2.4 Projektdurchführung und Maßnahmenkonzeption

In die Planung der Projektdurchführung und die Maßnahmenkonzeption müssen die zuvor gewonnenen Informationen einfließen.
Insbesondere müssen die kulturellen und traditionellen Verhaltensweisen berücksichtigt werden, dabei sollte aber gleichzeitig auf ein Abbau aller Aspekte der traditionellen Geschlechterrollen angestrebt werden, die die individuelle und gesellschaftliche und politische Entwicklung von Frauen einschränken oder verhindern. Auch in Europa war der bis heute erreichte Stand der Gleichstellung von Frau und Mann vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar. In zahlreichen Projektländern legen Männer Veto ein, wenn sie mit Projektaktivitäten der Ehefrauen nicht einverstanden sind oder vertreten Frauen in Kooperativen, weil Frauen ohne männliche Begleitung das Haus nicht verlassen dürfen. Vielfach benötigen Frauen für die Teilnahme an Projektaktivitäten auch die Zustimmung des Mannes. Neben einer entsprechenden Sensibilisierungsarbeit bei den Männern sollten unter solchen Voraussetzungen die Projektaktivitäten von lokalen Expertinnen, die als Ortskräfte oder Kurzzeitexpertinnen eingestellt werden, durchgeführt werden. Darüber hinaus sollten Ansprechpartnerinnen identifiziert werden, die als Multiplikatorinnen ein größeres Frauenspektrum erreichen.
Neben soziokulturellen Faktoren ist die Beteiligung von Frauen an Projektaktivitäten vor allem durch ihre Mehrfachbelastung durch Kinderbetreuung, Haus- und Erwerbsarbeit erschwert oder sogar verhindert, insbesondere, wenn Maßnahmen sich über mehrere Tage erstrecken und weit entfernt vom Wohnort stattfinden. Die Maßnahmengestaltung muß darauf abgestimmt werden, um die Projektzielerreichung nicht zu gefährden, z.B. durch Berücksichtigung des verfügbaren Zeitrahmens der Frauen, das Angebot von Kinderbetreuung und die Wahl von dezentralen Veranstaltungsorten.
Damit Frauen trotz der zahlreichen Hinderungsgründe zu einer Teilnahme an Projektaktivitäten motiviert und aktiviert werden, muß die Themenauswahl auf ihre Interessen abgestimmt werden. Die Problemanalyse und -bewertung sowie die Erarbeitung von Lösungsansätzen müssen dabei aus Sicht der Frauen erfolgen. Die thematischen Schwerpunkte sollten sich daher nicht nur auf klassische Frauendomänen konzentrieren, sondern auch die Möglichkeiten eröffnen, neue Themen flexibel aufzugreifen.

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