1.4 Wirtschaftliche Aktivitäten von Frauen
Projektbeispiel Honduras: Förderung weiblicher Selbsthilfegruppen durch Verarbeitung von Maranon (Cashew-) Nüssen
Projektbeispiel India:Förderung weiblicher Selbsthilfegruppen durch Verarbeitung von Maranon (Cashew-) Nüssen

Sowohl der wirtschaftliche Druck als auch das steigende Interesse von Frauen führen dazu, daß Frauen stärker durch Erwerbsarbeit zum Familieneinkommen beitragen. Ungünstige Ausgangsbedingungen, z.B. durch unzureichende Schul- und Berufsbildung, unsichere Rechtssituation und die Notwendigkeit der Kinderbetreuung führen dazu, daß Frauen häufig keinen festen Arbeitsplatz finden bzw. in schlecht entlohnten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Vielfach bietet sich als Beschäftigungsalternative nur der informelle Sektor. Fehlender Zugang zu notwendigen Produktions- und Fremdfinanzierungsmitteln und Unkenntnis über produktionstechnische und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erschweren aber auch hier die Einkommenssicherung.
Insbesondere bei der Durchführung von Programmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Frauen lassen sich die Auswirkungen vor Aufnahme der Aktivitäten in der Regel nicht in ihrer Gesamtheit abschätzen. Damit gewinnt die laufende Evaluierung der Projektergebnisse, insbesonderegb18
im engen Kontakt mit den Frauen zur Identifikation neu entstehender Probleme und die gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen an Bedeutung. Insgesamt ist davon auszugehen, daß die Initiierung bzw. Verbesserung einkommensschaffender Aktivitäten von Frauen deren individuelle Arbeitsbelastung erhöht. Es sollten daher Überlegungen angestellt werden, wie dieser unerwünschten Entwicklung begegnet werden kann, z.B. durch die Einführung arbeitssparender Techniken.
Zur Verbesserung der Produktions- und Einkommensmöglichkeiten für Kleinunternehmerinnen kann das folgende Projektinstrumentarium eingesetzt werden:
Beschaffung von Informationen über die vor allem Kleinunternehmerinnen diskriminierenden Rahmenbedingungen als Basis für die Entwicklung von Maßnahmenprogrammen zu deren Abbau;
verstärkte Einbeziehung von Kleinunternehmerinnen bei Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zur Vermittlung produktionstechnischer und betriebswirtschaftlicher Kenntnisse;
Identifikation von Marktsegmenten für von Frauen produzierte Produkte; dies sollte allerdings nicht nur auf traditionelle Frauenaktivitäten beschränkt bleiben;
Erschließung bzw. Verbesserung des Zugangs zu Krediten durch die Initiierung/Unterstützung von Spar- und Kreditprogrammen. Neben der Einrichtung von Kreditgarantie- oder Revolvingsfonds kann dabei auch die Unterstützung bei der Kreditantragstellung oder das Erschließen externer Finanzierungsquellen interessant sein. Existierende Fondsprogramme sollten Frauen aktiv in die Förderung miteinbeziehen.
Abbau der wirtschaftlichen Diskriminierung durch Förderung funktionsfähiger und politisch wirksamer Stellvertretungsstrukturen wie Verbänden und Selbsthilfeorganisationen, die engagiert die Interessen von Kleinunternehmerinnen vertreten. Durch Lobbystrukturen sollte auch verfolgt werden, eine rechtliche Absicherung des Zugangs zu wichtigen Produktionsmitteln wie Boden zu garantieren.
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Projektbeispiel: Honduras
Förderung weiblicher Selbsthilfegruppen durch Verarbeitung von Maranon (Cashew-) Nüssen
Ziel des Projektes ist die Schaffung von Arbeitsplätzen für Frauen in der Produktion von Trockenfrüchten und Nüssen aus der Cashew-Frucht zur Steigerung des Familieneinkommens. Der Pilotcharakter dieses Ansatzes besteht in der Herstellung eines neuen Produktes mit Hilfe einer
arbeitsintensiven Technik. Das Projekt befindet sich in der Südprovinz Choluteca, deren klimatische, soziale und ökonomische Bedingungen diese dichtbevölkerte Region zu einem Notstandsgebiet machen.
