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Frauenpolitik nach Peking
Das Aktionsprogramm der Vierten Weltfrauenkonferenz
Positionen-Vernetzungen-Konsequenzen


Kapitel III
Die zwölf Kapitel der Pekinger Aktionsplattform: Frauenagenda für das einundzwanzigste Jahrhundert

2 Bildung und Ausbildung von Frauen: Überall muß Diskriminierung überwunden werden
Analyse

Grundbildung für Millionen Frauen und Mädchen immer noch unerreicht
"Bildung ist ein Menschenrecht und ein wesentliches Instrument zur Erreichung von Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden." In der Lebenswirklichkeit hat dieses Menschenrecht, auf das sich die Plattform beruft, für Frauen weniger Geltung als für Männer. In der Analyse der Grund- , Aus- und Weiterbildungschancen von Mädchen und Frauen weist die Plattform nach, daß es in allen Ländern - pauschal oder selektiv wirkende - Diskriminierungsmechanismen gibt.

Über 660 Millionen weibliche Analphabeten
Mehr als zwei Drittel der 960 Millionen erwachsener Analphabeten sind Frauen. Etwa 100 Millionen Kinder haben immer noch keinen Zugang zur Grundschulbildung, davon sind "mindestens 60 Millionen" Mädchen. Diskriminierung steckt auch in Lehrplänen, die einseitige Rollenverständnisse vermitteln.
Schon für Mädchen gibt es eine Doppelbelastung von Beruf und Familie. Wegen dieser Überlastung verschlechtern sich ihre Schulleistungen. Mädchen brechen die Schule vorzeitig ab und werden viel zu früh Ehefrauen und Mütter. Im Bildungs- und Ausbildungssektor sind die gleichen Mechanismen wirksam, die auch für den schlechteren gesundheitlichen Status der Frauen und Mädchen ursächlich sind und ihre Ent-wicklungschancen einschränken.

Diskriminierung ist systembedingt
Analphabetismus und generell schlechtere Zugangsbedingungen sind vor allem Probleme der Entwicklungsländer. Der weitgehende Ausschluß der Frauen von Technik und Naturwissenschaft gilt weltweit. Er wird durch das Bildungssystem selbst verursacht. Die Diskriminierung wirkt durch Inhalte, Vermittlungsformen und Rollenklischees. Sie untergraben überall das Selbstwertgefühl von Mädchen, weil ihnen bestimmte Fähigkeiten, besonders in Mathematik und den Naturwissenschaften, nur bedingt zugetraut werden. Gerade naturwissenschaftliche Lehrpläne orientieren sich an einem einseitigen Rollenverständnis. "Naturwissenschaftliche Lehrbücher gehen nicht auf die täglichen Erfahrungen von Frauen und Mädchen ein, und Wissenschaftlerinnen finden darin keine Anerkennung." Dadurch werden geschlechtsspezifische Barrieren vor naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen errichtet. Der Anteil von Frauen in der Forschung und bei der Entwicklung neuer Technologien ist daher verschwindend gering. Um Mädchen und Frauen aktiv in die technische und industrielle Entwicklung zu integrieren, ist Chancengleichheit in den entsprechenden Erziehungsbereichen zwingend erforderlich. Das setzt ein "völlig anderes Konzept der beruflichen und technischen Ausbildung" voraus.

Strategien und Maßnahmen
Alle äußeren und inneren Barrieren abbauen
Unter der generellen Forderung, die geschlechtsspezifischen Wirkungen des gesamten Bildungssystems wahrzunehmen, verpflichten die sechs strategischen Ziele und die siebenundfünfzig Maßnahmen die Regierungen darauf,

  • geichberechtigten Bildungszugang zu schaffen
  • das Analphabetentum zu beseitigen
  • die systembedingten inneren Barrieren abzubauen
  • das gesamte Angebot für Mädchen und Frauen zu erschließen
  • Rechenschaft über das Erreichte abzulegen.

    Stufenplan für Grund- schulbildung bis 2015
    Bis zur Jahrtausendwende soll der gleichberechtigte Zugang zur Grundschulbildung für alle Kinder realisiert werden und eine Abschlußquote von 80 Prozent erreicht sein. Bis zum Jahr 2015 soll die Grundschulbildung für alle gesichert sein.
    Strukturanpassungs- und Sanierungsprogramme dürfen nicht zu Lasten von Bildungsinvestitionen gehen. Die Mittel sollen möglichst aufgestockt werden.

    Gleichberechtigte Frauen- beteiligung am Bildungswesen
    Frauen müssen uneingeschränkt und gleichberechtigt an der Bildungspolitik und an den Entscheidungsprozessen im Bildungswesen beteiligt werden. So auch bei der Konzeption von Lehrplänen und bei der Organisation von Berufsberatung, die Mädchen zum Vordringen auf neues Terrain beruflicher Möglichkeiten ermutigt. Es geht darum, "sicherzustellen, daß Frauen jeden Alters sich das Wissen, die Fähigkeiten, die Fachkenntnisse und die ethischen Werte aneignen können, die sie zu ihrer Entfaltung und ihrer uneingeschränkten und gleichberechtigten Teilhabe am sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungsprozeß benötigen."
    Bildungsinhalte sollen zur gerechten Lastenverteilung innerfamiliärer Pflichten zwischen Jungen und Mädchen und zu gegenseitigem Respekt beitragen. Auch Jungen sollen zur Mitverantwortung und Zusammenarbeit im Haushalt erzogen werden.

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