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Frauenpolitik nach Peking
Das Aktionsprogramm der Vierten Weltfrauenkonferenz
Positionen-Vernetzungen-Konsequenzen


Vorwort

Die 4. Weltfrauenkonferenz im September 1995 in Peking stellte einen Höhepunkt in der Serie von UN-Konferenzen seit Rio dar. Über 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten die Veranstaltung zur größten Konferenz in der Geschichte der UN: Zum NRO-Forum reisten 27.000 Teilnehmerinnen, zur Konferenz neben 5.000 Delegierten aus 189 Ländern 4.000 NRO-Vertreterinnen sowie 3.200 JournalistInnen.
Ziel der Konferenz und des Forums der NROs war es, die während der 3. Weltfrauenkonferenz 1985 in Nairobi entwickelten Zukunftsstrategien hinsichtlich der weltweiten Umsetzung zu überprüfen und einen Aktionsplan für ihre beschleunigte Umsetzung zu erarbeiten.
Zentrales Dokument ist die Aktionsplattform, ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zum Abbau der weltweiten Diskriminierung von Frauen. Um die Bedürfnisse und Interessen von Frauen weltweit in den Entwurf der Plattform einzubringen, wurden 5 regionale Vorbereitungskonferenzen veranstaltet, an denen sich neben RegierungsvertreterInnen zahlreiche NROs beteiligten. Während des gesamten Vorbereitungszeitraums trafen sich Frauen und Frauenorganisationen in unzähligen Workshops, in denen sie gemeinsame Strategien und Verhandlungspositionen abstimmten, um auf den Vorbereitungsprozeß und die Konferenz Einfluß nehmen zu können.
Seit Mitte der 80er Jahre gewinnt die Frauenförderung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit an Bedeutung. Dabei geht es vor allem um die Verbesserung der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, damit Frauen gleichberechtigt an der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung ihrer Länder mitwirken können. Die 1994 verabschiedeten "Leitlinien zur Frauenförderung in der Internationalen Entwicklungszusammenarbeit der Friedrich­Ebert­Stiftung" zeigen auf, welchen Beitrag die Stiftung in allen Arbeitsbereichen, d.h. der gesellschaftspolitischen und gewerkschaftlichen Zusammenarbeit, der Wirtschafts- und Sozialentwicklung sowie der Medienzusammenarbeit zur Verbesserung des Status von Frauen in der Dritten Welt leisten will.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat den Vorbereitungsprozeß für die 4. Weltfrauenkonferenz durch zahlreiche Aktivitäten begleitet:

    in vielen Projektländern unterstützte die Stiftung die nationalen Vorbereitungen für die Konferenz;
    während der regionalen Vorbereitungskonferenz für Afrika in Dakar, Senegal führte das Büro der Friedrich­Ebert­Stiftung begleitende Maßnahmen für NRO-Vertreterinnen aus dem Partnerspektrum durch;
    internationale Konferenzen und Workshops in Deutschland und den Projektländern dienten dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung zwischen Frauen in Deutschland und in Entwicklungsländern;
    das Büro New York produzierte ein Video über die Lobbyarbeit der NROs im System der Vereinten Nationen während der Vorbereitung von Weltkonferenzen.
Durch zahlreiche der in der Apktionsplattform verabschiedeten Strategien sieht die Friedrich­Ebert­Stiftung ihre Arbeit bestätigt und will daher auch im Nachbereitungsprozeß zur 4. Weltfrauenkonferenz ihren Beitrag leisten. In der Entwicklungszusammenarbeit wurden in regionalen Konferenzen in Lateinamerika, Westafrika und Asien Netzwerke von Frauenorganisationen und Frauen aus dem Partnerspektrum der Stiftung dabei unterstützt, die Ergebnisse von Peking kritisch auf ihre Umsetzungsmöglichkeiten zu überprüfen und Aktionspläne für die folgenden Jahre zu erarbeiten. Die Ergebnisse der 4. Weltfrauenkonferenz sollen darüber hinaus in den Aktivitäten der FES zur Frauenförderung in ihrer Projektarbeit berücksichtigt und umgesetzt werden.
Die Aktionsplattform hat alle wesentlichen analytischen Befunde, die entscheidenden Handlungsansätze und Instrumente vorausgegangener Konferenzen aufgenommen und die daraus folgenden Verpflichtungen und Strategien konkretisiert. Die Generalsekretärin der 4. Weltfrauenkonferenz, Gertrude Mongella, hat in ihrem Schlußwort in Peking die Aufgabenstellungen der 4. Weltfrauenkonferenz als Ausgangspunkt einer sozialen Revolution und als kritischen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit bezeichnet.
Eine wesentliche Voraussetzung für den Nachbereitungsprozeß ist die breite Information über Ziele und Inhalte der Aktionsplattform von Peking. Wie im Dokument mehrfach hervorgehoben wird, ist es vor allem die Aufgabe der NROs, die nationale Umsetzung der verabschiedeten Ergebnisse zu beobachten, zu kontrollieren und voranzutreiben.
Der vorliegende Leitfaden macht die engen Verknüpfungen zwischen der Aktionsplattform und den Beschlüssen der anderen großen Vorbereitungs-Konferenzen sichtbar und nachvollziehbar. Die verschiedenen deutschen Übersetzungen der Konferenzdokumente von Rio bis Peking haben diese Zusammenhänge bisher eher verdunkelt. So ist z.B. der für alle Konferenzdokumente zentrale Ansatz der "nachhaltigen Entwicklung" (sustainable development) in der Aktionsplattform als "bestandfähige Entwicklung" übersetzt.
Darüber hinaus will dieser Leitfaden den umfangreichen Katalog von Analysen und Zielen der Aktionsplattform zusammenfassen und erschließen und damit für die politische Praxis verfügbar machen.

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