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Israel: Für innergesellschaftlichen Frieden, Demokratie und Chancengleicheit. Die Förderung des Dialogs zwischen Juden und Arabern in Israel

Förderung junger Multiplikatorinnen - das Women Jewish Arab Center

Die israelische Gesellschaft ist in ihrer ethnischen und sozialen Zusammensetzung ausgesprochen heterogen. Nicht nur die Integration einer großen Zahl von Einwanderern – in den vergangenen Jahren besonders aus der ehemaligen Sowjetunion, aber auch aus Nordafrika und dem Nahen Osten – stellt das Land weiterhin vor enorme Herausforderungen. Auch die Spannungen zwischen säkularen und religiösen Juden nehmen an Intensität zu. Die Gleichstellung von Frauen ist – wie in Europa auch – ein Ideal, für dessen Umsetzung noch viel getan werden muss. Die Beziehungen zwischen Juden und der arabischen Minderheit in Israel sind chronisch angespannt und eine Eskalation dieser Spannungen kann jederzeit passieren.

Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage und dem daraus resultierenden Anstieg des sozialen Gefälles verschärfen sich diese Spannungen zusätzlich. Denn Minderheitengruppen sind von diesen Entwicklungen besonders betroffen. Die FES arbeitet daher in Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Minderheitengruppen, öffentlichen wie privaten Forschungseinrichtungen und staatlichen Stellen auf die Erreichung innergesellschaftlichen Friedens und die Verwirklichung von Chancengleichheit hin. Dies soll im Folgenden am Beispiel der jüdisch-arabischen Beziehungen innerhalb Israels und der Arbeit des Jewish-Arab Centers der Universität Haifa dargestellt werden.

Die vielfältigen Probleme in Israel treffen die israelischen Araber, die 20 Prozent der israelischen Bevölkerung ausmachen, besonders hart. Im Gegensatz zu den jüdischen Einwanderern handelt es sich dabei mehrheitlich um Muslime, denen eine christliche Minderheit gegenübersteht. Sie haben einen israelischen Pass, fühlen sich aber den Palästinensern in der Westbank und im Gazastreifen oft näher als ihren jüdischen Mitbürgern. Dies zeigt etwa die verbreitete Selbstbezeichnung als „palästinensische Bürger Israels“. Israelische Juden stellen deshalb sehr oft deren Loyalität gegenüber Israel in Frage. Neben der Benachteiligung der arabischen Minderheit im sozialen und politischen Bereich sowie im Zugang zu Bildung und auf dem Arbeitsmarkt trägt der Nahostkonflikt zu einer weiteren Verschärfung der Verhältnisse bei. Die so bedingte Stereotypisierung und Ablehnung der jeweiligen Gegenseite ist letztlich die Hauptursache für das regelmäßige Ausbrechen des latent schwelenden Konflikts zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.

Angesichts dieser Ausgangslage führt das Jewish-Arab Center der Universität Haifa in Kooperation mit der FES eine Reihe von Maßnahmen durch, die auf einen Abbau dieser Spannungen abzielen. Die Maßnahmen verfolgen mehrere Ziele zeitgleich und sind konzeptionell in drei Arbeitsbereiche gegliedert:

Ausgangspunkt ist die jährliche Durchführung einer Studie zum Stand des jüdisch-arabischen Verhältnisses. Der daraus hervorgehende Index of Jewish-Arab Relations gilt als eines der an-erkanntesten Instrumente zur Evaluierung sowohl der aktuellen Situation als auch der Entwicklung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Israel. Dies ermöglicht eine realistische Einschätzung der Problemlage.

Indem der Index konkrete Reibungspunkte aufzeigt, bildet er in vielerlei Hinsicht das Fundament der weiteren Arbeit. Denn die Konzepte für Konferenzen und Workshops beruhen auf den Er-kenntnissen aus der wissenschaftlichen Arbeit. Durch die Veranstaltungen werden diese Ergeb-nisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das Bewusstsein für die vielfältigen Aspekte der Thematik in der Bevölkerung geschärft. Darüber hinaus sollen Entscheidungsträger für Fragen des jüdisch-arabischen Verhältnisses sensibilisiert werden. Denn dies ist letztlich Grundvoraussetzung für die Implementierung von „top-down“-Initiativen, die – etwa durch die Ausweitung der Minderheitenrechte – zur Reduzierung bestehender Spannungen beitragen können. Zu diesem Zweck werden Zusammentreffen von Politikern, Experten und Vertretern der arabischen Minderheit organisiert, die einen unmittelbaren Erfahrungsaustausch ermöglichen und das Verständnis für die Positionen der jeweiligen Seite erweitern.

In einem dritten Bereich wird diese Herangehensweise durch „bottom-up“-Ansätze ergänzt, die durch das Zusammenführen von Juden und Arabern das individuelle Verständnis der Gegenseite erhöhen sollen. Zu diesem Zweck veranstaltet das Jewish-Arab Center regelmäßig Workshops, in denen jüdische und arabische Studierende gemeinsam Projekte erarbeiten und umsetzen.

Weitere Informationen unter: http://jac.haifa.ac.il

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net-edition:Ralf Melzer | Simone Döbbelin
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