2.2 Geschlechterspezifische Informationsgrundlagen

Die Umsetzung von Frauenförderung in der Projektarbeit scheiterte in der Vergangenheit häufig an einer eher oberflächlichen Analyse der Ausgangsbedingungen. Häufig wurde von stereotypen westlichen Familienmodellen ausgegangen, auch die Betrachtung der Situation und Probleme von Frauen erfolgte überwiegend aus westlichem Verständnis. Unzureichende Informationen über die Realitäten führen zu falschen Annahmen über die Hintergründe, die für die Situation von Frauen verantwortlich sind.
Für erfolgreiche Frauenförderung sind profunde Kenntnisse über die länderspezifische Situation der Frauen unbedingt notwendig, da die unzureichende Berücksichtigung bestehender Gesellschafts- und Familienstrukturen die Projektdurchführung erschweren oder sogar unmöglich machen können. Für die Projektarbeit bedeutet dies, daß zunächst ausreichend Kenntnisse über die Geschlechterrollen bzw. die Bedürfnisse, Interessen und Zwänge von beiden Geschlechtern im Projektumfeld vorliegen müssen (z.B. geschlechtsspezifische Verantwortlichkeiten, Entscheidungsbefugnisse und Kontrollrechte, Haushalts- und Familienstrukturen, geschlechtsspezifische Zugangsrechte zu Land, Produktionsmitteln und Vermögen, ethnisch-religiöse Faktoren).
Um die Informationsdefizite abzubauen und eine verbesserte Planungs- und Handlungsgrundlage zu erhalten sollten die folgenden Ansätze verfolgt werden:
Beauftragung von Kurzzeitexpertinnen mit der Durchführung von geschlechtsspezifischen Studien über die landesspezifische Situation von Frauen;
Analyse der bisherigen Erfahrungen in der Projektarbeit im Hinblick auf Faktoren, die eine Umsetzung der Frauenförderung behindern bzw. fördern;
Dialog mit Partnerorganisationen, die engagiert im Bereich Frauenförderung arbeiten, um deren Informationen über die Situation von Frauen und Erfahrungen in der Maßnahmenkonzeption und -durchführung in die Projektarbeit einfließen zu lassen.

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