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Halle 12

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Kunst und Künstliches im Informationszeitalter


Technische Entwicklungen haben naturgemäß Auswirkungen auf die Kunst: Diese reflektiert und kommentiert einerseits neue Entwicklungen; gleichzeitig macht sie sich die Möglichkeiten der Technologie zunutze: Man denke an das Entstehen der Photographie als Kunstform, an die Geschichte des Films oder an Videokunst, die abhängig von einer technischen Innovation waren. So auch die Computer-, neue Medien- oder Internet-Kunst. Sie gibt vielleicht mit ihren Visionen, Utopien und Spielereien schon einen Ausblick auf das, was uns im Informationszeitalter erwarten wird.

Im folgenden werden Beispiele gezeigt, an denen jeder selbst entscheiden kann, ob durch das Internet eine neue Kunstform entsteht, die das Informationszeitalter repräsentiert:

  • Literatur: "Der Autor ist tot", heißt es in der Postmoderne. Und die Prognosen, die jene "Theorie" schon vor 2 Dekaden gegeben hat, scheinen im Hypertext Wirklichkeit geworden zu sein. Jene Texte, die im World Wide Web abgelegt sind, sind nicht manifest, da sie durch Links einer ständigen Veränderung unterliegen, die der Autor selbst nicht beeinflussen kann (es sei denn es werden keine Links geschaltet, womit man allerdings nicht der Logik des Mediums entspricht). Jedes Photo, jedes Bild oder jedes Lied, welches in den vorausgegangen Räumen der Ausstellung verlinkt worden ist, kann in wenigen Tagen oder Stunden von dem entsprechenden Server heruntergenommen worden sein: Damit verändert sich aber der geschrieben Text selbst, die Konnotation eines geschrieben Satzes durch die Änderung des Verweises.
    Und ein Weiteres ist wichtig: Der Leser selbst wird zum Autor. Es obliegt jedem selbst, wie eine vorliegende WWW-Seite gelesen wird. Wird ein Link verfolgt und damit das eigentliche Werk verlassen? Wird der Text linear von oben nach unten gelesen? Wird Einfluß genommen, indem man per e-mail seinen Kommentar an den Autor einreicht, der diesen ggf. an seinen Text anhängt?
    All dies verändert die Kultur des Buches, wie sie seit der Erfindung des Buchdrucks etabliert worden ist. Als Beispiel für ein kooperatives interaktives Buch sei auf Spielzeugland verwiesen.
    Wem die klassische Literatur dann doch lieber ist, schaue in die Shakespeare Gesamtausgabe inklusive Stichwortverzeichnis.

  • Musik: Virtuelle Bands, in denen jeder teilnehmen kann und mit einer frei gewählten Identitäten (männlich, weiblich, groß, klein etc.) mit Musikern aus aller Welt musizieren und jammen kann. Ein Beispiel: Die Res Rockets , ein MOO, in dem sich alles um Musik dreht.

  • Leben als Kunst ist eine Idee, die schon Joseph Beuys (1921-1986) verfolgt hat: Im Internet stellen User Kameras in Räume und geben jedermann Einblick in ihren privaten Lebensbereich oder in andere Räume. Dabei kann in unserem Beispiel die Kamera selbst vom User verstellt werden. Hier.

  • Film: Ein Film, in dem man selbst die Abfolge einer Handlung beeinflußt ist eine Zielvorstellung innerhalb der neuen Medien. Unsere Beispiel ist ein Film, der aus mehreren tausend Links besteht, wobei man die Abfolge, den Ausschnitt und das Tempo selbst bestimmt. Klick hier , um den etwas verwirrenden Streifen zu sehen.

Die Unterteilung in einzelne Kunstrichtungen ist eine traditionell (moderne) Herangehensweise. Multimediale Kunst lebt davon, daß Schrift, Bild, Musik, Film miteinander verknüpft werden und das man selbst aktiv eingreifen kann. Man lese das selbst genauer nach oder suche sich andere Links aus dem Bereich Cyber-Kultur.

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