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Frauenpolitik nach Peking
Das Aktionsprogramm der Vierten Weltfrauenkonferenz
Positionen-Vernetzungen-Konsequenzen


Kapitel III
Die zwölf Kapitel der Pekinger Aktionsplattform: Frauenagenda für das einundzwanzigste Jahrhundert

10 Frauen und Medien: Medien zur Frauenförderung einsetzen
Analyse

Technischer Wandel bietet neue Chancen
In den letzten zehn Jahren ist durch Fortschritte in der Informati-onstechnologie ein globales Kommunikationsnetz entstanden, "das Landesgrenzen überschreitet und sowohl die Politik als auch private Einstellungen und Verhaltensweisen, insbesondere von Kindern und jungen Erwachsenen, beeinflußt." In diesem Wandel sieht die Plattform große, noch nicht ausgeschöpfte Chancen: "Das Potential für einen weit größeren Beitrag der Medien zur Förderung der Frau ist überall vorhanden."

Frauenfeindliche Strukturen bestehen fort
Neue Möglichkeiten sind entstanden, geblieben aber sind die alten Strukturen. Zwar sind Frauen in den Medien mittlerweile stärker vertreten, aber nur wenige in leitenden Positionen und Gremien, in denen Medienpolitik gemacht wird. In den zehn Jahren seit Nairobi hat sich auch, was die Darstellung von Frauen in den Medien angeht, nichts wesentliches geändert. Immer noch beherrschen die alten Geschlechterklischees und erstarrten Rollenmuster das Bild. Mit diesem Befund begründet die Pattform ihren Anspruch auf Veränderung: "Die nach wie vor übliche Verwendung negativer und entwürdigender Bilder von Frauen in den Medien... muß sich ändern. In den meisten Ländern zeigen die Druck- und elektronischen Medien kein ausgewogenes Bild der vielfältigen Lebensformen und gesellschaftlichen Beiträge von Frauen in einer sich wandelnden Welt."

Mehr technische Kompetenz und gestalterischen Einfluß für Frauen
Frauen brauchen nicht nur mehr Einfuß auf Inhalte, auf Programmgestaltung und Medienpolitik, sie brauchen auch einen besseren Zugriff auf Informationstechnologien, die sich seit Nairobi entscheidend weiterentwickelt haben. Beides zusammen, technische Kompetenz und gestalterischer Einfluß, wird Frauen "verstärkt in die Lage versetzen, negative Darstellungen von Frauen international zu bekämpfen und Fälle des Machtmißbrauchs durch eine zunehmend einflußreiche Industrie anzuprangern." Neben Selbstkontrollmechanismen für die Medien müssen Konzepte für eine Programmgestaltung entwickelt werden, die von Vorurteilen über Geschlechterrollen frei ist und ihnen entgegenwirkt.

Strategien und Maßnahmen
Volle und gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen fördern
Die Regierungen sind aufgerufen, die volle und gleichberechtigte Mitwirkung von Frauen in den Medien zu fördern. Das gilt auch für den Zugang zum Management, zur Programmgestaltung, zu Ausbildung und Forschung. Bei der Ernennung ihrer Vertreter in den Leitungs- und Aufsichtsgremien der Medien sind die Regierungen gehalten, sich um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern zu bemühen.
Die Programmproduzenten sollen ermutigt werden, mehr Programme von und für Frauen zu machen. Die Medien sollen sich in sozialen und entwicklungspolitischen Fragen stärker engagieren und dabei die Interessen und Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen. In diesem Zusammenhang nennt die Plattform auch die Berichterstattung über verschiedene Kulturformen autochtoner Bevölkerungsgruppen.

Stereotype Leitbilder aufbrechen
Frauen sollen mitwirken an Selbstkontrollmechanismen, die eine klischeefreie Frauendarstellung in den Medien sicherstellen. Bereits die Journalistenausbildung muß stereotypen Frauenbildern entgegenwirken. Frauen dürfen nicht als minderwertige Wesen dargestellt werden, deren Ausbeutung als Sexualobjekt oder Ware legitim erscheint. Zu vermitteln ist im Gegenteil die Einsicht, daß sexistische Stereotypen eine Form entwürdigender Diskriminierung sind. Um gegen Pornographie und die Darstellung von Gewalt gegen Frauen und Kinder vorzugehen, hält die Plattform Rechtsvorschriften für erforderlich.

Mehr Aufmerksamkeit für Frauenanliegen
Allerdings sollen Medien und Werbung nicht nur auf die Darstellung von Gewalt oder Diskriminierung verzichten, sie sind darüber hinaus auch aufgefordert, den existentiellen Anliegen aller Frauen mehr positive Aufmerksamkeit zu widmen. Medienkampagnen sollen für die gemeinsame Erledigung der Familienaufgaben im Sinne einer fairen Lastenverteilung zwischen den Geschlechtern werben. Frauen dürfen in den Medien nicht - wie zur Zeit noch vorherrschend - auf bloß passive Konsumentinnen reduziert werden, sondern sie sollen in positiv besetzten, aktiven Rollen als "kreative Menschen, als wichtige Akteure und als Träger und Nutznießer des Entwicklungsprozesses" erscheinen.

Medienkampagnen gegen Gewalt und für Menschenrechte
Bessere Aufklärung über Gewalt gegen Frauen und Mädchen im öffentlichen Leben wie in der Familie soll helfen, die Gewaltbereitschaft zu verringern. Um die Menschenrechte von Frauen im öffentlichen Bewußtsein stärker zu verankern, müssen geeignete Medienkampagnen konzipiert und durchgeführt werden.
Die Medien sollen interne Kommissionen berufen, die für einen höheren Stellenwert von Frauenanliegen in der Berichterstattung sorgen.

Netzwerke für weltweiten Frauendialog schaffen
Frauenorganisationen, andere NRO und die Berufsverbände sollen Netzwerke schaffen, die Frauen eine intensivere Beteiligung im internationalen Kommunikationsprozeß ermöglichen. Der Süd-Süd- und der Nord-Süd-Dialog zwischen diesen Organisationen sollen gestärkt werden, um die Menschenrechte von Frauen besser zu schützen und die Gleichberechtigung zu fördern. In diesen Netzwerken sollen auch traditionelle, einheimische Ausdrucksformen eingesetzt werden, um entwicklungspolitische und soziale Inhalte zu vermitteln.

Die Mediennetzwerke von Frauen, die dem Gedankenaustausch und der Informationsverbreitung dienen, bedürfen auch internationaler Förderung. Unterstützung verdienen auch neue Kommunikationssysteme, die mehr Frauen Teilnahme an demokratischen Prozessen ermöglichen.

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