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Halle 2

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Das Industriezeitalter


Das Industriezeitalter oder dessen Beginn, der mit Industrieller Revolution umschrieben wird, äußert sich in einer Vielzahl kleiner und mittlerer Revolutionen, die im Gesamtbild den Epochenbruch ausmachen.

Technische Innovationen können Epochenbrüche auslösen und damit Ursache für eine bestimmte Entwicklung sein; ebenso können bestimmte Erfindungen aber auch Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Wertigkeit sein.

Jay D. Bolter beschreibt in diesem Zusammenhang zwei entgegengesetzte Ansätze, die den Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Kultur und Technologie zu erklären suchen:

"Sollen wir behaupten, daß Technologien einen kulturellen Wandel bestimmen (...) (oder) daß die Kultur die Technologie bestimmt?"

Beides ist möglich und denkbar: Die Erfindung der Dampfmaschine und der Bau der Eisenbahn kann als die Ursache für einen verstärkten Handel und Massenproduktion gewertet werden; oder der gesellschaftliche Wert der Effizienzsteigerung und der Mobilität kann dazu führen, daß bestimmte Technologien erst entwickelt und verstärkt gefördert werden.

Diese Streit kann und soll hier nicht entschieden werden: Es sollen nur einige technische und gesellschaftliche Phänomene dargestellt werden, ohne daß eine unmittelbare Kausalität unterstellt wird. Sicher ist, daß alle Phänomene wechselseitigen Einfluß aufeinander hatten und sich gegenseitig verstärkten.

Als Beispiel für solche Innovationen, die im 18. Jahrhundert stattfanden, seien nur einige beispielhaft im folgenden genannt:

  • Eine wichtige Ursache für das beginnende Industriezeitalter sind die technisch-wissenschaftlichen Entwicklungen im 18. Jahrhundert.
  • Der Ausbau der Kommunikation hilft die Provinzialität der Lebensverhältnisse und die regionalen Begrenzungen zu überwinden. Erst so wird die Industriegesellschaft kreiert, die sich selbst als solche wahrnimmt.
  • Auch die Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft, die durch den Einsatz von neuen Düngemitteln und Anbaumethoden erreicht werden konnte, trug dazu bei, daß es zu einem enormen Bevölkerungswachstum kam. Dieses wurde durch hygienische und medizinische Fortschritte noch verstärkt, weil es zu einem Rückgang der Sterblichkeitsrate kam.
  • Aber neben den rein technisch-wissenschaftlichen Entwicklungen kommen gesellschaftlich-soziale Faktoren hinzu, die erst das Industriezeitalter zu einem Epochenbruch werden lassen: Die Landflucht in Verbindung mit einer Verstädterung, das Aufkommen sozialer Bewegungen, die sich insbesondere in den neu entstandenen Arbeitersiedlungen ausbreiten. Dies schlägt sich in der Arbeiterbewegung wieder, die eine der maßgeblichen sozialen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts wird.
  • Grundlage von sozialen Bewegungen sind philosophisch-soziologische Ideen und Ideologien, die den Versuch unternehmen, die Ganzheit der technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in einer Metatheorie zu erfassen. Die Ideen der Moderne sind eng mit dem Industriezeitalter verbunden.

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