Seitentitel: Die FES in Westeuropa / Nordamerika
FES / FES International / Westeuropa / Nordamerika / Genderpolitik

Frauenförderung und Gender Mainstreaming in der Abteilung Internationaler Dialog

Publikationen der FES zu Genderarbeit können Sie
hier aufrufen.

Konzept der Arbeit

Demokratie und Entwicklung weltweit fördern, zu Frieden und Sicherheit beitragen, die Globalisierung solidarisch gestalten und die Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union unterstützen – dies sind die Leitlinien der internationalen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung in mehr als 100 Ländern der Welt. Die Gleichstellung der Geschlechter verstehen wir als konstituierendes Element von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit, was sie für uns zu einem wichtigen Bestandteil der Demokratieförderung macht. Durch politische Bildung, entwicklungspolitische Öffentlichkeitsarbeit und Politikberatung leistet die Stiftung in Seminaren, Konferenzen und Studien ihren Beitrag dazu.

In den meisten Projektländern zieht sich nach wie vor Diskriminierung von Frauen durch alle gesellschaftlichen Bereiche und trägt dazu bei, dass der Zugang zu Ressourcen und politischer Teilhabe zwischen Frauen und Männern ungleich verteilt ist. So arbeiten Frauen erheblich länger, verdienen und besitzen aber deutlich weniger als Männer. An politischen und wirtschaftlichen Weichenstellungen sind sie oftmals so gut wie gar nicht beteiligt. Wir sind der Überzeugung, dass die Interessen und Bedürfnisse beider Geschlechter berücksichtigt werden müssen, wenn Politik langfristig erfolgreich sein soll. Deshalb unterstützen wir Frauen auf ihrem Weg in die Politik oder in die Führungsebenen von Organisationen und Verbänden.

Frauen stehen – jenseits national geprägter Unterschiede – in den meisten Industrieländern vor grundsätzlich ähnlichen Problemen: ein relativ geringer Anteil von Frauen ist in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft zu finden, es gibt eine geschlechterspezifische Aufteilung des Arbeitsmarktes inklusive einer schlechteren Bezahlung von Frauen („Gender Pay Gap“), ebenso eine unzureichende Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie eine insgesamt schlechtere soziale und wirtschaftliche Situation.

In der Abteilung Internationaler Dialog der FES sind Frauenförderung und Gender Mainstreaming vor allem Themen des bilateralen Dialogs mit gesellschaftspolitischen Führungskräften in den mittel- und osteuropäischen Länderbüros. Dabei variieren Form und Inhalt der Projekte abhängig von der Situation und den Rahmenbedingungen im jeweiligen Partnerland. Der Gender Mainstreaming Ansatz beispielsweise wird in zahlreichen Ländern Mittel- und Osteuropas noch wenig angewandt. Mit unseren Partnern vor Ort und mit Unterstützung von Experten aus Deutschland leisten wir einen Beitrag dazu, das Konzept zu diskutieren und bekannter zu machen. Zusätzlich ermöglichen wir Fachkräften aus Mittel- und Osteuropa durch Studienreisen nach Brüssel, ihre Kenntnisse der EU-Gleichstellungspolitik zu vertiefen und Anschluss an die Debatte auf europäischer Ebene zu finden. Darüber hinaus nutzt die FES ihr Büronetzwerk, um frauenpolitische Themen auf regionaler Ebene zu diskutieren und eine Vernetzung der jeweiligen Akteurinnen und Akteure zu fördern und einen länderübergreifenden Lernprozess zu ermöglichen. Thematisch konzentriert sich die Arbeit dabei unter anderem auf die Aus- und Weiterbildung für Frauen in politischen Führungspositionen, auf die Sensibilisierung für Diskriminierung und Sexismus in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens oder auch auf Unterstützung und Beratung von Frauen in prekärer wirtschaftlicher und sozialer Lage.

zum Seitenanfang

Beispiele aus der Projektarbeit

zum Seitenanfang

Seminarreihe: "Rechtsberatung und politische Bildung für Frauen in Makedonien"

