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Israel: Das Johannes Rau Symposium als Forum für Verständigung und Wissenstransfer

Deutschland und Israel sind durch die gemeinsame Geschichte ihrer Bevölkerungen auf beson-dere Art und Weise miteinander verbunden. Die Schoah, der millionenfache Mord an den europä-ischen Juden und der gezielte und systematische Versuch Deutschlands in der Zeit des National-sozialismus, das jüdische Volk zu vernichten, machen normale Beziehungen zwischen Deutsch-land und Israel, zwischen Deutschen und Juden, unmöglich. In seiner historischen Rede vor der Knesset im Jahr 2000 fasste Johannes Rau diese Tatsache in folgende Worte: „Das Verhältnis zwischen unseren Ländern wird für immer ein besonderes sein. Im Wissen um das Geschehene halten wir die Erinnerung wach. Mit den Lehren aus der Vergangenheit gestalten wir gemeinsame Zukunft. Das ist deutsch-israelische Normalität.“

Vor diesem Hintergrund des aktiven Erinnerns an den Holocaust ist in den letzten sechs Jahr-zehnten durch vielfältige politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Kooperation-en sowie durch persönliche Begegnungen ein enges Beziehungsgeflecht zwischen Deutschen und Israelis entstanden. Deutschland ist heute einer der verlässlichsten Partner Israels in der EU und einer der engsten Verbündeten des Landes weltweit.

Die FES setzt sich maßgeblich für die weitere Vertiefung des deutsch-israelischen Verhältnisses ein. Dabei spielt die Auseinandersetzung mit der Geschichte zweifellos eine zentrale Rolle. Doch will die FES, ganz im Sinne Johannes Raus, auch einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft leisten, indem sie die Kooperation Deutschlands und Israels auch auf der fachlichen Ebene stärkt. Die jährlich stattfindenden Johannes-Rau-Symposien sind Ausdruck dieses Anspruchs. Sie bringen Entscheidungsträger beider Länder zusammen und ermöglichen den persönlichen Austausch ebenso wie die inhaltliche und politische Diskussion von Themen, die für beide Seiten relevant sind.

Das letzte Johannes-Rau-Symposium fand zu dem Thema „Bildung in multikulturellen Gesell-schaften – ein deutsch-israelischer Dialog“ statt. Hintergrund war die Parallelität der Herausforde-rungen, vor denen beide Staaten im Bildungswesen stehen. In Israel spielt das Bildungssystem einerseits eine entscheidende Rolle bei der Integration von Einwanderern. Zugleich steht es vor einer Reihe von Problemen. Etwa werden säkulare und religiöse Juden in getrennten Schulen und größtenteils nach unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet. Und es besteht ein deutliches Gefälle zwischen jüdischen und arabischen Schulen in Israel. Auch in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten eine multikulturelle Gesellschaft entwickelt, in der vor allem Einwanderer aus der Türkei und Osteuropa eine wichtige Rolle spielen. Und auch hier muss ein Weg gefunden werden, die kulturellen Unterschiede angemessen zu berücksichtigen, denn Kinder mit Migra-tionshintergrund sind in der Praxis noch immer gegenüber deutschen Kindern benachteiligt.

Obwohl Deutschland und Israel zwei sehr unterschiedliche Gesellschaften sind, steht das jewei-lige Bildungssystem vor vergleichbaren Herausforderungen. Das „Johannes Rau-Symposium“ bot eine gute Plattform für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch, eröffnete neue Perspektiven auf die Bildungspolitik in multikulturellen Gesellschaften und bereicherte somit die bildungspolitische Debatte in beiden Ländern.

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net-edition:Ralf Melzer | Simone Döbbelin
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