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Libanon: Unterstützung der Gewerkschaftsarbeit

Die ersten libanesischen Gewerkschaften wurden in den 20er Jahren gegründet und zeichneten sich - im Gegensatz zu den Gewerkschaften vieler anderer arabischer Länder - vor allem durch eine freie, demokratische und unabhängige Geschichte aus. Anfang der 1970er Jahre wurde der Gewerkschaftsdachverband "Conféderation Générale des Travailleurs au Liban", kurz CGTL, gegründet, der damals 18 Gewerkschaften umfasste. Während des Bürgerkrieges war der Dachverband die einzige Organisation, die alle konfessionellen Gruppen und politischen Strömungen repräsentierte und wurde somit zum Symbol der nationalen Einheit.

Allerdings dauerte es nicht allzu lange bis auch der libanesische Gewerkschaftsverband zu einem Schauplatz für konfessions- und machtpolitische Balanceakte wurde. Mitte der 1990er Jahre entwickelte sich der CGTL endgültig zum Spielball der Politik. Nötige Reformen wurden verschleppt und der Dachverband verlor an Einfluss. Parteipolitische und persönliche Konflikte überschatteten seither die Arbeit des Dachverbandes.

Seit Ende 2003 versucht die FES den allgemeinen Reformwillen zu unterstützen, z.B. durch die Vermittlungen zwischen dem Dachverband und den einzelnen Gewerkschaften. Allerdings gestaltete sich die Zusammenarbeit nicht immer einfach und trotz der Reformversuche hat es der CGTL bisher nicht geschafft, wieder zu einem sozialpolitischen Akteur zu werden. Daher konzentriert sich die Gewerkschaftsarbeit der FES gemeinsam mit dem 2001 mit Hilfe der FES gegründeten unabhängigen Trainingsinstitut LTUTC (Lebanese Trade Union Training Center) auf Fortbildungsmaßnahmen für Einzelgewerkschaften. Anfang des Jahres 2006 zeichneten sich noch weitere Veränderungen ab. Die Dominanz der beiden libanesischen Parteien Hizbullah und Amal verhindert zur Zeit eine von der ILO geforderte Reform des Dachverbandes - es wird sogar der Ausschluss aus dem Internationalen Gewerkschaftsverband diskutiert. Die FES wird deshalb zukünftig Entwicklungen in Richtung eines alternativen Gewerkschaftsdachverbandes unterstützen.

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net-edition:Ralf Melzer | Simone Döbbelin
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