1.2 Verbesserung des Rechtsstatus von Frauen
Projektbeispiel:Förderung des Rechtsbewußtseins von Frauen in Ecuador

Obwohl Frauen in fast allen Ländern formalrechtlich den Männern gleichgestellt sind, sieht die Realität in der Regel anders aus. Insbesondere in den ländlichen Regionen vieler Länder sind traditionelle und gewohnheitsrechtliche Verhaltensweisen erhalten geblieben, die häufig im Widerspruch zu den verfassungsmäßig und gesetzlich garantierten Rechten, z.B. im Hinblick auf Eigentum, Erbschaft etc. stehen.
Häufig sind Frauen, z.B. aufgrund ihres Ausbildungsstandes oder unzureichende Rechtsberatungssysteme nicht in der Lage, ihre Rechte einzufordern, obwohl sie selbst die Ungerechtigkeit empfinden. Dabei wirken sich besonders Trennungs- und Scheidungssituationen problematisch auf die wirtschaftliche und soziale Situation vieler Frauen aus.
Um einen Beitrag zur Verbesserung der rechtlichen Situation von Frauen zu leisten bieten sich verschiedene Ansätze:
Förderung von Organisationen, die Frauen direkten Rechtsbeistand bieten und sie über ihre Rechte aufklären;
Veröffentlichung von Publikationen, die Frauen über ihre Rechte aufklären und Kontakte zu einem Rechtsbeistand eröffnen;
Durchführung von öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen, z.B. in Medien oder durch Dialogveranstaltungen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen;
Unterstützung von Vorhaben zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen von Frauen, insbesondere im Rahmen der in vielen Ländern eingeleiteten Demokratisierungsprozesse und Verfassungsdiskussionen;
Verbesserung der Partizipation von Frauen im politischen Entscheidungsprozeß, damit sie Einfluß auf die Gesetzesgebung nehmen können sowie Sensibilisierung von Entscheidungsträgern für diese Problematik
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Projektbeispiel

Förderung des Rechtsbewußtseins von Frauen in Ecuador
Der Projektpartner CEPAM (Centro Ecuatoriano Para La Promocion Y Accion De La Mujer) ist als unabhängige Frauenorganisation seit ca. 10 Jahren auf dem Gebiet der Rechtsberatung von Frauen praktisch tätig und bemüht, den Frauen ihre gesetzlich verankerten Rechte bewußt zu machen. Ziel der in 1985 begonnenen Zusammenarbeit ist die Verbesserung der Situation der Frauen in den Armenvierteln ecuadorianischer Groß- und Mittelstädte durch die Stärkung ihrer Rechtssituation. Konkrete Einzelziele betreffen die:
Schaffung eines breiten Rechtsbewußseins zugunsten dieser Zielgruppe und Verbesserung des geltenden Rechtes,
Unterstützung von Frauenorganisationen in den Armenvierteln beim Aufbau von Aufklärungs- und Beratungsaktivitäten
In der Anfangsphase wurden vor allem Einzelfallberatung mit dem Ziel durchgeführt, die konkreten Problemlagen zu identifizieren. Danach wurden in dem sich rasch von Quito auch auf weitere Groß- und Mittelstädte Ecuadors ausweitenden Projekt stärker eine gezielte Organisationsberatung und breite Aufklärungsaktivitäten gefördert. Infolge konzeptioneller Weiterentwicklungen haben sich als wichtige Handlungsfelder folgende Schwerpunkte herausgebildet:
Beratung und Unterstützung von hilfesuchenden Frauen:
großer Beratungsbedarf besteht für Frauen in Trennungs- und Scheidungssituationen, da häufig die verfassungsrechtlich festgelegten Unterhaltsregelungen nicht eingehalten werden. Für die Beratungsleistungen muß an CEPAM ein Honorar entrichtet werden.
Juristische und psychologische Unterstützung erhalten Frauen von CEPAM auch gegen männliche Gewalt. In Kooperation mit verschiedenen staatlichen Stellen konnte ein Frauenhaus für mißhandelte Frauen und Kinder sowie ein Gesundheitszentrum eingerichtet werden.
Aus der Erfahrung vieler außergerichtlicher Einigungsbemühungen hat CEPAM auch ein juristisches und psychologisches Beratungsprogramm für Männer eingerichtet.
Aus- und Fortbildung von Orientadoras Legales:
In speziellen Kursen erhalten Frauen, die von den Frauen der Stadtteilorgansationen ausgewählt werden, grundlegende juristische Informationen zur Stärkung der Selbsthilfe in alltäglichen Konfliktsituationen. In ihrem sozialen Umfeld nehmen diese Orientadoras Legales als Multiplikatorinnen eine wichtige Funktion in der justirischen Beratung wahr.
Organisationsberatung von Fraueninitiativen aus Armutsvierteln:
CEPAM bildet auch Multiplikatorinnen anderer Frauenorganisationen aus und stellt das bisher erworbene Know-How anderen Frauenorganisationen beim Aufbau von Rechtsberatung in anderen Städten zur Verfügung.
Entwicklung (öffentlichkeitswirksamer) Initiativen, die auf Verwirklichung der rechtlichen Gleichstellung von Frauen hinwirken:
neben der Erstellung von zielgruppenspezifischem Diffusionsmaterial und der Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten und Medienarbeit versucht CEPAM durch die Beratung staatlicher (Rechts-)Organisationen wie Justiz, Kongreß, Regierung und Gemeindeverwaltungen, auch auf diesen Ebenen eine größere Sensibilisierung für die Probleme der Zielgruppe zu schaffen und Ansätze zur Verbesserung von deren Situation anzuregen.
Zur erfolgreichen Arbeit werden auch die CEPAM-Mitarbeiter mit Beratungsfunktion kontinuierlich weitergebildet. Das sektorübergreifende Projekt hat auf verschiedenen Ebenen positive Wirkungen und wichtige Ziele erreicht: Verbesserung der Gesetzgebung und Rechtsprechung, Rechtsberatung und Vermittlung von juristischen Kenntnissen an Frauen aus unteren sozialen Schichten. Da das Beratungskonzept von CEPAM selbsthilfeorientiert ist, werden Frauen dazu befähigt, sich und anderen Frauen innerhalb eines bestimmten Rahmens selbst zu helfen. Über Bewußtseins- und Informationsarbeit trägt CEPAM zur Verbesserung der gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Frauen und Kindern bei.

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