Im eher ländlichen Nord-Westen Makedoniens herrschen häufig noch traditionelle, patriarchalische Gesellschafts- und Familienstrukturen. Dort wird Frauen mitunter das Recht auf Bildung und auf Arbeit von den männlichen Familienmitgliedern vorenthalten. Auch das gesetzlich verbriefte Erbrecht der Frauen wird hier häufig umgangen. Diese Form der Diskriminierung macht sich nicht an einer bestimmten ethnischen Zugehörigkeit fest, konzentriert sich also keineswegs auf die in dieser Region mehrheitlich siedelnden Albaner. Zwar hat sich die Lage der Frauen aus diesem Teil des Landes in den vergangenen 20 Jahren verbessert, dennoch werden ihnen oft auch heute noch ihre vollen bürgerlichen und demokratischen Rechte nicht zugestanden. So kommt es immer noch vor, daß es das Familienoberhaupt ist, das am Wahltag anstelle der Frauen wählt.

Die FES hat sich in Kooperation mit einer Partnerorganisation dieser Problematik angenommen. Juristinnen und Sozialarbeiterinnen beraten Frauen aller Altersgruppen aus Dörfern dieser Region. Die Seminare zielen darauf, den Teilnehmerinnen ihre verbrieften Rechte bewusst zu machen, Erfahrungen auszutauschen und sich untereinander zu vernetzen.

Häusliche Gewalt ist neben der allgemeinen Diskriminierung von Frauen ein Problem, über das die Teilnehmerinnen der Seminare in großer Offenheit sprechen. Jede vierte Frau in Makedonien hat Erfahrung mit häuslicher Gewalt. Dabei handelt es sich meist um Gewalterfahrungen physischer und psychologischer Natur. Gewalt wird aber auch in der Form ökonomischer Abhängigkeit thematisiert und von den Frauen so empfunden. Selbst bei eigenem Einkommen haben sie oft keine Verfügungsgewalt über dieses Geld. Jegliche Form eines selbstbestimmten Lebens wird hier schon im Keim erstickt. Die ersten Frauenhäuser, die Gewaltopfern Schutz bieten sollen, wurden gerade erst eröffnet.

Neben den beschriebenen Phänomenen gibt es aber auch Konflikte zwischen den Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen, die oft Dorf an Dorf leben oder wo die Trennungslinien mitten durch eine Gemeinde gehen. Deshalb integrieren die Seminare bewusst Frauen mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund, sei er makedonisch, albanisch, türkisch und aus unterschiedlichen religiösen Traditionen. Der abgeschirmte Rahmen der Seminare unter ausschließlich weiblicher Teilnahme führt zu sehr offenen Debatten über die Probleme und Rechte von Frauen. Es zeigte sich, dass diese Frauen die angebotene Unterstützung dankbar aufnehmen und von sich aus Netzwerke untereinander bilden. Auch sind sie sich – anders als erwartet - der politischen Entwicklungen im Lande durchaus bewusst und haben großes Interesse an der Teilnahme am demokratischen Prozess. Allerdings fehlt ihnen noch die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren und aktiv zu werden.

Eine Flucht ganz eigener Art treten mittlerweile die meisten jungen Frauen aus diesen Dörfern an. Sie heiraten Männer mit gesichertem Aufenthaltsstatus in der EU oder den USA und hoffen neben den besseren ökonomischen Rahmenbedingungen auch auf ein moderneres, freieres Leben.

FES Makedonien
Kontakt: Stefan.Dehnert[at]fes.org.mk

zum Seitenanfang

Soziale Kooperativen – ein Modell für Frauen in Transformationsländern?

Gerade für Transformationsländer sind Kooperativen oder Genossenschaften wichtig. Zum einen knüpfen sie an Arbeits- und Lebenserfahrungen aus vor- und sozialistischen Zeiten an, zum anderen können sie auch denen Erwerbsmöglichkeiten bieten, die gerade in Transformationszeiten auf Hilfestellung angewiesen sind – Frauen sind ein großer Teil von ihnen. Tatsächlich erhalten solche Initiativen nur wenig Unterstützung, da sich die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in den meisten Transformationsländern äußerst neoliberal vollzogen hat.

