Unruhe gab es im Saal, als der indonesische Botschafter, der in einen Verkehrsstau geraten war, auf sich warten ließ. Die indonesischen Studentenaktivisten, Politiker, Menschenrechtler und Wissenschaftler, die nach Berlin angereist waren, um auf Einladung der FES und von Watch Indonesia! Bilanz zu ziehen über die Entwicklung der drittgrößten Demokratie der Welt, zeigten sich ungehalten.
Aber die Tatsache, dass der Botschafter S. E. Makmur Widodo ein Grußwort an Menschenrechtler aus Indonesien richtete, die teilweise unter dem Diktator Suharto politische Häftlinge waren, zeigt, wie sehr sich das Land in den letzten zehn Jahren verändert hat.
Indonesiens Demokratisierungsprozess nach dem Sturz
Suhartos 1998 ist ohne Zweifel
ein großer Erfolg. Das Land präsentiert sich politisch stabil – umso mehr, wenn man auf
die Entwicklung der südostasiatischen
Nachbarstaaten
schaut. Die Demokratie hat
Wurzeln geschlagen. Politische
Häftlinge wurden freigelassen,
die Bildung von Parteien und Gewerkschaften wurde wieder
erlaubt. Freie und friedliche
Wahlen fanden 1999 und 2004
statt, und die indonesischen Medien zählen zu den freiesten
in ganz Asien. Neben all den
positiven Errungenschaften
des vergangenen Jahrzehnts
sprachen die Konferenzteilnehmer
eine Reihe bestehender
Defizite an: Trotz beachtlichem
Wirtschaftswachstum erreicht
der Aufschwung nicht
die Ärmsten der Bevölkerung,
die Einkommenskluft hat sich
vergrößert.
Einige Felder, auf denen die
FES ihre Zusammenarbeit mit
der indonesischen Zivilgesellschaft
fortsetzen muss, wurden
in Einzelworkshops diskutiert:
die Konflikte in den Provinzen
Aceh und Papua, die Rolle der
politischen Parteien im Demokratisierungsprozess
und die
Reform des Sicherheitssektors.
FES | 2008