II. Frauenförderung- Eine politische Querschnittsaufgabe

In zahlreichen Ländern ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Frauenförderung gestiegen: Frauenministerien, für Gleichstellungsfragen zuständige Behörden, Frauenabteilungen in Parteien, Gewerkschaften und Verwaltungen sind eingerichtet und damit politisch-institutionell abgesichert. Für die Verankerung von Frauenförderung als politische Querschnittsaufgabe erweist sich die Integration in einheimische Strukturen als wichtiger Schritt. Regionale, nationale und internationale Konferenzen gehören zur politischen Tagesordnung wie die vielfältigen Programme und Projekte zur Förderung von Frauen.
Die neuentstandenen Strukturen sind jedoch keine Garantie für nachhaltige und strukturelle Fortschritte. Weder werden Gleichstellungsprinzipien in Sektorpolitiken und Programme umgesetzt, noch finden notwendige Kampagnen zum Abbau soziokultureller Diskriminierungen statt. Insgesamt bleibt die politische Umsetzung von offiziellen Frauenförderprogrammen unbefriedigend. In einigen Ländern werden diese Programme nur durch "exogene Faktoren" stark vorangetrieben werden. Frauenförderung zählt zu den Förderschwerpunkten der Geber, die entsprechende finanzielle Ressourcen zur Verfügung stellen. Erfahrungen zeigen, daß die Existenz von Frauenförderplänen und -programmen noch lange nicht bedeutet, daß diesen von politischen Entscheidungsträgern auch Priorität eingeräumt wird. Trotz des wachsenden Bewußtseins über die Benachteiligungen von Frauen mangelt es oft am politischen Willen, Frauen an gesellschaftspolitischen Entscheidungen zu beteiligen und ihre spezifischen Interessen bei der Planung und Implementierung von Sektorpolitiken ausreichend zu berücksichtigen. Allgemein hat sich die Zahl der "natürlichen" Ansprechpartner erhöht und damit die Chancen für eine frauengerechte Ausgestaltung der Entwicklungs- und Gesellschaftspolitik.
In den frühen Phasen internationaler Frauenförderung wurden Frauen als passive Nutznießerinnen des Entwicklungsprozesses betrachtet. Basierend auf westlichen Stereotypen von Kleinfamilie und ökonomisch abhängigen Frauen gingen die Konzepte davon aus, daß Frauen über Sickereffekte von der Förderung des männlichen Haushaltsvorstandes profitieren würden.
Erst mit der Grundbedürfnisstrategie wurde die wichtige wirtschaftliche Rolle von Frauen im Hinblick auf die Befriedigung des täglichen Grundbedarfs anerkannt. Gleichzeitig setzte sich die Erkenntnis durch, daß ohne Veränderung der familiären, wirtschaftlichen und politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen Frauenfördermaßnahmen nur wenig bewirken können. Für die internationale Frauendekade (1975-1985) wurde daher die Forderung nach Integration der Frauen in den Entwicklungsprozeß erhoben.
Frauen sollen nicht nur verbesserte Möglichkeiten zur Teilhabe an der Entwicklung ihrer Länder erlangen, sondern gleichzeitig auch von ihr profitieren. Frauenförderung darf sich nicht mehr nur auf frauenspezifische Projekte beschränken, denn jede Veränderung im Interesse von Frauen muß eine Veränderung in der Männerrolle mit sich ziehen. Eine nachhaltige Verbesserung zu Gunsten der Situation von Frauen impliziert, daß die bestehenden Machtverhältnisse verändert werden. Zum Abbau der Diskriminierung müssen auch die Männer die Notwendigkeit erkennen, die Macht mit den Frauen zu teilen. Dies impliziert, daß in frauenfördernde Maßnahmen Männer als Zielgruppe einbezogen werden müssen.

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