Pushpa Kamal Dahal, genannt Prachanda, der nach der Abschaffung der Monarchie im August zum ersten Premierminister Nepals gewählt wurde, hat am 21. September 2008 das Karl-Marx-Haus besucht. Prachanda war auf dem Weg zur UNO-Generalversammlung in New York und nutzte einen kurzen Zwischenstop in Deutschland für einen Abstecher nach Trier. Oberbürgermeister Klaus Jensen begrüßte den Premierminister mit einem Hinweis auf die zahlreichen Besucher, die jedes Jahr in die Stadt strömen. Viele von ihnen kämen so wie Prachanda eigens, um den Geburtsort von Karl Marx zu sehen. „Es ist uns eine Freude,“ so OB Jensen, „dass wir Sie gerade in diesem Jahr hier begrüßen dürfen – 190 Jahre nach der Geburt und 125 Jahre nach dem Tod von Karl Marx.“
Prachanda revanchierte sich mit einem Eintrag in das Gästebuch des Karl-Marx-Hauses, welches seit 1968 von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) als Museum betrieben wird: „Ich bin wirklich stolz, am Geburtsort von Karl Marx zu sein, dem großen Denker des letzten Jahrtausends. Ich werde diesen Moment nie vergessen“, schrieb der nepalesische Premier.
Bei der anschließenden Führung durch das Haus und die Ausstellung durch Elisabeth Neu beeindruckte Prachanda mit seinem umfangreichen Wissen über Marx' Leben und dessen Werk. Selbst über die Tätigkeit als Journalist bei der Rheinischen Zeitung wusste der Chef der nepalesischen Maoisten genau Bescheid. Höhepunkt der Führung war für Prachanda daher das Geburtszimmer des Philosophen sowie eine lebensgroße Skulptur, geschaffen von Klaus Kammerichs, im Garten des Hauses. In der Skulptur erkennt man auf die Entfernung Karl Marx, der jedoch immer stärker verschwindet, je mehr man sich annähert.
Zum Abschied dankte Prachanda der Friedrich-Ebert-Stiftung für den Besuch im Karl-Marx-Haus sowie für die Arbeit der FES vor Ort in Nepal, wo sie mit einem eigenen Büro u.a. Programme zur politischen Bildung und zur Wähleraufklärung organisiert: „Die Ebert-Stiftung hat mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zu unserem Friedensprozess geleistet. Wir sind dankbar für diese Unterstützung und brauchen auch in Zukunft die Hilfe der gesamten internationalen Gemeinschaft,“ meinte der neue Premierminister, bevor er in Richtung New York weiterreiste.
FES | 2008