Politik und Gesellschaft Online
International Politics and Society 1/2002


Zu diesem Heft

De gustibus non est disputandum. Das gilt auch für das neue, weniger strenge Gewand, in dem INTERNATIONALE POLITIK UND GESELLSCHAFT mit Beginn ihres neunten Lebensjahres erstmals daher kommt. In der Redaktion wurden die Neuerungen kontrovers genug diskutiert und das Resultat ist keineswegs ein Konsensprodukt. Jenseits aller subjektiven Vorlieben für Farben, Formate, Schrifttypen und Raumaufteilungen, die keine geringe Rolle spielten bei der Neueinkleidung unserer Zeitschrift, haben wir aber versucht, einiges objektiv zu verbessern. Wir meinen, die Seiten sind jetzt leserfreundlicher, die Einfügsel im Text erleichtern den Zugang zu den Artikeln, die Stichpunkte auf dem „Buchrücken“ geben schon dem flüchtigen Blick den Inhalt zu erkennen.

Für die Innovation war ein Preis in Form von Platzeinbuße zu entrichten. Wir wollen ihn möglichst klein halten, indem wir von jetzt ab auf die französischen und deutschen Zusammenfassungen am Ende der Ausgabe verzichten. Auf unserer Homepage (www.fes.de/ipg) wird man aber auch in Zukunft die meisten Aufsätze auf deutsch zusammengefasst finden.

Die IPG-Homepage lohnt auch sonst einen Besuch. Man findet dort vieles, wofür die Zeitschrift selbst keinen Platz bietet oder wofür sie mit ihrem vierteljährlichen Erscheinungsrhythmus zu langsam ist. Und man findet dort die laufend aktualisierten Themenseiten „Weltpolitik / Krieg und Frieden“, „Globalisierung und Gerechtigkeit“ und „Europäische Einigung“. Zur Zeit bietet die IPG-Homepage außerdem eine Zusammenstellung von Analysen, Kommentaren und Hintergrundinformationen zu den Ursachen und den Konsequenzen der Terroranschläge des 11. September 2001. 

„Der Tag, der die Welt veränderte“, diese Formel entsprang nicht nur journalistischem Dramatisierungsgehabe. Sie entsprach dem spontanen Empfinden sehr vieler Menschen in jenen Tagen. Mittlerweile hat sich die gewaltige Staubwolke, die der Anschlag auf das World Trade Center aufgewirbelt hat, auch im übertragenen Sinn gelegt. Allmählich kann man wieder klarer sehen und unterscheiden zwischen dem, was – traumatische – Episode bleiben könnte, und dem, was auf Dauer anders sein wird. Man wird gewahr, dass die Ereignisse des 11. September für Entwicklungen stehen, die seit langem eingeleitet sind, die man vordem aber nicht so recht sehen wollte. Möglicherweise hat der 11. September diese Entwicklungen, indem er sie abrupt sichtbar machte, auch beschleunigt. INTERNATIONALE POLITIK UND GESELLSCHAFT legt eine Reihe von Versuchen vor, die Ereignisse in längerfristige Zusammenhänge einzuordnen. Ins Blickfeld rücken dabei die säkulare Moderne und ihre fundamentalistischen Gegner, die Politik des verwundeten und als verwundbar erkannten Hegemonen USA, die Neugewichtung von Nationalstaat und wirtschaftlicher Globalisierung sowie die Perspektiven für jene Region, in der die islamische und die westliche Welt stets am direktesten aufeinander stießen.

Unter dem Eindruck des 11. September gewinnt auch das veränderte Verhältnis von Krieg, Völkerrecht und nationalem Rechtsstaat an Bedeutung. Robert C. van Ooyen zeigt, wie vor allem die Rechtsstaatlichkeit auf der Strecke zu bleiben droht.

Auch nach dem 11. September 2001 werden Probleme das Weltgeschehen strukturieren, die mit dem internationalen Terrorismus oder dem Konflikt zwischen westlichen und anderen Kulturen nichts zu tun haben. Eines davon, „Global Aging“, bildet den zweiten Schwerpunkt dieser Ausgabe. Noch vor kurzem fürchtete man die Übervölkerung der Welt. Beunruhigen sollten heute eher die Perspektiven, die sich aus der längst eingeleiteten Umkehr dieser Entwicklung ergeben: dem bevorstehenden gleichzeitigen Bevölkerungsrückgang aller Industrieländer und vieler wichtiger Entwicklungsländer.

Der Redaktion von INTERNATIONALE POLITIK UND GESELLSCHAFT ist am Urteil ihrer Leser gelegen. Schreiben oder „mailen“ (ipg@fes.de) Sie uns, z.B. was Sie von unserer neuen Erscheinungsform halten.


© Friedrich Ebert Stiftung | net edition malte.michel | 1/2002