Frauen suchen neue Wege

Folglich haben besonders benachteiligte Gruppen der Transformations-Gesellschaften ein Interesse daran, sich kooperativer Modelle zu bedienen. Frauen aus konkurrierenden Gewerkschaftsbünden in Serbien haben deshalb eine Initiative zum Thema Kooperativen entwickelt, die vom FES-Regionalprojekt „Arbeitsbeziehungen und Sozialdialog in SOE“ unterstützt wird. In drei Seminaren wurden die Prinzipien und Modelle kooperativer Modelle vorgestellt und diskutiert. Ergänzend dazu gab es Vorträge zum Thema sowie die Vorstellung bereits existierender Kooperativen. Dabei lag der Schwerpunkt vor allem auf der konkreten Bewältigung der eigenen Situation.

Alte Traditionen – neue Herausforderungen

Genossenschaftsinitiativen haben es in Serbien schwer, sich zu etablieren. Dies liegt an der mangelnden Unterstützung durch den Staat. Dieser konzentriert sich – wie auch in den meisten anderen Transformationsländern – nahezu ausschließlich auf die Abwicklung von Großbetrieben, ihrer Privatisierung und der Schaffung guter Investitionsmöglichkeiten für ausländische Investoren. So sind Genossenschaften und Kooperativen vollkommen auf ihre sehr begrenzten eigenen Mittel angewiesen. Trotzdem gibt es erfolgreiche Projekte. Sie sind in unterschiedlichen Arbeitsbereichen angesiedelt und auf ganz Serbien verteilt. Ein Beispiel ist die Kooperative Lastavica.

Lastavica hat sich verschiedenen Bedürfnisse und Interessen der Lokalbevölkerung und Umgebung von Surcin geöffnet und von Beginn an versucht, diejenigen zu unterstützen, die es am meisten brauchen (Flüchtlinge, Vertriebene, Kinder, Alte, Arbeitslose, sozial Benachteiligte u.a.). Die Programme zur wirtschaftlichen Absicherung sind recht erfolgreich und können auch die vielfältige soziale Arbeit finanziell ermöglichen. Es gibt einen Catering-Service, eine Webwerkstatt und ein Projekt zur Produktion von Wintervorräten. Gerade benachteiligte Frauen sich haben mit ihren jeweiligen Fähigkeiten, Kenntnissen und auch einem starken Durchsetzungsvermögen einen Arbeitsplatz geschaffen und wollen ihre sozial orientierte Kooperative noch ausbauen. In ihren Kooperativen sind hauptsächlich Frauen beschäftigt.

Lastavica ist mittlerweile ein eingetragener Verein. Seit dem Jahr 2000 hat Lastavica einen Vorstand (Vertreterinnen des Autonomen Frauenzentrums, Lastavica und Catering) und einen geschäftsführenden Vorstand, der bei Lastavica „Team“ heißt und verschiedene Positionen vereint (Vorstandsvorsitzende, Programmmanagerin, Finanzmanagerin, Administratorin und Logistikerin). Es gibt zurzeit fünf fest angestellte Mitarbeiterinnen und zehn Zeitarbeitskräfte. Alle Frauen, außer der Vorstandsvorsitzenden, sind allein stehende Flüchtlingsfrauen.

Neue Herausforderungen auch für Gewerkschaften

Die Zahl der in den Kooperativen Beschäftigten ist gering, trotzdem stellen sie aus mehreren Gründen ein wichtiges Projekt dar. Zum einen bleiben die vielen versprochenen Arbeitsplätze des ersten Sektors in den meisten Fällen auf der Strecke und erfassen in den seltensten Fällen gerade die Menschen, die sich mit den Kooperativen selbst helfen wollen: Frauen, Ältere und sozial Benachteiligte.

Zum anderen erwartet gerade eine moderne und demokratische Gesellschaft Eigeninitiative und Kreativität. Und letztlich schaffen viele kleine vielleicht das, was große Unternehmen in zu vielen Fällen nicht geschafft haben: neue Perspektiven für eine Vielzahl von Menschen.

