1.1.3 Mitwirkung von Frauen in Gewerkschaften
Projektbeispiel:Politisches und Gewerkschaftliches Frauenprojekt in Argentinien

Die weltweit steigende Erwerbstätigkeit von Frauen schlägt sich auch in einer beständig anwachsenden Zahl weiblicher Gewerkschaftsmitglieder nieder, ohne daß dies größeren Einfluß auf der Entscheidungsebene zur Folge hat; auf der Führungsebene von Einzelgewerkschaften, Dachverbänden und internationalen Zusammenschlüssen sind Frauen weiterhin kaum präsent. Auch wenn diese Kritik von Seiten der überwiegend männlichen Gewerkschafter häufig mit dem Hinweis auf das geringe Interesse von Frauen an der Gewerkschaftsarbeit bzw. dem Mangel an qualifizierten Frauen beantwortet wird, muß auch berücksichtigt werden, daß in der Vergangenheit die Aktivitäten vieler Gewerkschaften nur unzureichend auf die Vertretung der Interessen von Arbeitnehmerinnen ausgerichtet waren. Dies wiederum wirkt sich negativ auf die Motivation von Frauen aus, sich gewerkschaftlich stärker zu engagieren.
Internationale Gewerkschaftsorganisationen wie der IBFG und die Internationalen Berufssekretariate erklärten vor einigen Jahren die Frauenförderung zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit. Dies spiegelt sich in der Themensetzung zahlreicher regionaler und internationaler Maßnahmen wieder. In der FES-Arbeit vor Ort könnten diese Maßnahmen national vorbereitet bzw. durch ein nationales Follow-up unterstützt werden. Darüber hinaus bieten sich zahlreiche weitere Ansatzpunkte für die Umsetzung der Frauenförderung in der Gewerkschaftsarbeit:
Identifizierung neuer Arbeitsbereiche der Gewerkschaftsarbeit durch verstärkte Berücksichtigung von frauenrelevanten Themen wie spezielle Schutzbestimmungen, Kinderbetreuung, etc. Besonders wichtig ist hierbei auch die Durchsetzung der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Für die Frauen muß deutlich werden, daß ihre Probleme anerkannt und ihre Themen- und Lösungsvorschläge hierzu aufgegriffen werden.
Durchführung regelmäßiger nationaler und internationaler Frauenkonferenzen, um die Vernetzung zwischen den gewerkschaftlich aktiven Frauen zu fördern.
Gezielte Förderung gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse im informellen Sektor - unter besonderer Einbeziehung der Frauen kommen hier neue Aufgaben auf die Gewerkschaften zu.
Darüber hinaus sollte auch die Zusammenarbeit mit NGO's erwogen werden, die die Interessen von Arbeitnehmerinnen verfolgen.
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Projektbeispiel
Politisches und Gewerkschaftliches Frauenprojekt in Argentinien
Die Arbeit zur Frauenförderung im Gewerkschaftsbereich begann 1986 und wurde ab 1989 durch Aktivitäten für Frauen in politischen Parteien ergänzt.
Oberziel des Projektes ist eine verstärkte Partizipation von Frauen in politischen Parteien und Gewerkschaften. Einzelne Projektziele sind dabei:
verstärkte qualitative und quantitative Präsenz von Frauen in der Diskussion und Erarbeitung von Politiken in den politischen Institutionen im Sinne von "Frauensicht" in der Politik
Politische Frauenbildung und Schaffung von Führungskompentenzen
Intensiver Kontakt und Erfahrungsaustausch zwischen politisch engagierten Frauen
Diskussion der aktuellen Themen in der Arbeitswelt (u.a. neue Formen der Arbeitsorganisation, Tarifverhandlungen, Flexibilisierung)
Konsolidierung von Frauengremien in Einzelgewerkschaften bzw. im Gewerkschaftsdachverband. Zielgruppen sind in politisch und gewerkschaftlicher Arbeit aktive Frauen, insbesondere:
Frauen aus den mittleren Instanzen der Radikalen Partei (UCR) und der Unidad Socialista (Sozialistische Einheit aus PSP und PSD) sowohl in Buenos Aires als auch in Provinzen
Frauen von reformorientierten Parteien in Cono Sur, die im Bereich Frauenpartizipation besonders aktiv sind und sich praktisch aber auch theoretisch mit der Thematik befassen.
Gewerkschaftsführerinnen sowie Gewerkschaftsdelegierte und aktive Mitglieder reformorientierter Gewerkschaften.
Projektpartner sind die Frauen der zum progressiven Flügel der UCR gehörenden Fundacion Karakachoff, Frauen der Unidad Socialista sowie reformorientierte Gewerkschaften (Druckerge-werkschaft, Fernseh- und Medien-Ge-werkschaft) und FOCAI, eine Gruppe von Gewerkschaftsführerinnen,die sich unabhängig von den Gewerkschaften seit
1989 in diesem Forum zusammengeschlossen haben. Über diese Partner werden insgesamt ca. 250 Frauen durch das Projekt in Buenos Aires und den Provinzen erreicht.
Zur Erreichung der gesetzten Ziele werden vor allem Seminare auf nationaler und regionaler Ebene für die verschiedenen Zielgruppen durchgeführt. Methodisch wird großer Wert auf partizipative Ansätze sowie analytische und planungsbezogene Ansatzweisen gelegt. Themen in 1992 waren z.B. die Erarbeitung von Strategien nach Einführung der Quotenregelung mit Frauen der UCR, eine Situationsanalyse zum Stand der Gesetzgebung über Frauen und Familie mit Frauen der Unidad Socialista. Im regelmäßig stattfindenden "Foro Cono Sur" treffen Frauen aus den Gewerkschaften der südlichen Länder Lateinamerikas zum Informationsaustausch und zur Erarbeitung übergreifender Aktionspläne zusammen. Darüber hinaus werden Diskussionsforen zu aktuellen Themen wie der Frauenquote, Frauenförderplänen, Frauen und Macht, etc. statt. Input für diese Foren bilden u.a. Publikationen, die zu den entsprechenden Themen erstellt werden.
Qualitativ konnte seit Aufnahme des Programms ein Beitrag zur Kontinuität der Frauenarbeit in allen Institutionen geleistet werden. Die Inputs zu neuen Themen wie der Frauenquote wurden positiv aufgenommen. Einen direkten Beitrag liefert das Projekt bei der Konsolidierung der Frauensektretariate der beteiligten Gewerkschaften.
Hauptschwierigkeiten ergeben sich bisher durch konjunkturelle und punktuelle Ereignisse wie Wahlen und politische Allianzen, die einer kontinuierlichen und thematisch orientierten Arbeit entgegen wirken. Viele der aktiven Frauen sind durch ihre Arbeit in den verschiedenen Bereichen und Gremien überlastet. Schwierig ist es auch, neue junge Frauen für die politische und gewerkschaftliche Arbeit zu gewinnen.
In 1993 stehen für alle Fördermaßnahmen ca. DM 68.000 zur Verfügung.

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