Soziale Ungleichheit ist ein ernsthaftes Problem der israelischen Gesellschaft. Die Entwick-lungen der jüngeren Vergangenheit geben wenig Anlass für Optimismus, denn die Kluft zwischen Arm und Reich wächst kontinuierlich weiter. Die Weltwirtschaftskrise hat auch Israel getroffen, weshalb neben einem Ansteigen der Arbeitslosigkeit auch mit stagnierendem Wirtschaftswachstum zu rechnen ist. A ufgrund der latenten militärischen Bedrohung und der Dominanz dieses Themas im öffentlichen Diskurs kommt der sozialpolitischen Diskussion in Israel ohnehin eine untergeordnete Rolle zu.
Dieser Umstand findet seinen Ausdruck nicht nur in hohen Militärausgaben, sondern auch in den ständigen Bemühungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen – allen voran den Gewerk-schaften – sozialpolitischen Themen einen höheren Stellenwert in der Politik und in der öffentlichen Diskussion zu sichern. Die FES unterstützt diese Bestrebungen und arbeitet mit ihren Partnern auf die Umsetzung sozial gerechter Politiken und die Implementierung einer progressiven Arbeits- und Sozialgesetzgebung hin. Großen Raum nimmt in diesem Tätigkeitsfeld neben der Zusammenarbeit mit Parlament, Regierung und NGOs die Kooperation mit dem Gewerkschaftsdachverband Histadrut ein.
Histadrut ist das hebräische Wort für Organisation. Doch wenn in Israel von "der Histadrut" ge-sprochen wird, ist eine ganz bestimmte Organisation gemeint: Von 1920 an hatte die Histadrut als Gewerkschaft, als Holding verschiedener Unternehmen, als Krankenversicherung und als Bildungs- und Kulturinstitution der Arbeiterbewegung eine zentrale Rolle in der israelischen Gesellschaft inne. Mit dem 1994 eingeleiteten radikalen Reformprozess wandelte sich die Histadrut allerdings in eine Gewerkschaft im eigentlichen Sinne um. Seitdem kommt etwa der Betriebsratsarbeit eine immer größere Bedeutung zu.
Die Schulung von Betriebsräten ist seit Jahren ein Arbeitsfeld der FES. Unter Einbeziehung deutscher Erfahrungen bieten die FES und die Histadrut Workshops an, die Betriebsräten Instrumente in die Hand geben, ihre Aufgaben effizienter wahrzunehmen. Zur Palette der in diesem Rahmen vermittelten Qualifikationen zählen Kenntnisse in Volks- und Betriebswirt-schaftslehre ebenso wie Strategien zur Verhandlungsführung, Führungsqualitäten oder Kenntnis-se der israelischen Arbeitsgesetzgebung. Vor dem Hintergrund der erwähnten sozialen Spannun-gen ist es ein besonderes Anliegen der FES in Israel, auf diese Weise auch die Stellung der Ge-werkschaften im Rahmen der Sozialpartnerschaft zu stärken.
Im Rahmen der deutsch-israelischen Gewerkschaftskooperation fungiert die FES seit der Grün-dung ihres Büros in Israel als Bindeglied zwischen dem DGB und der Histadrut, deren beson-dere Beziehung bereits 1975 durch ein für beide Gewerkschaftsdachverbände einmaliges Partnerschaftsabkommen untermauert wurde. Seit Beginn des Reformprozesses Mitte der neunziger Jahre trug diese Kooperation zur erfolgreichen Umstrukturierung der Histadrut in eine effiziente Interessensvertretung der Arbeitnehmer bei. Die Partnerschaft der beiden Verbände kann als Modell deutsch-israelischer Zusammenarbeit und Begegnung angesehen werden, weil sie konkrete Ansätze für zukunftsorientierte Beziehungen erarbeitet und umsetzt, ohne dabei die schmerzvolle gemeinsame Geschichte auszublenden.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden in diesem Zusammenhang Austauschprogramme für die Gewerkschaftsjugend. Jährlich begegnen sich so israelische und deutsche Gewerkschafter, um sich in einem kollegialen – wenn auch auf Grund der Geschichte manchmal schwierigen – Dialog über die Vergangenheit, aber auch über Gegenwart und Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen, über die Gewerkschaftsarbeit sowie über aktuelle politische Entwicklungen in beiden Ländern auszutauschen.

Internationales Begegnungsprogramm - DGB-Jugenddelegation in Israel
Weitere Informationen unter:
www.histadrut.org.il oder bei Micky Drill, dem Gewerkschaftsreferenten der FES Israel micky.drill@fes.org.il
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