Für die Gewerkschaften bedeutet die Frauenförderung in Kooperativen eine neue Herausforderung. Frauen stellen den größten Teil der Arbeitslosenstatistiken dar, obgleich ihr Qualifikations- und Ausbildungsniveau mindestens so hoch ist wie das der Männer. Gleichzeitig sind sie, wenn sie das Problem angehen wollen, mit Strukturen konfrontiert, innerhalb derer ihr Einfluss nach wie vor gering ist.

Zum anderen aber geht es auch um Arbeitsplätze in Bereichen, die den Gewerkschaften fremd sind, weil sie nicht dem klassischen Bild von Arbeitgebern und Arbeitnehmern entsprechen: in Klein- und Mittelbetrieben, in Kooperativen, etc.

Die Gewerkschaften brauchen also neue Strukturen und neue Ideen. Ihre weiblichen Mitglieder sind längst dabei, solche Perspektiven zu entwickeln.

FES-Regionalprojekt "Arbeitsbeziehungen und Sozialdialog in SOE", Belgrad
Kontakt: emilija.grujic[at]dialog.fes.org.yu | frank.hantke[at]dialog.fes.org.yu

zum Seitenanfang

Frauen in der Politik: Perspektiven für gemeinsame Initiativen – ein deutsch-italienischer Dialog

Konferenz in Rom, 19. Juli 2007
Die Konferenz analysierte, welche Wege Frauen in Italien und in Deutschland gehen müssen, um ihr Gewicht in der Politik zu erhöhen – und um zugleich die Stellung der Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zu stärken. Ausgangspunkt war eine Bestandsaufnahme. Für Deutschland legten Ulla Burchardt (MdB), Elke Ferner (MdB) und Inge Wettig-Danielmeier dar, welche Fortschritte mit der Einführung einer bindenden Quote bei der Besetzung von Parteiämtern und parlamentarischen Mandaten erzielt werden konnten. Italienische Politikerinnen beschrieben dagegen die Situation der Frauen auf dem Feld der Politik als weit negativer. In Wirtschaft und Gesellschaft sind jedoch in beiden Ländern die Führungspositionen unabhängig vom Grad der politischen Präsenz der Frauen weiterhin männlich dominiert.

FES Büro Italien
Kontakt: michaelbraun[at]tiscali.it | patriziabelletti[at]tiscali.it

zum Seitenanfang

Türkei: Muss man ein Mann sein, um ins Parlament zu kommen?
Öffentlichkeitskampagne 2007

Plakat der Öffentlichkeitskampagne 2007 Türkei Eine Partnerorganisation, mit der die FES Türkei seit Jahren eng zusammenarbeitet, ist die Frauenorganisation KA.DER. Der 1997 gegründete Verein ist bemüht, interessierte Frauen durch Weiterbildungsangebote in ihrem politischen Engagement zu unterstützen. Hierzu wurden in mehreren Provinzen Politikschulen für Frauen gegründet. Sie informieren nicht nur über das politische System, sondern bieten auch Motivationstrainings für Frauen an, die als Kandidatinnen bei lokalen und nationalen Wahlen antreten möchten. Noch vor den Parlamentswahlen 2007 forderte KA.DER die Verankerung einer 30%igen Frauenquote im Wahlgesetz. Gemeinsam mit der FES führte KA.DER hierzu eine Fortbildungs- und Öffentlichkeitskampagne durch. Bereits im Sommer 2006 wurden Multiplikatorinnen­seminare über Quotierung als Instrument zur Förderung der politischen Partizipation von Frauen abgehalten. Im Jahre 2007 folgte eine Öffentlichkeitskampagne unter dem Motto „Muss man ein Mann sei, um ins Parlament zu kommen?“.

FES Istanbul
Kontakt: neilyn[at]festr.org

zum Seitenanfang

Weiterführende Links und Informationen

Kontakt

Anja Wehler-Schöck anja.wehler[at]fes.de

Hinweis: Bitte ersetzen Sie in Ihrem e-mail Programm [at] durch @.