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Beispiele aus unserer Arbeit
Die im Schatten sieht man nicht

„Shining India“ brachte eine „neue“ Mittelklasse hervor, deren Mitglieder in Call-Centern, Software-Unternehmen und Filmstudios in Mumbai und Bangalore arbeiten. So lautet das Klischee in der westlichen Berichterstattung über das heutige Indien. Auf einem Workshop der FES am 25. und 26. August in Mumbai befassten sich die Vertreter von fünf indischen Gewerkschaftsdachverbänden mit den Auswirkungen der Globalisierung auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen in Ihrem Land.

Die Beiträge zeichneten ein bedrückendes Bild: Die Globalisierung bescherte Indien in den vergangenen Jahren zweifellos hohe Wachstumsraten. Doch neue Arbeitsplätze entstanden vorrangig im so genannten informellen Sektor, in dem die Menschen sich auf eigene Rechnung in Kleinstbetrieben durchschlagen oder weitgehend recht- und schutzlos in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind. Dabei geht es unter den informell Beschäftigten Frauen und Mädchen noch einmal deutlich schlechter als Männern. Im modernen Sektor der Informationstechnologie hingegen wurden bislang nur rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Nicht viel angesichts von 400 Millionen Menschen, die keine geregelte Arbeit haben. Aber auch in den formellen Bereichen der verarbeitenden Industrie und der Dienstleistungen hat sich Indiens Hinwendung zur Globalisierung meist nachteilig auf die Beschäftigten ausgewirkt. Die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie die Redner der fünf in Indien vertretenen Global Union Federations und verschiedener wissenschaftlicher Institute berichteten
übereinstimmend, dass sich in den letzten Jahren der Druck auf die Belegschaften deutlich verschärft hätte. Die rbeitgeber
forderten sowohl längere Arbeitszeiten als auch erhebliche Produktivitätssteigerungen.

Deutlich wurde, dass es nicht reicht, die Folgen der Globalisierung zu beklagen. Um die Interessen ihrer Mitglieder und der Beschäftigten insgesamt wirksam zu vertreten, müssen die indischen Gewerkschaftsverbände ihre Zersplitterung überwinden und ihre Tätigkeit stärker an den Herausforderungen und Auswirkungen der Globalisierung ausrichten.

Das erneute Scheitern der Doha-Runde hat gezeigt, dass das klassische Schema der Verhandlungen zwischen den großen Wirtschaftsmächten USA, Europa und Japan nicht mehr ausreicht. Länder wie Indien, Brasilien und Südafrika haben bewiesen, dass sie die Ziele der WTO mitbestimmen wollen. Wie können die von Brasilien geleitete G-20 Koalition, die sich für fairere Agrarwirtschaft einsetzt, und die von Südafrika geleitete NAMA 11, die für Raum zur politischen Gestaltung und tarifliche Flexibilität kämpft, wirksam ihre Rolle innerhalb der WTO-Verhandlungen geltend machen? Mit diesen Kernfragen beschäftigte sich Anfang August ein Workshop der FES-Südafrika und des Institute for Global Dialogue.

FES | 2008

net-edition:Ingo Schafhausen FES | 2008
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