Da sich die Kooperation mit der Westindischen Universität auf Jamaika, Trinidad & Tobago und Barbados zugleich erstreckt, haben alle Aktivitäten dieser Art immer auch eine regionale Dimension und regionalen Einfluß und wirken deshalb in bezug auf den regionalen Integrationsprozeß komplementär. In den letzten Jahren sind diese Art von Maßnahmen zunehmend mit Nicht-Regierungsorganisationen durchgeführt worden.

Ein Kooperationsbeispiel

Auf der Basis von Informationen, die die Partner- und Nicht-Regierungsorganisation CRIES in Nicaragua zur Verfügung stellte, erarbeitete Professor Norman Givan, Mitglied der Association of Caribbean Economists (ACE) im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung eine detaillierte Analyse und Synopse der verschiedensten Handels- und Kooperationsabkommen, die in den letzten 12 Monaten zwischen zentralamerikanischen Staaten, zwischen CARICOM, MERCOSUR und den G-3-Staaten unterzeichnet wurden bzw. kurz vor der Unterzeichnung standen.

Das Arbeitsergebnis diente dem FES-Büro als Grundlage zu einer Broschüre und einem offenen Workshop, der Ökonomen aus der ganzen Karibik (darunter Kuba, Haiti, Dominikanische Republik, Martinique), Diplomaten, NGOs, Gewerkschafter, Unternehmer, Regierungsvertreter, Parlamentarier und die Medien einbezog. Das Echo war entsprechend: die Ergebnisse der Untersuchung wurden als Serien in führenden Zeitungen in Jamaika und Barbados veröffentlicht. Der elektronische Nachrichtendienst von CRIES, "Noticias Integraciones", verbreitete sie in spanischer und englischer Sprache in ganz Zentralamerika. Last but not least wurden sie allen Bibliotheken der Universität, allen NGOs sowie Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen der Region zur Verfügung gestellt.

Formale Ausbildungsprogramme
wurden vor allem im Rahmen der Zusammenarbeit mit CARIMAC und dem Trade Union Education Institute (TUEI), beide auf dem Mona Campus der Universität in Jamaika angesiedelt, gefördert. Viele Medienpraktiker aus den CARICOM-Staaten haben die Unterstützung der FES bei ihrem Studium am CARIMAC-Institut genossen. Ihre Ausbildung erstreckte sich sowohl auf die Kommunikationstheorie als auch auf die journalistische Praxis, und einige Absolventen nehmen inzwischen Führungspositionen in den verschiedensten Medienunternehmen der Region ein. Am TUEI wurden Gewerkschafter für Leitungsfunktionen und das mittlere Management in ihren dem CCL (Caribbean Congress of Labour) angehörenden Organisationen qualifiziert. Wegen der knapper werdenden finanziellen Ressourcen kamen die Teilnehmer in letzter Zeit nur mehr aus Jamaika, aber die Bandbreite der Curricula wurde auf Themen wie Globalisierung, Arbeitsreform, Gender, internationaler Handel, internationale Verschuldung und Strukturanpassung ausgedehnt.

Der Austausch von Forschungsergebnissen, Analysen und Informationen
quer durch die ganze, von vier Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch und Niederländisch) beherrschte Region konzentriert sich hauptsächlich auf die Wirtschaftswissenschaftler. Er begann mit einem Forschungsprojekt über Verschuldung in ausgewählten Ländern der Karibik und Zentralamerikas und wurde fortgeführt mit Arbeiten über regionale Integration und regionalen Handel. Die Zusammenarbeit mit Ökonomen der verschiedenen Universitäten mit unterschiedlichen Sprachen war eine besondere Herausforderung. Sie griff mit Erfolg gemeinsame regionale Probleme auf und führte zu einer Reihe von Regionalkonferenzen, in die auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler aus Kuba und Haiti einbezogen wurden, die bis dahin aus allgemein bekannten Gründen vom regionalen Dialog ausgeschlossen waren. Diese Konferenzen forcierten auch die Mitarbeit und Beteiligung diverser nationaler Vereinigungen von Ökonomen (insbesondere der in Haiti, Curacao, St. Kitts, Kuba und Trinidad & Tobago). Ein wichtiges Merkmal dieser Aktivitäten waren die aktive Teilnahme und die konstruktiven Beiträge von verantwortlichen Regierungsrepräsentanten aus Zentralbanken, Finanzministerien oder Planungsbehörden.

Unsere Publikationstätigkeit
verbindet die drei zuvor genannten Tätigkeitsfelder. Das Büro in Kingston bemüht sich darum, daß allen Ausbildungsmaßnahmen gutrecherchierte und -dokumentierte Informationen zugrunde liegen, die am Ende in Publikationen münden. So entstanden inzwischen über zwanzig regional verbreitete Veröffentlichungen zu aktuellen, entscheidenden Problemen. Sie stellen einen wichtigen entwicklungspolitischen Beitrag dar, zumal alle Bücher kostenlos abgegeben werden und ein Angebot an Ausbildungseinrichtungen für Fortgeschrittene und Graduierte darstellen. Viele der Bücher sind inzwischen Pflichtlektüre in den Universitäten. In Zeiten, in denen es für die Mehrheit der Studierenden immer schwieriger wird, die Kosten für ihre Universitätsausbildung zu tragen, wird dieses Angebot der FES besonders dankbar angenommen.

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