Zentrales Problem ist der Mangel an Arbeitsplätzen, insbesondere für Frauen, die in den meisten Familien Haushaltsvorstände sind.
Frauen haben traditionell keinen Zugang zu Land. Saisonale Beschäftigung finden sie meist nur als Tagelöhnerinnen in den Exportplantagen, Zugang zu einem festen Arbeitsplatz besteht aufgrund fehlender Ausbildung, häufig sogar fehlendem Primarschulabschluß nicht.
Zielgruppen sind besonders benachteiligte Landfrauen ohne Landbesitz und Kleinbauern (campesinos), die am Rande des Existenzminimums leben und wirtschaften.
In den 70er Jahren initiierte die Amerikanische Entwicklungsbank ein Projekt mit dessen Hilfe über 2000 ha Land mit Cashew-Bäumen bepflanzt wurden. Diese Bäume sind hervorragend an das extreme Klima der Region angepaßt. Eigentümer des Landes sind Campesinogruppen, die das Land über die Agrarreform zugeteilt bekommen haben. Teil des Projektes sollte eine Fabrikanlage zur Verarbeitung der Nüsse und zur Ölgewinnung aus den Nußschalen sein. Die Fabrik gibt es bis heute nicht. Die Pflanzungen werden nur zu einem sehr geringen Teil über das bestehende Frauenprojekt zur Herstellung von Trockenfrüchten systematisch genutzt. Auf der anderen Seite besteht ein großes, weitgehend ungenutztes Potential der Cashew-Nußpflanzungen. Die gut verarbeitete Cashew-Nuß wird auf dem internationalen Markt (USA und Europa) sehr stark nachgefragt und verfügt über ein außerordentlich hohes Potential an Wertschöpfung.
Unter den dargestellten Rahmenbedingungen begann die FES 1985 die Zusammenarbeit mit mehreren informellen Frauengruppen, die sich später zur Frauenkooperative "La Surenita" zusammenschlossen. Ziel der ersten Projektphase (1985 - 1991) war die Schaffung von 100 - 200 Teilzeitarbeitsplätzen für Frauen durch die Produktion von Trockenfrüchten. Dieses Programm wurde im Laufe des Jahres 1990 um die Nußverarbeitung erweitert. Neben der Gewinnung und Röstung der Nuß wurde dabei auch das hochwertige Schalenöl extrahiert. Die Teilzeitarbeitsplätze konnten in feste ganzjährige Arbeitsplätze umgewandelt werden. Während der ersten Projektphase wurden insgesamt 3 Nußverarbeitungsanlagen sowie 5 Verarbeitungsanlagen zur Herstellung von Trokkenfrüchten gebaut.
Die nußverarbeitenden Anlagen sind dem technischen und organisatorischen Wissen der Ziel-
gruppen und den lokalen Gegebenheiten angepaßt. Es werden lokale Baustoffe verwendet, die Öfen arbeiten brennholzsparend. Die Umweltverträglichkeit des Projektes ist durch umfangreiche Aufforstungsmaßnahmen gewährleistet. Durch die vermehrte Nutzung der Cashew-Pflanzungen werden die Baumbestände wieder gepflegt und tragen zur Verbesserung des Microklimas bei.
Da der Markt für die Nüsse vorhanden ist, wurden zu Beginn des Jahres 1991 zwei weitere Anlagen errichtet. Der Markt erweitert sich sprunghaft durch das Interesse des honduranischen Marktes und der GEPA in Deutschland an diesem Produkt.
Während der zweiten Projektphase von 1992 - 1995 werden weitere Frauengruppen miteinbezogen und weitere Produktionsanlagen gebaut. Durch die Einrichtung eines Fonds zur Vorfinanzierung des Ankaufes der stark nachgefragten Rohnüsse während der relativ kurzen Ernte-
periode von Januar bis April konnte damit eine ganzjährige Kapazitätsauslastung der Produktionsanlagen gewährleistet werden.
Neben der produktionstechnischen Unterstützung betreut die Friedrich-Ebert-Stiftung die Frauengruppen durch Beratung u.a. zur Einrichtung des Rechnungswesens für die Genossenschaft, rechtlichen Aspekten und zur Einrichtung eines Konsumladens.
Die Wirkungen des Projektes für die Zielgruppe und darüber hinaus für die Dorfgemeinschaften sind äußerst vorteilhaft. Durch die Nutzung vorhandener, nicht genutzter Ressourcen konnten feste Arbeitsplätze für Frauen und indirekt auch für Männer geschaffen werden.
Neben den ökonomischen Verbesserungen zeichnet sich aber auch ein Wandel in der Akzeptanz der Arbeit der Frauen durch die männliche Dorfbevölkerung ab. Die Frauenkooperative "La Surenita" erweiterte ihre Aktivitäten der Verarbeitung der Cashew-Frucht zu Trockenfrüchten erfolgreich um die Nußverarbeitung. In den ersten Jahren des Aufbaus hatten die Männergruppen nur Spott und bestenfalls ein nachsichtiges Lächeln für die Arbeit der Frauen. Als die Frauen im Verlauf des Projektes als einzige in der Gemeinschaft ein kleines, aber festes Einkommen nachweisen konnten, wandten sich die Männer mit der Bitte um Unterstützung an die Kooperative. Das dabei erzielte gegenseitige Einvernehmen stellt in diesen noch sehr traditionell denkenden und handelnden Gemeinden einen Schritt von großer Bedeutung dar.
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Projektbeispiel: Indien
Kreditfonds für Frauen "Nari Nidhi"
Für die Einrichtung des Kreditfonds, der gemeinsam mit der Partnerorganisation ADITHI konzipiert wurde, stellte die FES 1990 ca. DM 70.000 zur Verfügung. ADITHI arbeitete bereits seit langem mit Frauengruppen in der Provinz Bihar. Kredit für die Aufnahme bzw. Verbesserung ihrer kleinbetrieblichen Aktivitäten konnten Frauen zuvor nur über Mittelsmänner zu Wucherzinsen und ausbeuterischen Bedinungen erhalten, die nicht selten zu lebenslanger Schuldknechtschaft führten.
Zielgruppe des Fonds sind unternehmerisch tätige Frauen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, die keinen Zugang zum formalen Bankensystem haben und sich in Frauenselbsthilfegruppen zusammengeschlossen haben.
Der Fonds vergibt Kredite an Frauenselbsthilfegruppen, die seit mindestens einem Jahr von ADITHI betreut werden und sich bereit erklären, die strengen Anforderungen des Fondsstatuts zu akzeptieren. Die Gruppen, die gegenüber dem Fonds gesamtschuldnerisch haften, geben die Kredite an ihre Mitglieder weiter. Die Kreditlaufzeit beträgt ein Jahr, wobei in monatlich gleichen Raten zurückgezahlt wird.
Durch einen Zinssatz von z.Zt 12% werden Verwaltungskosten und Inflationsverluste gedeckt. Kreditvergabe und -rückzahlung werden dabei von ADITHI überwacht. Gemeinsam mit der Kreditrückzahlung muß eine bestimmte Sparquote zur sozialen Absicherung von z.Zt. 15% eingezahlt werden.
Bis Ende 1993 erhielten ca. 2000 Frauen Kredite im Volumen von DM 20 bis 100; die Rückzahlungsquote liegt bei über 90%.
Aufgrund des konsequenten Managements von ADITHI und die intensive Begleitung des Spar- und Kreditprogramms durch die FES durch Trainings- und Schulungsmaßnahmen sowie den Einsatz von Kurzzeitexperten hat sich der Fonds sehr positiv entwickelt. 1994 gelang es, vom National Credit Fund for Women einen Kredit von DM 90.000 zur Aufstockung der Fondsaktivitäten zu erhalten. Langfristig ist die Umwandlung von Nari Nidhi in eine intermediäre Finanzorganisation bzw. eine eigenständige Bank geplant.
Die Ergebnisse der Studien werden dabei auch anderen Kreditfonds in anderen Bundesstaaten Indiens zur Verfügung gestellt.

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